05. Mai 2015
Frühkindliche Bildung als Fundament für Chancengleichheit in einer modernen Wissensgesellschaft
Berücksichtigung der Demografie in Sachsen-Anhalt
"Ziel der modernen Wissensgesellschaft muss es sein, der Bevölkerung ein optimales Bildungsangebot von der 'Wiege bis zur Bahre' anzubieten", sagte der Landerat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich. Zu der Veranstaltung "Frühkindliche Bildung als Fundament für Chancengleichheit in einer modernen Wissensgesellschaft" hatte der Sprecher der Sektion Sachsen-Anhalt Süd, Marcel Schmidt eingeladen. Weiterer Referent war Dr. Walter Bartl von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.
Marcel Schmidt, Geschäftsführer, GALA-MIBRAG-Service GmbH und Sprecher der Sektion Süd, Wirtschaftsrat Sachsen-Anhalt - Foto: Wirtschaftsrat

Dr. Walter Bartl, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sprach über den bundesweiten demographischen Wandel und die Bildungsarmut, meist in den ländlichen Regionen Deutschlands. Runtergebrochen auf Sachsen-Anhalt ließe sich feststellen, daß sieben von zehn Schülern ohne Hauptschulabschluss von Förderschulen stammten und Sachsen-Anhalt zudem eine der höchsten Förderschulquoten Deutschlands hätte. Die Grundlagen zur Vermeidung von Bildungsarmut würden im frühen Kindesalter gelegt. So könne Kinderarmut durch Elternerwerbstätigkeit bekämpft werden - dies setze jedoch eine eine verlässliche, bezahlbare Ganztagsbetreuung voraus -. Zugleich müsse der Bildungsbereich vorverlegt werden, räumliche Erreichbarkeit und Zuverlässigkeit gewährleistet sein, die Angebotsqualität gesteigert sowie der  Übergang zur Schule optimiert und die integrativen Elemente des Schulsystems gestärkt werden, erläuterte Dr. Walter Bartl.

 

Götz Ulrich, Landrat des Burgenlandkreises, zeigte den Unternehmern der Region auf, wie er  diesen theoretischen Ansatz in seinem Landkreis umzusetzen wolle. Das Ziel sei eine Zukunft durch Bildung. Dabei lägen die Herausforderungen für den Burgenlandkreis unter anderem im Wettbewerb der Regionen: Der Burgenlandkreis müsse es hier aufnehmen mit den Regionen  Halle-Leipzig, Jena und Bayern. Auch aufgrund der geringen Industriedichte im Burgenlandkreis seien  die Auspendlerquote hoch und ein starker Wegzug zu verzeichnen. Der Landkreis sei mit einem Bevölkerungsrückgang von 25 Prozent seit 1990 konfrontiert und einer Langzeitarbeitslosenquote von acht Prozent.

 

Ziel müsse es laut Ulrich sein, der gesamten Bevölkerung ein optimales Bildungsangebot von der „Wiege bis zur Bahre“ zu Verfügung zu stellen, das zunächst unmittelbar positiv auf die Bildungsbiographie der Einwohner wirke und damit mittelbar dem gesamten Landkreis als Standortfaktor zugute kommt. Kommunale Bildung fände mit verschiedenen Zuständigkeiten, über vielfältige Akteure und Träger, in Form zahlreicher Maßnahmen, unterschiedlich finanziert und für verschiedenste Zielgruppen statt.

Als Neuerung wurde das Sachgebiet „Schulverwaltung“ dem Amt für Bildung, Kultur und Sport unterstellt. Somit erfolgte auch eine Neubesetzung der Amtsleiterstelle im Amt für Bildung, Kultur und Sport durch den promovierten Pädagogen Dr. Lars Knopke. Die Verankerung des Kommunalen Bildungsmanagements im Amt für Bildung, Kultur und Sport und beim Amtsleiter wurde vorgenommen, sowie die Neubesetzung der Leiterinnenstelle der Kreisvolkshochschule und Neuprofilierung.

Dr. Walter Bartl, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Soziologie, Halle (Saale), Götz Ulrich, Landrat, Burgenlandkreis - Foto: Wirtschaftsrat