11. Juli 2013
Frauen in Führungspositionen - Brauchen wir eine starre Quote?
Podiumsdiskussion bei der PROFILMETALL GmbH
„Ginge es nach Meinung der Europäischen Union, sollte einheitlich reglementiert werden, wie hoch der Anteil der weiblichen Führungskräfte in Unternehmen ausfallen muss. Derzeit wird in breiter Öffentlichkeit von starren Frauenquoten gesprochen und kontrovers diskutiert. Die Bundesregierung, Parteien und Verbände sowie die Wirtschaft sind sich uneinig. Brauchen wir tatsächlich starre Quoten, um den Anteil weiblicher Führungskräfte in Wirtschaft und Industrie zu erhöhen?“, eröffnete Werner Theis, Sprecher der Sektion Reutlingen/Tübingen die Podiumsdiskussion im Hause der PROFILMETALL GmbH.

Brauchen wir eine Frauenquote? Werden Frauen bei der Besetzung von Führungspositionen be­nachteiligt oder gar übergangen? Lassen sich Beruf, Karriere und die Familie miteinander vereinbaren? Sind Frauen unter Umständen dem Druck, der in deutschen Füh­rungsetagen herrscht, nicht gewachsen?

 

Diese und weitere Fragen diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium im Rahmen einer Veranstaltung der Sektion Reutlingen/Tübingen des Wirtschaftsrats. „Angesichts der erschreckenden demographischen Entwicklungen, die sich in der Bundesrepublik abzeichnen, ist es selbstverständlich, dass das gesamte personelle Potential Deutschlands vonnöten ist, um dieser „Geißel“ Herr zu werden. Dennoch wird die gesamte Bandbreite an deutscher Personalkraft bei Weitem nicht ausreichend ausgenutzt, zumal selbst in einem voll entwickelten Industrieland wie Deutschland Männer nach wie vor das Wort führen und innerhalb der Wirtschaft den Ton angeben. Das muss sich dringend ändern“, mit diesen Worten sensibilisierte Werner Theis, Sprecher der Sektion Reutlingen/Tübingen, die anwesenden Unternehmerinnen und Unternehmer weiter.

 

Unter Moderation von Dr. Anne de Boer, Partnerin bei GSK Stockmann + Kollegen Rechtsanwälte Notare, Stuttgart, behandelten die anwesenden Experten Annette Widmann-Mauz MdB, Daniela Eberspächer-Roth, Geschäftsführerin der PROFILMETALL GmbH, Dr. rer. nat. Astrid Proksch, Geschäftsführerin Hertie- Institut für Klinische Hirnforschung und Claudia Hammerschmidt, Direktorin Abteilung Kraftfahrtschaden der Württembergischen Versicherung zahlreiche Aspekte rund um das umstrittene Konzept der Frauenquote in der deutschen Wirtschaft.

 

„In den Konzernen müssen einheitliche Rahmenbedingungen und konkrete Zielvereinbarungen über weibliche Führungskräfte eingerichtet werden. Frauen müssen durch eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten wie Teilzeitmodelle oder Homeoffice-Möglichkeiten in die Unternehmensstruktur eingebunden werden“, forderte Claudia Hammerschmidt. Hierbei seien Frauen jedoch keine einseitige Belastung fuhr sie fort. Studien belegen, dass weibliche Führungskräfte generell weniger Fehltage und eine höhere Produktivität am Arbeitsplatz vorweisen als ihre männlichen Gegenstücke. Desweiteren machten in jüngster Vergangenheit zahlreiche Top-Managerinnen mit einer hervorragenden Bilanz in Sachen Konzernlenkung und unternehmerischer Weitsicht auf sich aufmerksam.

 

Nichtsdestotrotz warnte Astrid Proksch vor einer Überstrapazierung der Einbindung. „In vielen wichtigen Branchen ist eine  Frauenquote von 30% schlichtweg utopisch. Technische Berufe sind nach wie vor eine Männerdomäne, an die sich Frauen nicht herantrauen“, so Proksch. Dennoch sprach sich auch die Geschäftsführerin des Hertie-Institus für eine stärkere staatliche  Förderung, vor allem für weibliche Studenten aus. Es lasse sich bereits im Studium ein Gefälle zwischen Mann und Frau feststellen, weswegen der Staat die Wurzel des Problems dort mit gezielten Fördermaßnahmen attackieren könne, erklärte Frau Proksch.

 

Ein weiterer Gegenstand der Podiumsdiskussion war die Rolle, die Männer im Arbeitsleben von Frauen spielen. „Bereits als Vater eines Kleinkindes hat ein Mann die Möglichkeit, einen sehr starken Einfluss auf das Kind auszuüben, was den Charakter und damit die  Erfolgschancen im späteren Berufsleben maßgeblich mitdefiniert“, erläuterte Annette Widmann-Mauz. Folglich müssen Väter besonderes Augenmerk auf ihre Vorbildfunktion richten, um ihren Töchtern eine erfolgreiche  Karriere zu ermöglichen, so die Bundestagsabgeordnete.

 

„Wie die vorangegangene Gesprächsrunde gezeigt hat, ist die Einbindung von Frauen in die Führungsebene der deutschen Wirtschaft keine Frage von gesetzlichen Regelungen. Es ist eine Frage der Akzeptanz und ein Problem, das nicht von Kommunal- oder Landesregierungen alleine, sondern nur von der gesamten Bundesrepublik gemeinsam gelöst werden kann“, fasste Dr. Anne de Boer die konstruktive Diskussion zusammen.

 

„Frauen brauchen keine Quote, sondern Unterstützung, ihr Können, ihr Know How und ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen und zeigen zu können. Die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, flexiblere Arbeitszeiten und –modelle sowie die konsequente Anwendung moderner Arbeitsmethoden sind die Bausteine, die der Wirtschaftsrat empfiehlt“ schloss Werner Theis dankend ab.

Kontakt
Bernhard Feßler
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V.
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