Flüssige Brennstoffe bringen die Energiewende voran

Drei Viertel der deutschen Hausbesitzer halten laut einer GfK-Umfrage die geplante Energiewende im Gebäudebereich für nicht bezahlbar. Dies zeigt, dass die Kosten der Energiewende nicht vernachlässigt werden dürfen. Ein relevanter Beitrag des Gebäudesektors für den Klimaschutz ist nur realistisch, wenn die dafür notwendigen Maßnahmen für die Menschen bezahlbar sind. Deswegen ist ein technologieoffener Wettbewerb um die besten und günstigsten Lösungen unverzichtbar. Hier können Ölheizungen einen wichtigen Beitrag leisten und den angestrebten Wandel unterstützen.

Der „Klimaschutzplan 2050“ sieht vor, dass die Bereiche Industrie, Verkehr und Gebäude langfristig ihren Energiebedarf weitgehend mit Strom aus erneuerbaren Quellen decken. Welche Herausforderung dies darstellt, macht der geringe Anteil erneuerbaren Stroms am heutigen Endenergieverbrauch klar: Er liegt gerade einmal bei acht Prozent. Der „All electric“-Ansatz wird nicht nur für sehr hohe Kosten sorgen. Es würde auch der Bedarf an Ökostrom massiv steigen, ohne dass derzeit klar ist, wie die Erzeugungskapazitäten entsprechend erhöht werden können und wie in künftigen „Dunkelflauten“ Strom sicher verfügbar sein soll. Vor allem jedoch unterschätzt der „Klimaschutzplan 2050“ die Möglichkeiten, die bewährte, akzeptierte und bezahlbare Technologien bieten. Zu diesen Technologien zählt auch die Öl-Brennwertheizung.

 

Brennwerttechnik: Potenziale nutzen, Förderung beibehalten

Öl-Brennwertheizungen zeichnen sich durch eine fast 100-prozentige Effizienz aus und sorgen im Modernisierungsfall für eine schnelle Treibhausgasminderung von bis zu 30 Prozent. Sie haben einen großen Anteil daran, dass der Heizölverbrauch in Deutschland in den vergangenen zwanzig Jahren bei nahezu konstanter Anlagenzahl bereits um mehr als die Hälfte reduziert werden konnte. In den vergangenen Jahren wurden im Rahmen von Heizungsmodernisierungen überwiegend derart effiziente Brennwertheizungen eingebaut, denn Verbraucher schätzen insbesondere das günstige Kosten-Nutzen-Verhältnis. Gerade bei Modernisierungen bestehender Anlagen sind Öl-Brennwertgeräte zudem in der Regel wesentlich kosteneffizienter als zum Beispiel Strom-Wärmepumpen oder die Umstellung auf Erdgas.

Rund einem Viertel aller Menschen in Deutschland, vor allem in ländlichen Räumen, bietet Heizöl heute eine sichere und zuverlässige Wärmeversorgung – gerade auch dort, wo leitungsgebundene Energieträger nicht zur Verfügung stehen. Effiziente Öl-Brennwerttechnik ermöglicht daher Millionen Menschen einen schnellen und bezahlbaren Einstieg in die Energiewende. Deshalb ist die bestehende staatliche Förderung für entsprechende Sanierungsmaßnahmen gut angelegt. Und daher ist es auch kontraproduktiv, diese Förderung in Frage zu stellen oder eine künstliche Verteuerung von Heizöl herbeiführen zu wollen. Diese würde gerade die Menschen, die sich teure Modernisierungen nicht leisten können, unangemessen belasten. Es wären somit insbesondere die kleinen Einkommen, die die enormen Kosten der Energiewende finanzieren würden, ohne davon zu profitieren.

 

Clevere Sektorkopplung mit Power-to-Heat

Öl-Brennwerttechnik ist die ideale Basis für die Einbindung erneuerbarer Energien, weil Heizöl als speicherbarer Energieträger stets die Versorgungssicherheit gewährleistet. Bereits heute werden knapp eine Million Ölheizungen zusammen mit Solarthermie betrieben. Künftig könnten solche Hybrid-Heizsysteme dank Power-to-Heat als weitere Komponente auch überschüssigen Ökostrom in die Wärmeversorgung einbinden. Die Idee dabei: Stromerzeugungspotenziale, die wirtschaftlich oder technisch nicht sinnvoll genutzt werden können, werden mittels elektrischer Heizeinrichtungen in Wärme umgewandelt. Da heute schon an sehr windigen Tagen regional mehr Strom produziert wird, als das Netz zu transportieren vermag, müssen immer wieder erneuerbare Stromerzeuger „abgeregelt“ werden. Der nicht produzierte Strom sorgt dennoch für Kosten, die über die Netzentgelte von den Verbrauchern gezahlt werden müssen: Allein im Jahr 2015 waren das rund 480 Millionen Euro.

Durch die gezielte Aktivierung von Power-to-Heat könnte das erneuerbare Stromerzeugungspotenzial besser genutzt werden. Anders als reine Elektroheizungen, wie etwa monovalente Strom-Wärmepumpen, benötigen power-to-heat-fähige Ölheizungen dabei keine zusätzlichen, teuren Reservekraftwerkskapazitäten.

 

Neue flüssige Energieträger – neue Perspektiven

Bereits heute gibt es Bio-Heizöl. Um die Vorteile eines flüssigen Energieträgers langfristig nutzen zu können, wird an weiteren Innovationen gearbeitet. Neben der Nutzung von erneuerbarem Wasserstoff im Raffinerieprozess, werden derzeit viele verschiedene Ansätze zur Entwicklung neuer Brennstoffe verfolgt: Von A wie Algennutzung bis X wie X-to-Liquids, worunter die Herstellung synthetischer flüssiger Kohlenwasserstoffe aus den unterschiedlichsten Kohlenstoffquellen, zum Beispiel aus Rest- und Abfallstoffen, verstanden wird. Dadurch werden die Vorteile flüssiger, speicherbarer Brennstoffe langfristig klimaneutral nutzbar sein.

Flüssige Energieträger bieten also viele Potenziale, um die Energiewende weiter voranzubringen.Um diese nutzen zu können, ist es jedoch wichtig, am Grundsatz eines technologieoffenen und energieträgerneutralen Wettbewerbs festzuhalten. Dies schließt auch ein, Heizöl nicht durch neue Steuern oder Abgaben künstlich zu verteuern.

 

Dipl.-Ing. Adrian Willig, Geschäftsführer Institut für Wärme und Oeltechnik e.V. (IWO)

 

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