28. September 2017
Landesfachkommission Mittelstand und Industrie 4.0
EU-Datenschutz-Grundverordnung: Perspektiven für den Mittelstand
Dr. Jan-Hendrik Gnändinger, Partner der KPMG AG, sowie Philipp Müller-Peltzer, Managing Director der ISiCO-Datenschutz GmbH, berichten und informieren über die Chancen und Risiken der EU-Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für den Mittelstand in Berlin und Brandenburg
„Bis zum 25. Mai 2018 müssen alle Unternehmen in Deutschland und der EU die DSGVO umgesetzt haben, aber viele Firmen wissen nicht, wo sie starten sollen“, sagte Dr. Wolfang Schmal, Vorsitzender der Landesfachkommission Mittelstand und Industrie 4.0, zur Einführung. „Dabei sind Anspruchsgrundlagen und Sanktionen klar geregelt“, erläuterte Dr. Jan-Hendrik Gnändinger, Partner bei der KPMG AG. „Bei Nichtumsetzung drohen 20 Millionen Euro oder 4% des Jahresumsatzes als Strafzahlung“, so der Datenschutz-Experte. Die Spielregeln des neuen Datenschutzrechts sind für viele Unternehmen neu. Es ist nicht mehr der Verstoß, der geahndet wird, sondern das Nichtvorhalten eines Datenschutzmanagement-Systems. Die Risiken sind dabei erheblich. Das Unternehmen haftet nicht nur für sich selber, sondern auch für Datenschutzfehler von Zulieferern und deren Sub-Unternehmen. Wird der Datenschutz nachlässig behandelt, können die Unternehmen rasch überfordert sein. Wenn ein Kunde abfragt, welche Daten von ihm gespeichert sind, ist das noch handhabbar. Wenn 500 Kunden anfragen, kann dies ein Unternehmen lahm legen.
Philipp Müller-Peltzer (Foto Wirtschaftsrat)

Philipp Müller-Peltzer, Managing Director der ISiCO Datenschutz GmbH, verwies zunächst auf die positiven Seiten der DSGVO. Zum ersten Mal gilt in der EU ein Datenschutzrecht. Mit dem Marktprinzip wird eingeführt, dass ein Unternehmen, das in der EU tätig ist, die DSGVO anwenden muss, auch wenn sein  Sitz außerhalb der EU liegt. Allerdings erfordert die Anwendung ein hohes Maß an Genauigkeit. „Werden Produkte am Fließband hergestellt und die Produktionsdaten mit Leistungsdaten von Mitarbeitern verbunden, greift die DSGVO“, so Müller-Peltzer. Es sei darauf zu achten, dass die Daten richtig erhoben werden und, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, auch wieder gelöscht werden, erklärt der Datenschutz-Profi.

 

Die Teilnehmer fragten die Experten nach der Rolle der Datenschutzbeauftragten der Bundesländer. Beide waren sich einig, dass das Umfeld für Unternehmen in Berlin und Brandenburg sich erheblich schwieriger darstellt als dies etwa in den südlichen Bundesländern der Fall sei.

 

Der Kommissionsvorsitzende, Dr. Wolfgang Schmal, dankte den Referenten und Teilnehmern für Ihre Beiträge und verwies auf die kommende Sitzung der Landesfachkommission am 19. Oktober 2017 zum Thema „Vertrieb im digitalen Zeitalter“.

Dr. Jan-Hendrik Gnändinger (Foto: Wirtschaftsrat)