18. Oktober 2016
Wirtschaft trifft Botschaft
"Es war für uns immer sinnvoll zusammenzuarbeiten"
Expertengespräch mit S.E. Michael Collins, Botschafter von Irland, über die Auswirkungen des Brexit für Irland
Auf Einladung des irischen Botschafters S.E. Michael Collins führten die Mitglieder und Gäste des Wirtschaftsrates Berlin Brandenburg ein Expertengespräch zu den Konsequenzen des BREXIT für Irland und das Verhältnis zu Deutschland sowie die Rolle Irlands in der Europäischen Wirtschaft.
S.E. Michael Collins, Botschafter von Irland(Foto: Wirtschaftsrat)

Die irische Wirtschaft sei nach der Finanz- und Staatsschuldenkrise auf einem guten Weg, bescheinigte der Botschafter. Irland hätte aktuell das EU-weit am schnellsten wachsende Bruttosozialprodukt, die Arbeitslosigkeit habe sich fast halbiert und die Staatsverschuldung sinke. Nach dem Brexit-Votum müsse sich Irland nun allerdings neuen Herausforderungen stellen.


Der gemeinsame EU-Beitritt von Irland und dem Vereinigten Königreich vor mehr als 40 Jahren hätte zu einer sehr positiven Entwicklung der irisch-britischen Beziehungen geführt und wäre vor allem für den Friedensprozess in Nordirland von großer Bedeutung gewesen, so Botschafter Collins. Nun wäre es wichtig, sich um politische Stabilität, die Aussöhnung und den wirtschaftlichen Aufschwung Nordirlands, die Bewahrung der Fortschritte im Friedensprozess in Nordirland sowie die Verbesserung des irisch-britischen Verhältnisses zu bemühen. Das Karfreitagsabkommen von 1998 und alle darauf aufbauenden Vereinbarungen müssen in Kraft bleiben, einschließlich der Wahlfreiheit zwischen der britischen und der irischen Staatsbürgerschaft, führte der Botschafter aus.


Deutschland werde für Irland und auch viele andere Mitgliedsstaaten einer der wichtigsten Partner in der EU sein. „Es war für uns immer sinnvoll zusammenzuarbeiten“, sagte Botschafter Collins und visualisierte seine Aussage mit dem eingangs gezeigten Bild des 1928 gefundenen Schwertes von Ballinderry. Dieses Schwert sage viel über die Durchdringung von Kulturen aus und zeige die mehr als tausendjährigen Beziehungen zwischen Irland und dem europäischen Kontinent. Die Klinge des High-Tech-Produktes des 9. Jahrhunderts, dessen Besitzer ein irischer Stammeshäuptling war, sei deutsch, Griff und der Knauf  dagegen skandinavischen Ursprungs.


Die EU-Mitgliedschaft sei in den vergangenen viereinhalb Jahrzehnten entscheidend für die Entwicklung Irlands als ein starkes, zuversichtliches und aussichtsreiches Land gewesen, das sich erfolgreich in der sich ständig verändernden Welt der Globalisierung bewege. Ohne die EU wäre Irland ärmer: wirtschaftlich, kulturell und sozial, so der Botschafter. Zudem sei er zuversichtlich, dass Irland und Deutschland weiter als breit aufgestellte und sich unterstützende Partner, die grundlegende Interessen und Werte teilen, zusammenarbeiten werden.


„Der BREXIT wurde von der Bevölkerung Großbritanniens befürwortet. Rechtliche Bindung kommt dem nicht zu, wohl aber eine empfehlende Wirkung für das Britische Parlament. Wie der BREXIT konkret Gestalt annehmen kann und wird, ist derzeit völlig offen. Es gibt hier noch viel zu tun; am besten fangen wir sofort an“ schloss Dr. Markus Wessel, der als Vorstandmitglied durch den Abend führte, das Expertengespräch.

Kontakt
Markus Rosenthal
Landesgeschäftsführer
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