13. September 2012
"Erneuerbare Energie - Energiewende - Energiepreisentwicklung - Komplexe Zusammenhänge am Beispiel eines Großunternehmens"
Energiewende bedeutet mehr als nur andere Rohstoffe zu verwenden. Ressourceneffizienz, volkswirtschaftliche Effizienz sowie Energieeinsparung sind wichtige Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Energiewende.
Klaus Schmotz, Oberbürgermeister Hansestadt Stendal

Die Sektion Altmark traf sich zu einem Vortrag von Wolfram Ridder, Vice President der Mercer International Inc., dem Mutterkonzern der Zellstoff Stendal GmbH,  zum Thema „Erneuerbare Energie – Energiewende – Energiepreisentwicklung – Komplexe Zusammenhänge am Beispiel eines Großunternehmens“. Die rund 45 Teilnehmer folgten gespannt den Ausführungen von Wolfram Ridder und beteiligten sich rege an der nachfolgenden Diskussion.


Der Sektionssprecher Dr. Christoph v. Katte begrüßte die Teilnehmer mit den Worten: „Neben der Stabilisierung des Euros nach dem gestrigen Urteil des Bundesverfassungsgerichtes beschäftigt uns seit zwei Jahren das Thema der Energiewende. Vor allem müssen wir bei all den Diskussionen darauf achten, dass wir nicht wieder in eine „Teller – Tank – Diskussion“ kommen und uns klar machen, dass nachwachsende Rohstoffe nicht nur zur Energieerzeugung gedacht sind. Vielmehr müssen wir auch dafür sorgen, dass es weiterhin noch genügend zu essen gibt und die Land- und Forstwirtschaft eigentlich nachhaltige Wirtschaftszweige sind. Es freut uns heute dieses Thema aus Sicht eines in diesem Feld tätigen Großunternehmens zu hören.“


In seinem Grußwort ging der Oberbürgermeister von Stendal Klaus Schmotz auf die Folgen der Energiewende in der Altmark ein. „Wir brauchen diese Diskussion, um die privaten und kommerziellen Verbraucher bei dieser Energiewende mitzunehmen. Ich freue mich, dass der Wirtschaftsrat dieses interessante Thema aufgreift und damit zu einer tiefgründigen Diskussion anregt.“ Dabei beleuchtete er alle für die Altmark in Frage kommenden Energieformen, wie Wind-, Sonnen- und die Biomasseenergie. „Das Thema der Energie aus Biomasse ist in unserer Region noch nicht vollends ausgeschöpft. Entscheidend dabei ist, dass wir auch hier nicht Lebensmittelpflanzen als Energierohstoff verwenden sondern mehr dazu kommen die Pflanzenreste energetische zu verwerten.“

Dr. Martin Zenker, Leiter Technologie Zellstoff Stendal GmbH

Dr. Martin Zenker stellte das Zellstoffwerk Arneburg vor. Dabei ging er insbesondere auf die Forschungsverbindung des BioEconomy Clusters ein, das sich damit befasst, neue Verfahren und neue Produkte zur Nutzung von Non-Food-Biomasse zu entwickeln. „Dieses Werk produziert neben Zellulose auch andere Rohstoffe für die Industrie und verarbeitet lediglich die Reste zu Energie.“

Wolfram Ridder, Vice President der Mercer International Inc., Mutterkonzern der Zellstoff Stendal GmbH

Wolfram Ridder referierte unter dem Motto des Zieldreiecks der Energie für die Zukunft, welches sich aus den Eckpunkten Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Wirtschaftlichkeit zusammensetzt. „Aus heutiger Sicht würde es eine Investition wie 2002 in die Zellstoff Stendal schwer haben, eine Finanzierung durch Investoren und Banken darzustellen. Dies liegt vornehmlich an der rasanten Entwicklung der Nutzung der festen Biomasse Holz bei den erneuerbaren Energien und der damit einhergehenden Preisentwicklung auf den Rohstoffmärkten. Steigende fossile Energiepreise und nur selten wirklich effiziente energetische Nutzung von Holz in EEG-vergüteten Anlagen haben dazu geführt, dass in 2010 bereits mehr als 50% des deutschen Holzaufkommens ausschließlich energetisch durch Verbrennung genutzt wurden“. Dieser Entwicklung wirke die Zellstoff Stendal durch bewusste stoffliche und selektive Nutzung der Biomassebestandteile im Rahmen des Bioraffinerieansatzes entgegen, wobei lediglich der Holzkitt Lignin der energetischen Nutzung zugeführt wird. „Die Kaskadennutzung, d.h. zunächst stoffliche und dann energetische Nutzung“, so Ridder weiter, „eröffnet die Chance auf eine kumulierte Wertschöpfung aller Potentiale der Ressource Holz.“ Nur so sei auch langfristig der volkswirtschaftlich hohe Wert der Biomasse Holz in Deutschland langfristig wettbewerbsfähig gegenüber Biomasseimporten realisierbar. Entsprechend kritisch wurden demzufolge die gegenwärtigen Bestrebungen gewertet, die eine Mitverbrennung von Biomasse in deutschen Kohlekraftwerken unter zusätzlicher Auslobung von EEG-Vergütungen oder dergleichen zum Ziel haben.


Nach der lebhaften Diskussion und einem Rundgang durch den energetischen Teil der Anlage endete die Veranstaltung mit einem Imbiss und bilateralen Gesprächen.