04. Mai 2018
Junger Wirtschaftsrat zu Gast im Hause der Krauterie GmbH in Dänischenhagen
Erfolgreiche Agrar-StartUps aus Schleswig-Holstein
Nach der ersten StartUp-Runde im Dezember 2017 hat der Junge Wirtschaftsrat die Reihe fortgesetzt, um die spezifischen Erfolgsfaktoren potentieller Bewerber für einen Agrar-Akzelerator weiter zu klären.
Herdis Hiller, Gründerin der Krauterie GmbH, und Gastgeberin / Foto: Wirtschaftsrat

Diesmal ging es um Verpackungsfolien aus Zellulose, Seegras-Ernte und die gastgebende Krauterie, ein stark wachsendes Online-Handels-Geschäft für Kräutermischungen für Tiere. Gastgeberin Herdis Hiller hat ihr Unternehmen im Jahr 2012 gegründet, zunächst mit einer parallelen Beschäftigung und im häuslichen Umfeld. Inzwischen hat sie 15 Festangestellte und ist mit ihrem Betrieb bereits zweimal umgezogen. Ihr Credo: Höchste Qualität im Auftritt und den Produkten. Seitdem ist ihr Auftritt vielfach kopiert worden, aber eine Rücklaufquote von 0,3 Prozent und offenbar funktionierende Mundpropaganda haben das Wachstum befördert. Dennoch war der Weg steinig. Jedes Jahr eine neue, unerwartete Herausforderung. Die Futtermittelbehörde sei auf Konzerne gemünzt, die notwendige Deklaration der Chargen teuer: 60-150 Euro pro Laboruntersuchung.

Bei Google war man schnell ganz oben, was dann aber auch schnell zu Aufmerksamkeit von Konkurrenten führte, die zunächst Testkäufe durchgeführt und dann negative Bewertungen eingetragen haben. „Das ist offenbar ganz normal.“, so Hiller lachend. Informationen über die Wirkungen von Kräutern dürfe man nicht geben. An dieser Front sei die Tierarzneimittelindustrie extrem wachsam. Zuletzt sei nun die Datenschutzgrundverordnung relevant geworden. Seitdem seien auch Kundenbewertungen schwierig. Hiller nimmt das mit Humor: „Sonst könnte man das alles nicht durchstehen.“ Sie plant weitere Anstellungen, und die Räumlichkeiten werden schon wieder knapp.

Kristian Dittmann, geschäftsführender Gesellschafter, der Strand-Manufaktur aus Kappeln will gar nicht wachsen, sondern von seinem kleinen Betrieb nur leben können. Als Hartz IV-Empfänger bat er um Unterstützung bei der WTSH für seine Idee, Seegras zu nutzen. Seegras war früher Teil der Alltagskultur, weil es viel Feuchtigkeit aufnehmen kann, ohne zu schimmeln. Seeleute haben es als Kopfkissen genutzt, und Pferdebesitzer als Einstreu, weil es heilende Wirkung gegen Huffäule hat. Zudem beherbergt es keine Milben, sei also gut für Allergiker, weniger Schnarchen, weniger Schnupfen. 60 Seiten Businessplan sollte er ausfüllen. Dann kam die Ablehnung: Kein technischer Fortschritt, das sei ja eine alte Idee. Und die Förderung sei ja für seinen Lebensunterhalt. Das sei nicht vorgesehen. Er ist trotzdem gestartet. Seine Rücklaufquote liege bei 0,1 Prozent. Das Seegras ernte er nach günstigen Winden tonnenweise, dann werde es gewaschen und gereinigt, und schließlich in Kissenbezüge gesteckt. Er bietet lebenslange Garantie. Wenn es zu trocken wird, bricht das Gras, dann müßte aufgefüllt werden. Hochskalieren? Lieber social franchising! Wer Interesse hat, den weiht er gratis in seine Betriebsgeheimnisse ein. 50 Euro kostet ein Kissen. Sein Anschauungsobjekt wurde er gleich los.

Superseven wurde vor einem Jahr von Katja und Sven Seevers gegründet, und hat dieses Jahr den Existenzgründerpreis in Lübeck gewonnen. Es stellt transparente und bedruckbare Verpackungsfolien aus Zellulose her. Auch das, so die Gründerin, sei im Prinzip ein alter Hut, denn auf dieser Grundlage wurde vor dem zweiten Weltkrieg schon verpackt. Dann aber kamen die Ölindustrie und damit die Plastikverpackungen, die mit beschichteten Tetrapacks den Milliardenmarkt erobert haben. Am 1.1.2019 trete nun ein neues Verpackungsgesetz in Kraft. Superseven mit ihrer Marke RePack sehen darin große Wachstumschancen. Das mitgebrachte Anschauungsprodukt wurde von den Teilnehmern als sehr überzeugend empfunden. Preislich liege man allerdings 20 bis 50 Prozent über den Plastikprodukten, noch. Das sei zwar nicht wenig, aber die Kundenachtsamkeit wachse, und die Verpackung habe in der Regel nur einen kleinen Kostenanteil des Gesamtprodukts. Fazit: Biologische Produkte bieten viel Potential, gerade für StartUps. Erfahrungsaustausch, aber auch erfahrene Partner können den Erfolg beschleunigen und vergrößern. / BZ