20. Januar 2015
"Eine Gesellschaft der Hoffnungsträger"
Erkenntnisse aus Politik und Neurobiologie beim Neujahrsempfang des Landesverbands Baden-Württemberg des Wirtschaftsrats der CDU e.V.
Großer Andrang beim traditionellen Neujahrsempfang des Wirtschaftsrats der CDU e.V., Landesverband Baden-Württemberg, in der BMW Niederlassung Stuttgart-Vaihingen: Ein Dialog zwischen CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl Guido Wolf MdL und Landessvorsitzendem Dr. Ulrich Zeitel sowie der Vortrag „Lernlust! Worauf es im Leben/bei der Arbeit wirklich ankommt“ von Prof. Dr. Gerald Hüther (Uni Göttingen) bildeten das facettenreiche Programm.
vlnr: Bernhard Feßler, Erwin Mayer, Guido Wolf MdL, Dr, Ulrich Zeitel, Joachim Rudolf (Foto: Wolfgang List)

Gastgeber Erwin Mayer begrüßte zu Beginn die 600 hochrangigen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in der vollbesetzten BMW-Niederlassung. 2014 war für das Unternehmen ein Rekordjahr. Er freue sich, mit der Ausrichtung des Neujahrsempfangs etwas von diesem Erfolg zurückgeben zu können und dankte dem Wirtschaftsrat. Namentlich nannte er Landesgeschäftsführer Bernhard Feßler und deren langjährige persönliche Freundschaft, die sich positiv auf diese Entscheidung ausgewirkt habe.

 

2015 sei ein Jahr der politischen und inhaltlichen Weichenstellungen in Land und Bund vor den kommenden Wahljahren, sagte Stuttgarts Sektionssprecher und stellvertretender Landesvorsitzender Joachim Rudolf bei seinen Grußworten. Guido Wolf MdL wolle man deshalb auf den Zahn fühlen, wie er gedenkt, in Zukunft die heimische Wirtschaft zu fördern. Joachim Rudolf dankte Erwin Mayer für die Gastfreundschaft. Nicht viele seien in der Lage, eine Veranstaltung dieser Größenordnung auszurichten.

 

Guido Wolf MdL für eigenes Wirtschaftsministerium

 

Auch Landesvorsitzender Dr. Ulrich Zeitel meinte, bevor er den politischen Dialog einleitete, Erwin Mayer habe als Gastgeber ein Zeichen gesetzt.

Landtagspräsident und CDU-Spitzenkandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, Guido Wolf MdL, will im Falle einer gewonnen Landtagswahl 2016 einen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Finanzpolitik einleiten. „Die Wirtschaft ist unser Schicksal“, antwortete er  auf die Frage Dr. Ulrich Zeitels nach dem Stellenwert den Guido Wolf MdL der Wirtschaftspolitik einräumen möchte. Die Union wolle dafür sorgen, dass die Firmen „maximale Entfaltungsmöglichkeiten“ bekämen. Generell möchte er eine Aufbruchsstimmung erzeugen, in Zukunftsbranchen investieren und eine Gesellschaft der Hoffnungs- statt Bedenkenträger fördern. Vor und nach der Wahl möchte er auch auf Impulse aus der Wirtschaft setzen.

 

Nach einer Ablösung der grün-roten Regierung würde er wieder ein eigenes Wirtschaftsministerium schaffen wollen. „Ich habe die Zusammenführung von Finanz- und Wirtschaftsministerium in einem so starken Wirtschaftsland wie Baden-Württemberg von Anfang an für einen Fehler gehalten“, führte Guido Wolf MdL aus. Er erklärte weiter, es sei klar, dass Baden-Württemberg ein eigenständiges Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Digitale Entwicklung brauche.

 

Gefragt nach seinen Bestrebungen für einen ausgeglichenen Staatshaushalt meinte Guido Wolf MdL: „Wir dürfen uns nicht nur Gedanken machen, wie wir das Steuergeld besser ausgeben können“, sondern die Politik stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten, die für sprudelnde Steuerquellen sorgten und damit auch das Geld für soziale Leistungen und Investitionen in Ökologie lieferten.

 

In der Haushaltspolitik wolle er ehrgeiziger vorgehen. Die CDU wäre schon in diesem Jahr ohne neue Schulden ausgekommen, vermutete er. Dagegen will die grün-rote Regierung noch einmal 800 Millionen Euro neue Kredite aufnehmen. Guido Wolf MdL hielt Grün-Rot vor, die neue Verschuldung der vergangenen Jahre sei „exorbitant“, zudem habe die Koalition zahlreiche neue Ausgaben kreiert. Der ehemalige Landrat des Kreises Tuttlingen räumte aber ein: „Auch frühere Regierungen haben Wohltaten nicht erst 14 Tage nach der Wahl verteilt.“ Dennoch sei es mit Blick auf künftige Generationen verantwortungslos, dafür neue Schulden aufzuhäufen. „Ein guter Haushälter muss in derart guten Zeiten Schulden abbauen und Rücklagen bilden, um in schlechten Zeiten auch wieder investieren zu können.“

Prof. Dr. Gerald Hüther, Neurobilogische Präventionsforschung Georg-August-Universität Göttingen (Foto: Wolfgang List)

„Mehr Hirn bitte!“

 

Bei der Überleitung zum Vortrag „Lernlust“ sagte Dr. Ulrich Zeitel, Guido Wolf MdL könne Menschen gut mitnehmen. Dieser Ansicht war auch Prof. Dr. Gerald Hüther: „Die beste Politik nützt nichts, wenn die Menschen nicht erreicht werden.“ Doch wie kann das gelingen?

 

Professor Gerald Hüther zählt zu den bekanntesten Hirnforschern Deutschlands. Er befasst sich unter anderem mit dem Wirkungsmechanismus von Psychopharmaka, dem Einfluss früher Erfahrungen auf die Hirnentwicklung, den Auswirkungen von Angst und Stress sowie der Bedeutung emotionaler Reaktionen bei Lernprozessen.

 

Jedes Gehirn hat demnach ein riesiges Potential und kann sich bis ins hohe Alter verändern. In jedem Kind stecke ein Überschuss an neuraler Vernetzungen. Die gute Nachricht: man kann jeder Zeit dazu lernen, neue Vernetzungen entstehen. Aber nicht wie beim Muskel-Training. Vielmehr prüft das Hirn, was bedeutungsvoll ist. Kommt es zu einer positiven Lernerfahrung, werden – so Prof. Gerald Hüther – Botenstoffe ausgeschüttet, die wie Dünger für diese Vernetzungen dienen. Bei kleinen Kindern kommen diese Momente 50-100 Mal am Tag vor.

 

Die Lust am Entdecken komme mit der Zeit abhanden. Begeisterung und Motivation müssen dann von anderen Menschen und Austauschbeziehungen kommen. Aber nur wenn man durch die Erwartungen und Maßnahmen anderer nicht vom Subjekt zum Objekt gemacht wird.

 

Übertragen auf die Arbeitswelt heißt das: Eine Führungskultur, wie sie vielleicht noch im Industriezeitalter angemessen war, ist inzwischen nicht mehr zeitgemäß. „Autoritäres Management mag kurzfristige Erfolge ermöglichen, doch was wir heute brauchen, sind Vorgesetzte, die es schaffen, bisher brachliegende Potentiale bei ihren Mitarbeitern zu entfalten.“

 

Man müsse die innere Einstellung der Mitarbeiter verändern, ihnen ermöglichen neue Erfahrungen zu machen. Einladen, ermutigen, inspirieren: das schafft Kreativität und Verantwortungsbereitschaft. Prof. Gerald Hüther appellierte – ähnlich wie Guido Wolf MdL in seinen Statements - an die Kultur des Umgangs und an die Freude am gemeinsamen Gestalten.

Ehrung treuer Mitglieder im Dienste der Sozialen Marktwirtschaft (Foto: Wolfgang List)

Ehrung langjähriger Mitglieder

 

Dr. Ulrich Zeitel dankte Prof. Gerald Hüther für den "tollen Spagat von der Forschung zur Praxis" und ehrte zusammen mit Guido Wolf MdL abschließend Michael Euchner (20 Jahre), Dr. Eckhard Gaiser (20 Jahre), Christian Bär (10 Jahre) und Thomas von Bülow (10 Jahre) für ihre langjährige Mitgliedschaft im Wirtschaftsrat und ihr Engagement für die Soziale Marktwirtschaft.