23. Mai 2013
Drehkreuz Flughafen Leipzig/Halle: Auswirkungen auf die mitteldeutsche Wirtschaft
Was muss getan werden, um weiterhin eine zukunftsfähige Entwicklung des Luftverkehrs in Deutschland zu gewährleisten?
In Windeseile waren die Plätze für die gemeinsame Veranstaltung der Sektionen Sachsen-Anhalt Süd, Halle und Leipzig des Wirtschaftsrates auf dem Flughafen Halle/Leipzig ausgebucht. Dies aus gutem Grund: Die Zukunft des Luftfahrtverkehrsknotenpunkt Leipzig/Halle mit der Logistikdrehscheibe der DHL bewegt die Unternehmer der Region.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Als Einstimmung hatten die Mitglieder der Landesverbände Sachsen-Anhalt und Sachsen Gelegenheit einen Blick hinter die Kulissen des Leipziger Airports zu schauen und die Abläufe auf dem Flughafen im Detail kennenzulernen.

Nach der Begrüßung durch die Sektionssprecher Markus Valerius und Christoph Klemm eröffnete die Vortragsreihe Benedikt Langner, Leiter Wirtschaft und Statistik, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V. Er arbeitete im Rahmen seines Vortrages heraus, dass der Luftverkehr in der öffentlichen Wahrnehmung nicht zutreffend ankommt. Exemplarisch sei an dieser Stelle nur auf die Auswertungen des Bundesumweltamtes verwiesen, wonach 6,8 Millionen Deutsche durch Straßenverkehr belastet werden, hingegen lediglich 750.000 Menschen durch Fluglärm.


Der Geschäftsführer der Flughafen Leipzig/Halle GmbH, Dierk Näther, erläuterte die kontinuierliche Entwicklung des Flughafens seit 1990: Ausgehend von rund 270.000 Passagieren im Jahr 1990, würden heute rund 2,3 Millionen Passagiere jährlich abgefertigt. In der Luftfrachtentwicklung habe sich der Standort, maßgeblich durch die Ansiedlung der DHL im Jahr 2008, mittlerweile mit einem Frachtaufkommen von über 860.000 Tonnen im Jahr 2012 auf Platz 2 in Deutschland vorgearbeitet. Auf Platz 3 liege der Flughafen Köln/Bonn mit einer Abfertigung in der Luftfracht von 750.000 Tonnen. Diese Entwicklung sei sicher wesentlich der Nachtflugmöglichkeit zuzuschreiben, dem entscheidenden Wettbewerbsvorteil im Cargo-business. Mit derzeit rund 650 direkten Mitarbeitern am Flughafen sichere das Logistikdrehkreuz nach vorsichtiger Schätzung rund 10.000 Arbeitsplätze in der Region. Der kontinuierliche Ausbau sowie die derzeit geplanten Direktinvestitionen sowie weitere Investitionsvorhaben in den aktiven und passiven Lärmschutz, stärkten dabei die heimische Wirtschaft. Allein seit 2010 seien Baumaßnahmen in Höhe von mehr als 110 Millionen Euro durchgeführt worden, an denen 55 Unternehmen aus Mitteldeutschland beteiligt gewesen sind. Neben diesen direkten wirtschaftlichen Maßnahmen der Flughafengesellschaft hätten sich am Standort mittlerweile zahlreiche Logistikunternehmen angesiedelt, die ebenfalls zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beitragen.

v.l.n.r.: Markus Valerius, Sprecher der Sektion Halle; Christoph Klemm, Sprecher der Sektion Leipzig (Foto: Wirtschaftsrat)

Die strukturbestimmendste Logistik-Ansiedlung am Standort war sicherlich im Jahr 2008 die der DHL, als Weltmarktführer für internationale zeitrelevante Expressdienstleistungen. Der Vice-President der DHL European Air Transport (EAT) Leipzig GmbH, Marcus Otto, erläuterte sehr anschaulich, dass DHL fünf Fluggesellschaften mit mehr als 25 zugeordneten Flugzeugen, über 50 Flügen pro Tag sowie weltweit 20 Flughäfen zu einem weltumspannenden Netz verbinden und darüber rund 4.000 Tonnen Fracht pro Tag weltweit abgewickelt werden. Im europäischen Distributionsnetzwerk werden durchschnittlich 210 tägliche Flüge abgewickelt; 90 Prozent aller europäischen DHL Express Transporte laufen dabei über Leipzig (2.000 t/Tag). Dabei sei der Express-Verkehr das Rückgrat für die deutsche und europäische Wirtschaft und damit auch das Öl im lokalen Wirtschaftsmotor für Sachsen und Sachsen-Anhalt. Hierbei seien zuverlässige und hochwertige Express-Dienstleistungen nur während des „Nachtsprungs“ darstellbar. Diese erforderten zukunftssichere Wachstumschancen, die DHL mit dem Umzug von Brüssel nach Leipzig 2008 vorgefunden habe. Sie seien weiterhin zwingend notwendig, da die für 2020 geplante Auslastungsentwicklung bereits erreicht und weiteres Wachstum mit den sich daraus ergebenden positiven wirtschaftlichen Effekten für die Region absehbar sei.

v.l.n.r.: Benedikt Langner, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft e.V.; Dierk Näther, Flughafen Leipzig/Halle GmbH; Georg Schmolz, MDR; Markus Otto, DHL, Vice President Aviation Germany und Geschäftsführer European Air Transport Leipzig GmbH; Michael Kluge, DHL HUB Leipzig GmbH (Foto: Wirtschaftsrat)

Als Arbeitgeber für 3500 direkt Beschäftigte sowie als Wirtschaftsfaktor für die Region nimmt DHL seine soziale Verantwortung ernst und lebt sie auch. Zur Verfügung stehende Ressourcen werden nach Aussage von Marcus Otto schonend genutzt, mit der einher gehenden sozialen Verantwortung des Unternehmens. So wird zum Beispiel mit hohem Aufwand in leisere Flugzeuge und eine optimierte Bodenabfertigung investiert, um die Bodenlärmbelästigung zu minimieren. Durch  die freiwillige Selbstbeschränkung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 30 Prozent bis 2020 inklusive der Zulieferer zum Basisjahr 2007 und anderes mehr, will das Unternehmen seine Umweltziele konsequent umsetzen.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Mitglieder des Wirtschaftsrates die Gelegenheit, das Herzstück des Logistikzentrums der DHL, das bereits von der Autobahn A14 weithin sichtbare ware-houseam Flughafen Halle/Leipzig zu besichtigen. In diesem über 400 Metern langen Gebäude werden allnächtlich auf mehreren Ebenen rund 200.000 Sendungen vom Kleinpaket bis zum Container, in Empfang genommen, ihrem jeweiligen Bestimmungsort neu zugeordnet und weitergeleitet.