04. Juli 2017
Digitalisierung gestalten
Der Junge Wirtschaftsrat und die Sektion Stuttgart diskutieren über Mobilität im digitalen Zeitalter
Die Digitalisierung, insbesondere im Mobilitätssektor, stellt sowohl die Politik als auch die Wirtschaft vor Herausforderungen. So muss unter anderem die Infrastruktur an die neuen Formen der Mobilität, wie zum Beispiel das autonome Fahren oder die E-Mobilität, angepasst werden. Welche Chancen und Herausforderungen bieten sich der Wirtschaft und dem Mobilitätssektor? Wie sieht der bisherige Stand aus? Und welche Rahmenbedingungen sind nötig, damit der Wirtschaftsstandort Deutschland nicht den Anschluss verliert?
Gastgeber Dr. Thomas Meyding begrüßt die Teilnehmer bei CMS (Foto: WR)

Der Junge Wirtschaftsrat und die Sektion Stuttgart diskutierten diese Themen mit zwei Experten: Stefan Kölbl, Vorstandsvorsitzender der DEKRA e.V. und DEKRA SE und Steffen Bilger MdB, Vorsitzender der Jungen Gruppe und Vorsitzender des Parlamentskreises Elektromobilität der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, standen den Teilnehmern Rede und Antwort.

 

Dr. Thomas Meyding, Partner und Rechtsanwalt bei unserem Gastgeber CMS Hasche Sigle begrüßte die zahlreichen Teilnehmer, ebenso wie Steffen Beck, Sprecher der Sektion Stuttgart. Was genau autonomes Fahren eigentlich bedeutet, erläuterte Kölbl zu Beginn seines Vortrags: Autonomes Fahren meint das automatisierte Fahren in hoher Ausprägung, also nicht nur das teilautonome Fahren, das heute schon möglich ist, sondern eine komplette Automatisierung. Heute hätten wir die Stufe 2 von 5 Stufen erreicht, so Kölbl, also das teilautonome Fahren mit Features wie Spurhaltefunktionen oder automatischem Einparken. Komplett autonomes Fahren im komplexen Stadtverkehr sei dagegen noch weit entfernt, mutmaßt Kölbl.

Steffen Beck, Sprecher der Sektion Stuttgart (Foto: WR)

„90% aller Unfälle in Deutschland passieren durch menschliches Fehlverhalten – und die Fahrassistenzsysteme minimieren diesen Faktor Mensch“, erklärt Kölbl den großen Benefit des Autonomen Fahrens: die dazugewonnene Sicherheit. Zu diesem Thema greift Kölbl auch die Unfälle mit Tesla-Fahrzeugen in den USA auf. Nach einer Prüfung durch die DEKRA sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass das Fahrzeug in Deutschland nicht mit Autopilot unterwegs sein dürfe – die Technik entspreche nicht den Regularien hierzulande. Nichts desto trotz würden die bestehenden Fahrassistenzsysteme wie der Spurhalteassistent oder der Notbremsassistent die Sicherheit schon heute signifikant erhöhen.

Dr. Peter Wende, Ehrenvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrats und Mitglied im Bundesvorstand, moderiert die Diskussion mit Steffen Bilger MdB und Stefan Kölbl (Foto: WR)

„Was viele für die Realität in wenigen Jahren halten, wird noch länger dauern“ – dies machte Bilger in seinem Vortrag deutlich. Eine zentrale Aufgabe sei es, das Straßenverkehrsrecht so anzupassen, dass automatisiertes Fahren möglich sei. Dieser Prozess involviere allerdings mehrere Ministerien, was einen langwierigen Prozess zur Folge habe, so Bilger. Die Aufgabe der Politik sieht er darin, die Rahmenbedingungen für das autonome Fahren entsprechend zu gestalten. Zwar müssten die Ängste, die in der Bevölkerung durch diese Entwicklungen ausgelöst werden, ernst genommen werden, allerdings sollten die daraus resultierenden Chancen wie mehr Sicherheit und Flexibilität, stärker betont werden, so Bilger.