09. April 2019
Die sächsische Sozialberichterstattung: Interessante Zahlen, Daten, Fakten - und Schlussfolgerungen für Unternehmer
Der Wirtschaftsrat hatte gestern Dr. Judith Oexle, Referatsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz in seiner Bautzener Sektion zu Gast, um interessante Zahlen, Daten und Fakten aus dem 650-seitigen sächsischen Sozialbericht zu erfahren.
links: Dr. Judith Oexle, Referatsleiterin im Sächsischen Staatsministerium für Soziales und Verbraucherschutz (Foto: Wirtschaftsrat)

Die demografische Lage, vor allem in den Landkreisen Sachsens, ist dramatisch. Sachsen verliert Jahr für Jahr an Bevölkerung und damit an Arbeitskräften, vor allem aber qualifizierte Frauen, sodass derzeit ein Männerüberschuss zu verzeichnen ist, welcher spezielle soziale Probleme hervorruft. Bis 2030 wird Sachsen bei steigendem Altenquotienten weitere 6% an Bevölkerung verlieren und 13% der erwerbsfähigen Personen. Lediglich die Städte Dresden und Leipzig verzeichnen einen Zuwachs an Einwohnern. Dort herrschen zudem andere Verdienstmöglichkeiten als in ländlichen Gebieten – vor allem junge Menschen zieht es in die sächsischen Metropolen, wo die Möglichkeiten groß und die Wege klein sind.

Norbert Fiedler, Sprecher der Sektion Bautzen im Wirtschaftsrat konstatiert: „Eine konzertierte Aktion zwischen Wirtschaft und Politik ist notwendig, um ein weiteres Ausbluten der Landkreise zu verhindern - es muss hier an den Einflussfaktoren für eine qualifizierte Erwerbsbevölkerung angesetzt werden. Die Landkreise können durchaus punkten: Die Mieten sind gering, der Erholungsfaktor ist gegeben, der Zusammenhalt ist groß und die Arbeit in den meist kleinen und mittleren Unternehmen ist eher familiär - man hilft sich gegenseitig.“ Auf der Negativseite, so Fiedler weiter, wirken Ärztemangel, das Ausbluten von Kultur-, Einkaufs- und Bildungseinrichtungen auf dem Land sowie schlechter bezahlte Jobs. Geld sei jedoch nicht alles, denn speziell für junge Menschen zählen heute die Perspektiven, Lebensgefühl, Freiheiten, moderne Produkte, Freude an der Arbeit und sinnvolle Aufgaben mitunter mehr als monetäre Faktoren. Voraussetzung für Menschen im ländlichen Raum sei jedoch eine gut durchdachte und funktionierende Infrastruktur - hier müssen integrierte Verkehrs- und Datennetze her, um Räume sowie Distanzen schnell, günstig und sicher überwinden zu können. Der Landkreis Bautzen habe mit dem aktuellen Breitbandausbau hier gute Karten.

Fiedler macht sich für wirtschaftsorientierte Denkfabriken stark. Darin vermutet er Potential für Innovationen und für kreative, auf die heutige Zeit passende, Ideen. „Wir müssen endlich aufhören zu jammern - eher die Chancen als die Risiken sehen. Z.B. liegen in der Rekultivierung von Tagebau-Folgelandschaften, in der technologisch orientierten Forschung und Entwicklung bis zur Marktreife viele neue Möglichkeiten. Wir brauchen Freiheit und Raum zum Denken. Konzentrieren wir uns in Sachsen wieder auf unsere Tradition bzw. Industriekultur und verbinden wir Unternehmertum mit den Zukunftstrends, begeistern wir wieder junge Menschen für Projekte mit Perspektive, entwickeln wir eine unternehmerische Willkommenskultur, öffnen wir die Arbeitsmärkte für leistungswillige Menschen und verbreiten wir gute Laune.“ Dies schaffe Möglichkeiten, verlorene Fachleute zurück zu holen und junge Frauen und Männer zu gewinnen, ist sich Fiedler sicher. Auch Sonderwirtschaftszonen in ländlichen, schrumpfenden Gebieten hält der Sektionssprecher für denkbar, damit alte und junge Unternehmer mit hoher Qualifikation schneller und freier Ideen, Innovationen und Investitionen umsetzen können. Gutes Geld zu verdienen kommt dann als Folge davon automatisch.

Wir danken Frau Dr. Judith Oexle für den interessanten Abend.

(Foto: Wirtschaftsrat)