27. April 2021
Aus den Ländern (Sachsen-Anhalt) - "Die Menschen wollen Kultur erleben und brauchen geistige Nahrung!"
Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff MdL im Dialog mit Unternehmern im Wirtschaftsrat
©Staaatskanzlei

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haselhoff stand Unternehmern im Wirtschaftsrat in einem exklusiven digitalen Webdialog Rede und Antwort. Im Mittelpunkt der Diskussion standen die aktuelle Situation im Land, besonders der von Sachsen-Anhalt eingeschlagene Weg im Umgang mit der Corona-Pandemie, ebenso wie die Wiederbelebung der Innenstädte nach Corona.

 

Weniger als 20 Prozent der Intensivbetten seien mit Corona-Patienten besetzt, sagte der Ministerpräsident, hingegen 80 Prozent mit Patienten, die verschobene Operationen durchführen lassen und intensiv betreut werden müssen. Für den Gesundheitsbereich, forderte er, müsse das Gehaltssegment attraktiver gestaltet werden. Der Weg Sachsen-Anhalts im Umgang mit Corona sei durch die bundesweite Notbremse teils unterbrochen worden. Ziel bleibe jedoch weiterhin, die Inzidenzwerte in den Landkreisen unter die 100er Grenze zu bekommen, um dann Modellprojekte und Außengastronomie wieder ermöglichen zu können, betonte Dr. Rainer Haseloff.

 

Durch die im Vergleich eher niedrige Exportquote von 30 Prozent und der somit nicht ganz so starken Abhängigkeit von internationalen Lieferketten sowie vom Tourismus hat Sachsen-Anhalt den geringsten Rückgang am Bruttoinlandsprodukt von allen Bundesländern zu verzeichnen, sagte dder Ministerpräsident. Unsicherheiten bestünden jedoch vor allem bezüglich des neuen Konsumverhaltens der Gesellschaft. Einkäufe werden derzeit per Online-Shopping erledigt. Es werden zusätzliche Papiertonnen für Kartonage bestellt, auf den Straßen sind unzählige Paketboten unterwegs. Dr. Rainer Haseloff fasst zusammen: „Es ist ein völlig anderer Versorgungsbereich entstanden.“ Standorte von Firmen und damit einhergehende Arbeitsplätze brechen weg, Umschulungsprogramme für Flugpiloten starten – eine Umsortierung der Gesellschaft findet statt. Ein besonders schwerwiegendes Problem ist frü unser Land zudem die Abwanderung von Fachkräften."

 

Die Inzidenzen im Frühjahr unter Kontrolle zu kriegen sei von besonderem Interesse, betonte der Ministerpräsident weiter. Jedoch seien durch die geschlossenen Schulen etwa 200.000 Schüler nicht im durch das Netz der Testungen abgedeckt. Das enspricht etwa zehn Prozent der gesamten Bevölkerung in Sachsen-Anhalt. Die Inzidenzen fallen so automatisch, während die Dunkelziffer sehr hoch ist. Dr. Rainer Haseloff sieht hier möglicherweise einen „Jojo-Effekt“.

 

Der Ministerpräsident erhofft sich im Frühsommer „einen Sommer, der mindestens ähnlich ist wie im letzten Jahr mit niedrigen Inzidenzen und mit vielen Freiheitsgraden“. Im Fokus stehe bis dahin, Polarisierung sowie Kollateralschäden zu vermeiden. So soll unter anderem der Veranstaltungsbereich revitalisiert werden, denn der Rückstau an Bedürfnissen ist bei den Menschen unmittelbar zu verzeichnen. „Die Menschen wollen Kultur erleben und brauchen geistige Nahrung“, sagt Dr. Rainer Haselhoff.

 

Besondere Bedeutung wird ab sofort die Erforschung von Ent- und Versorgungssystemen sowie Lüftungsanlagen haben, aber auch die Aerosolforschung für Bau- und Veranstaltungsstandards, ist der Ministerpräsident überzeugt.  Hier tue sich ein neuer Markt für Sachsen-Anhalt auf. Zudem werde durch die zunehmende Digitalisierung und vermehrtes mobiles Arbeiten der Firmenstandort immer irrelevanter. Auch das eröffne neue Möglichkeiten für das Land.

 

Eine gespaltene Gesellschaft ist in Sachsen-Anhalt wahrnehmbar: ein Drittel der Bevölkerung sei für die Verschärfung der Maßnahmen, ein weiteres Drittel sei zufrieden und ein anderes Drittel sei für die Öffnung. Der Landesvorsitzende Dr. Michael Moeskes fasst das, was Sachsen-Anhalts Bevölkerung braucht, unter folgendem Slogan zusammen: „Vertrauen, Stabilität, Glaubwürdigkeit“.