07. Juni 2017
Die Bundesbank im Eurosystem und die Auswirkungen des Brexit auf die Finanzwirtschaft
Prof. Joachim Wuermeling diskutiert mit den Mitgliedern des Wirtschaftsrats Brüssel (Foto: Wirtschaftsrat)

„Die geldpolitische Grundüberzeugung der Deutschen Bundesbank hat sich in den fast 60 Jahren ihres Bestehens nicht geändert, sie war und ist auf Preisstabilität ausgerichtet. Dazu gehörte es auch manchmal politisch anzuecken um vor Stabilitätsrisiken zu warnen“, begrüßte Nina Schindler stellvertretend für den Landesvorsitzenden Christof-S. Klitz die Mitglieder des Wirtschaftsrates Brüssel und Herrn Prof. Joachim Wuermeling, Mitglied im Vorstand der Deutschen Bundesbank.


„In der Bundesbank beobachten wir die Entwicklungen in der Eurozone kritisch und unterziehen sie natürlich auch einer Bewertung, geldpolitisch wie ordnungspolitisch. Im Fokus der Diskussion steht die Geldpolitik, genauer die außerordentlichen geldpolitischen Maßnahmen der vergangenen Jahre. Als Teil des Eurosystems haben die Zentralbanken teilweise das Regime auf den Märkten übernommen – und inzwischen vom Geldmarkt aus weit in die Kapitalmärkte hinein ausgeweitet – weil in der akuten Krise andere, insbesondere die politischen Akteure, nicht oder nicht hinreichend gehandelt haben. Die Maßnahmen der Zentralbanken waren nötig, um in der Krise das Schlimmste zu verhindern. Mittlerweile sind aber die Notenbanken die größten Gläubiger der Euroländer geworden. Aber es kann nicht bei einer solchen interventionistischen Struktur bleiben. Wir müssen hin zu einer neuen Normalität im Finanzsystem. Dabei ergeben sich vielfältige Fragestellungen: Wie kommen wir aus der aktuellen Situation heraus und wie stellen wir uns die neue Normalität vor? Wann und wie schaffen wir den Umstieg?“, erläuterte Prof. Wuermeling und diskutierte mit den Mitgliedern des Wirtschaftsrates Brüssel mögliche Szenarien.


Hinsichtlich des anstehenden Brexit warnte Prof. Wuermeling: „Wenn es zu einem harten Brexit ohne Übergangsregelungen kommt, wird der Austausch zwischen dem britischen und dem kontinentalen Finanzmarkt deutlich komplizierter. Denn die Londoner City wird aus EU-Sicht zu einem Drittmarkt. Das hat erhebliche Folgen. Grenzüberschreitend geltende Genehmigungen und Zulassungen erlöschen: Finanzprodukte können von heute auf morgen nicht mehr über den Ärmelkanal hinweg ausgetauscht werden. Das könnte zu Spannungen hinsichtlich der Funktionsfähigkeit der Märkte führen."

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