05. November 2014
Mitgliederversammlung des Landesverbandes Schleswig-Holstein
Deutschland und Amerika - eine Partnerschaft vor neuen Herausforderungen
Friedrich Merz zu Gast beim Wirtschaftsrat
Deutschland und Amerika – eine Partnerschaft vor neuen Herausforderungen Nach den Formalitäten unserer Mitgliederversammlung, an deren Stelle unsere Gäste das Schloßgelände Haselau zusammen mit Udo Prinz von Schönaich-Carolath-Schilden erkunden durften, sorgte das preisgekrönte Geschwisterpaar der Familie Schiffner aus Lübeck für eine ersten glanzvollen Höhepunkt. Z
v.l. Reimer Tewes (Landesvorsitzender), Barbara Ostmeier MdL (CDU-Landtagsfraktion Schleswig-Holstein) sowie Ehrengast Friedrich Merz (Vorsitzender Atlantik-Brücke e.V)

Zuvor hatte Pastor Dr. Helmut Nagel in seiner ehrwürdige Haselauer St. Gabriel-Kirche, deren Entstehung ins beginnende 13. Jahrhundert zurückreicht, mit einigen geschichtlichen Anekdoten und einem gemeinsamen plattdeutschen Lied für eine etwa 100-köpfige Versammlung hervorragend eingestimmt. Felicitas und Constantin Schiffner sorgten anschließend durch eine atemberaubende Violine und einen furiosen Flügel mit Stücken u.a. von Bach und Paganini für eine großartige Atmosphäre.

 

Einen weiteren Höhepunkt setzte Friedrich Merz als Ehrengast zum gemeinsamen Abendessen mit seiner präzisen Analyse der europäischen Entwicklungen im globalen Zusammenhang. Als Vorsitzender der Atlantik-Brücke e.V. warb er für ein verändertes Bewußtsein in Deutschland. Ohne ein einig auftretendes Europa werde die Partnerschaft zu den U.S.A. an Stärke einbüßen, was angesichts der rasant wachsenden Bedeutung des asiatischen Raumes bedrohlich sei.

 

Das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP sei in dieser Hinsicht deutlich mehr als ein ökonomisches Projekt. Sollte Europa nicht die Kraft haben, eine einheitliche Position zu finden und dieses Abkommen am Ende scheitern, würden nicht nur Wachstumschancen für den deutschen Mittelstand, sondern vor allem politisches Vertrauen verlorengehen. Insofern seien die geschürten Ängste gegen das Abkommen gefährlich, zumal sie ein völlig falsches Bild vermittelten.

 

So gehe es bei den Standards für Industrie und Handel keineswegs um ein Absenken, sondern vielmehr um die Chance, höhere Standards durchzusetzen. Jedenfalls solle keiner glauben, daß die U.S.A. niedrigere Standards für den Verbraucherschutz hätten als sie in Europa üblich sind. Zudem würde der Investitionsschutz und die Einschaltung von Schiedsgerichten gerade für klein- und mittelständische Unternehmen Rechtssicherheit bringen. Die Idee, man könne auf diesem Umweg den deutschen Atomausstieg kippen, sei weder richtig noch naheliegend. Vielmehr gelte, daß man gemeinsam mit Amerika weltweite Standards für die Welt durchsetzen könne, was insbesondere für die digitale Wirtschaft und die Chancen auf dem Weg zur Industrie 4.0 von enormer Bedeutung sei.

 

Falls unsere Industrie es versäume, sich an den von den U.S.A. gesetzten IT-Standards zu orientieren, könne es schnell passieren, daß man nach der Datenübertragung und der Software auch bei Zulieferung der Hardware - unserer deutschen Kernkompetenz - aus dem Markt scheiden müsse. „Wir in Deutschland sollten uns bewußt sein, daß es uns niemals zuvor so gut gegangen ist. während unsere europäischen Nachbarländer aufgrund der enorm hohen Jugendarbeitslosigkeit inzwischen von einer verlorengegangenen Generation sprechen.“, so Merz weiter.

 

Die Auswirkungen der Finanzkrise seien keinesfalls überwunden, sondern im Gegensatz zu den U.S.A. stünde Europa ein zweiter, wirtschaftspolitischer Teil noch bevor. Und schließlich würden die wachsenden militärischen Konflikte an den östlichen und südlichen Rändern von Europa deutlich zunehmen, was auch die notwendige Sicherheitspartnerschaft der westlichen Welt wieder in den Mittelpunkt rücken lasse. Vor diesem Hintergrund sei eine verstärkte Aufklärung über die Chancen des Freihandelsabkommens und die Risiken eines Scheiterns dringend geboten. Reimer Tewes dankte herzlich für die wichtigen Impulse und den erfrischenden Vortrag, dessen Klarheit in der Analyse man in der deutschen Politik leider zunehmend vermissen würde.BZ

Kontakt
Dr. Bertram Zitscher
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. Landesverband Schleswig-Holstein
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