02. Juli 2015
"Deutsche haben so ein verdammt präzises Zeitmanagement!"
Chancen und Tücken bei Projekten in einer globalisierten Welt
Heiß wie in Afrika, unter der Veranda des Sambesi Restaurants weideten Elefanten, in der Ferne das Krächzen exotischer Papageien. Wie in eine andere Welt versetzt waren die Mitglieder des Wirtschaftsrats Hessen, Sektion Taunus, im Kronberger Opel Zoo. Passend zum immer aktueller werdenden Thema des „Interkulturellen Projektmanagements“.
Foto: Wirtschaftsrat

In ferne Länder, fremde Kulturen und Religionen entführten die vier hochkarätigen Referenten ihre Zuhörer vom Wirtschaftsrat. Es ging um die Bewältigung kultureller Unterschiede, die Schwierigkeiten und Tücken, aber auch Chancen in einer immer globaler werdenden Welt.
Sonali Wavhal, die internationale Führungsaufgaben bei Willis Insurance Brokers erfüllte und Projektmitarbeiterin bei Siemens war, beschrieb, wie durch visuelles Management schon fast chaotische Zustände bei einem weltweiten umfassenden Projekt über verschiedene Ländergrenzen und Zeitzonen hinweg  erfolgreich überwunden wurden. 

 

„In verschiedenen Ländern mussten zu unterschiedlichen Zeiten sowohl Hardware- als auch Software- Bausteine für ein Produkt gefertigt werden. Durch die gleichzeitige Visualisierung der Arbeitsschritte an den verschiedenen Standorten ist es gelungen, die einzelnen Prozesse zu einem Ganzen zusammenzufügen. Immens wichtig war, dass alle Mitarbeiter sich verantwortlich für das weltweit umspannende Projekt fühlten, und sich nicht nur als keines Rädchen in einem Teilbereich sahen“, so Wavhal.

 

Der Studiendekan Sustainable Marketing & Leadership, Hochschule Fresenius in Köln, Prof. Dr. Lutz Becker, machte deutlich, dass wir heute in einer hyperspezialisierten Welt arbeiten, die ohne kulturellen Austausch gar nicht mehr funktionieren kann. Es sei allerdings nicht immer leicht die Unterschiede zu überwinden. So seien ja selbst Begriffe wie Zeit unterschiedlich definiert. „Bei uns ist fast alles auf die Zukunft ausgerichtet, in anderen Kulturen steht die Gegenwart im Mittelpunkt, wogegen die Zukunft keine große Rolle spielt“, erklärte Becker.


Als Weltenbummler versteht sich Reinhard Wagner, Vorstandsvorsitzender GPM Deutsche Gesellschaft für Projektmanagement, e.V. und Präsident International Projekt Management Association.Von Afrika über Südamerika bis Asien und dem Nahen Osten konnte er über die verschiedensten kulturellen Eigenheiten berichten und veranschaulichen, welche Schwierigkeiten auf Unternehmen treffen, wenn sie länderübergreifende Projekte starten.„Bei den Massai musste ich mit dem Dorfältesten erst einmal geronnenes Blut einer Kuh trinken. Sonst wird übers Geschäft erst gar nicht geredet“, berichtete er. „Viele Länder, die ich sehr schätze und liebe, haben aber große gesellschaftliche Probleme, die dortige Projekte schwierig machen“, sagte Wagner. Er nannte Südamerika mit seinem großen Unterschied zwischen arm und reich. In Ländern wie dem Iran oder Saudi Arabien gäbe es bei der Zusammenarbeit natürlich gesellschaftlich und religiös bedingte Fallstricke für westliche Projekte.

 

Doch die Schwierigkeiten würden nicht immer nur von den anderen verursacht: In Kamerun, zum Beispiel, erzählte man Wagner, wollten Deutsche die Infrastruktur verbessern und planten eine tolle Autobahn mit Leitplanken, Drainagen und vielem mehr. Es würde unter dieser genauen Planungsarbeit aber nie zum Bau kommen. Die Chinesen dagegen kämen einfach mit großen Lastwagen voller Kies – und fertig sei die Straße. Ein Mitglied des Wirtschaftsrats, der nicht deutscher Herkunft war, wunderte sich passend: „Die Deutschen haben so ein verdammt präzises Zeitmanagement. Das ist in fast allen anderen Ländern ganz anders und manchmal zum Verzweifeln.“ Sektionssprecher Prof. Walter Gora verzichtete angesichts der um 21 Uhr immer noch fast 30 Grad Hitze auf seinen Beitrag, dass Behörden-Projekte generell schlechter liefen. Die Ausführungen aller Vortragenden kann jeder aber auch nachlesen: Die Referenten sind alle Herausgeber und Autoren des im April erschienenen Buches: „Erfolgreiches interkulturelles Projektmanagement“,  Symposion Publishing.

Foto: Wirtschaftsrat
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