02. November 2017
Demografischer Wandel: Was können Politik und Wirtschaft leisten?
Die Alterung der Bevölkerung stellt eine große Herausforderung für die Gesellschaft hinsichtlich Sozialsystem, Fachkräftemangel oder Familienpolitik dar. Wie können Politik und Wirtschaft diesen Trend bewältigen? Zu diesem Thema diskutierten Prof. Hans Helmut Schetter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen, Christian Günthert, Prokurist bei der Evonik Catering Services GmbH, und Martin Proba, Geschäftsbereichsleiter der IHK Darmstadt. Eingeladen hatte die Sektion Bergstraße des Wirtschaftsrates Hessen.
Prof. Hans Helmut Schetter über die Herausforderungen des demografischen Wandels (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Kosten für Kranken- und Pflegeversicherungen werden zukünftig um bis zu 50 Prozent steigen und die Rentenlast für die junge Bevölkerung nimmt stetig zu. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, müsse die Bildungsförderung stärker auf geringqualifizierte abzielen, damit diese in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Ebenso könne der Zufluss weiblicher Arbeitskräfte Lücken beim Fachkräftemangel schließen. Unternehmen könnten hierbei ihren Beitrag leisten, indem sie Familie und Beruf miteinander vereinbar gestalten, wie durch Betriebskindergärten, flexiblere Arbeitszeiten und Kollegialität. „Für die Politik gilt es, Rahmenbedingungen mit Gestaltungsspielräumen sowie ein familienfreundliches Klima zu schaffen, Quoten oder Preisbremsen seien der falsche Weg“, so Prof. Hans Helmut Schetter, Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates Hessen.

Martin Proba von der IHK kritisierte die fehlenden Rahmenbedingungen der Überakademisierung (Foto: Wirtschaftsrat)

Christian Günthert, Prokurist bei der Evonik Catering Services GmbH, zeigte auf, wie ein Unternehmen mit dem demografischen Wandel umgehen kann. Evonik biete eine große Bandbreite an Qualifikationsmöglichkeiten und Ausbildungsangeboten sowohl für Hauptschulabschlussabsolventen als auch für Hochschulabschlussabsolventen an. Zudem gibt es zahlreiche Fortbildungsangebote für Mitarbeiter. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden vom Konzern zunehmend Maßnahmen getroffen, beispielsweise durch Schaffung von Kitaplätzen. „Wir hoffen, den demografischen Wandel auf diesem Wege besser bewältigen zu können. Reine Rationalisierung lehnen wir ab“, so Christian Günthert.

Die IHK sieht in Schulen und Universitäten Informationsbedarf. Martin Proba, Geschäftsbereichsleiter der IHK Darmstadt, sprach von einem Überangebot für Studierende. „Mit aufwändigem Engagement muss die IHK die Fehler der Politik nun ausbaden“, deklarierte Proba. Die IHK sieht sich als Hilfesteller für die Unternehmen und fordert diese dazu auf, familienfreundlichere Strukturen zu schaffen. Abschließend bleibt festzuhalten: Um dem demografischen Wandel entgegenzuwirken, braucht es familienfreundliche Strukturen, die Förderung geringqualifizierter Arbeitnehmer sowie ein transparentes Ausbildungsangebot. 

Kontakt
Michael Dillmann
Landesgeschäftsführer
Wirtschaftsrat der CDU e.V. - Landesverband Hessen
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