10. Juni 2020
Cyberrisiken und Cyberabwehr in der deutschen Wirtschaft
Gemeinschaftliches Handeln führt zum Erfolg
Volker Wagner, Vorstandsvorsitzender des ASW Bundesverbandes (Allianz für Sicherheit in der Wirtschaft e.V.) und Vice President Security BASF Group, konnte von Stefan Hahne, Vorsitzender der Landesfachkommission Digitale Wirtschaft, zu einer Gemeinschaftssitzung der Landesfachkommissionen Rheinland-Pfalz und Saarland als Ansprechpartner begrüßt werden. Volker Wagner gab einen Einblick in die Attacken und Risiken im Netz.
Volker Wagner, Vorstandsvorsitzender des ASW Bundesverbandes (Allianz für Sicherheit in der deutschen Wirtschaft e.V.) und Vice President Security BASF Group, zu Gast bei der Landesfachkommission Digitale Wirtschaft (Foto: Wirtschaftsrat)

Im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Vernetzung böte sich potenziellen Angreifern eine höhere Chance für Cyberattacken. Daher sei dieses Thema von größter Bedeutung und dürfte unter keinen Umständen von der deutschen Wirtschaft vernachlässigt werden.
Mit eindrucksvollen Zahlen belegte Wagner die Angriffe auf deutsche Unternehmen. Insbesondere Chemie- und Pharmabranche seien betroffen, aber auch Automobilbau, Maschinen- und Anlagenbau sowie die IT-Branche. Aufgrund der weltweiten Entwicklungen nehmen Spionage, Sabotage und Datendiebstahl im Netz zu. 75 % der Industrieunternehmen seien im Jahre 2019, so Wagner, Cyberangriffen ausgesetzt gewesen. Die Zahl bekannter Schadprogrammvarianten sei 2019 auf mehr als 900 Millionen gestiegen. Ein durchschnittlicher Cyberangriff, so der Experte, dauere 206 Tage, bis er entdeckt werde. Dies sei eindeutig zu lang. Dadurch entstünden der deutschen Wirtschaft Kosten von 100 Milliarden Euro im Jahr.


Wagner ging auf den Schutz vor solchen Angriffen ein. Hierzu zählten neben der Netzwerkabsicherung und Antivirenprogrammen auch organisatorische Maßnahmen. Insgesamt sei die technische Absicherung die am häufigst vertretene Maßnahme. Dennoch sei es, so Wagner, bedenklich, dass ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Unternehmen immer noch ungeschützt sei. Die Unternehmen müssten sich über ihre Sicherheitslage einen Überblick verschaffen und abgestufte Maßnahmen einleiten, um die Unternehmen zu schützen. Bereits ein Basisschutz, der nicht viel koste, bewirke viel.


Die Sicherheit, so Wagners Einschätzung, lasse sich im Netz nur effektiv mit den Mitarbeitern und Partnern gewährleisten. Wagner wünschte sich, dass Vorfälle seitens der Unternehmen stärker gemeldet und erfasst würden, damit Wirtschaft und Staat gemeinschaftlich handelten. Dirk Herber, innen- und verfassungspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, der ebenfalls an der Sitzung teilnahm, stellte die Schaffung einer zentralen Stelle zur Erfassung von Cyberattacken und Cyberkriminalität zur Diskussion.