26. September 2018
Creditreform - mehr als Auskunft und Inkasso - Blick hinter die Kulissen
Die „Creditreform“, 1879 in Mainz gegründet, ist mit 70 % Marktführer der Bonitätsinformationen über Unternehmen. Die Bonitätsauskünfte dienen der deutschen Wirtschaft als Grundlage für die Beurteilung und den Eingang von Geschäftsbeziehungen.
Wie kann ein Unternehmen die Bonitätsbewertung seiner Firma beeinflussen? Warum ist das Mahnverfahren der Creditreform erfolgreich? Welche Analysen der Creditreform sind für meine Geschäftstätigkeit von Bedeutung? Andreas Aumüller, Komplementär der Creditreform Dresden Aumüller KG, und Thomas Schulz, Leiter Vertrieb und Wirtschaftsinformationen der Creditreform Dresden Aumüller KG, gaben uns einen exklusiven Einblick in die Arbeit der Creditreform, in die regionale Wirtschaftsstruktur und deren Herausforderungen.
v.l.n.r.: Jürgen Wörlein, Stellvertretender Sprecher der Sektion Dresden; Andreas Aumüller, Komplementär der Creditreform Dresden Aumüller KG; Thomas Schulz, Leiter Vertrieb und Wirtschaftsinformationen der Creditreform Dresden Aumüller KG (Foto: Wirtschaftsrat)

Anhand eines sehr informativen Vortrages gingen die beiden „Creditreformer“ auf die aktuelle konjunkturelle Situation in Sachsen, auf die Organisation der Creditreform sowie auf das Leistungsspektrum (vornehmlich Wirtschaftsauskunft und Inkasso) der Institution ein. In Kooperation mit dem ifo Dresden und der Sächsischen Zeitung erstellt die Creditreform das „Sachsenbarometer“, welches branchengegliedert das Geschäftsklima im Freistaat Sachsen beschreibt. Aktuell zeigt dieses nach oben – insbesondere die Industrie befindet sich auf Wachstumskurs. Im Bau ist die Stimmung derzeit sogar rekordverdächtig. Die Sächsische Wirtschaft ist recht kleinteilig. So setzen z.B. 87% aller Unternehmen in Sachsen weniger als 500 T€ um.

Erfreulich ist, dass seit 2011 sowohl die Unternehmerinsolvenzen als auch die Verbraucherinsolvenzen rückläufig sind und Privatpersonen-Schuldnerquote mit 9,97% in Sachsen am viertgeringsten in ganz Deutschland ist. Hier wiesen die beiden Referenten jedoch auf eine starke Streuung der Schuldnerquoten zwischen Stadt und Land hin. Im ländlichen Raum Sachsens ist die Schuldnerquote bei Privatpersonen tendenziell geringer als in den Städten. Dies mag an den Mieten, aber auch an „Verlockungen der Stadt“ liegen. Die sächsischen Unternehmen sind eher konservativ, was sich an der größten Eigenkapitalquote i.H.v. 35,9 % in ganz Deutschland festmachen lässt. Beim durchschnittlichen Zahlungsverzug liegen die sächsischen Unternehmen mit 10 Tagen über dem vertraglich vereinbarten Zahlungsziel genau im Bundesschnitt.

Durch die digitale Vernetzung ist es heute sogar möglich, z.B. über Auswertung der GPS-Handydaten Informationen zum „Wohlstand“ der künftigen Wohn- oder Geschäftsregion abzuleiten, indem man Indikatoren, wie welche Fahrzeugtypen parken in welcher Straße oder Kaufkraft, Einkommen sowie Umzugssalden geografisch auswertet. Die Creditreform verfügt über die weltgrößte Wirtschaftsdatenbank – es sind sogar Belege verifizierbar und am Ende, mit vielen anderen Indikatoren verschiedener Quellen (z.B. gewichtete Bilanzkennzahlen) zu einem Bonitätsindex verdichtbar. Dieser wird insbesondere bei (Leasing-)Verträgen als Rating heran gezogen. Es gilt: Je besser das Rating, umso geringer fallen die Finanzierungskosten aus. Kernthemen des Wirtschaftsrates sind auch für die Creditreform von Wichtigkeit: Fachkräftemangel, Digitalisierung sowie Unternehmensnachfolge stellen die zu lösenden Fragen der Zukunft dar.

Die Creditreform wertet sowohl öffentliche als auch exklusive Daten aus, kennt ihre Kunden und die Kunden kennen die Creditreform. Mit diesem Statement ging ein äußerst anschaulicher und informativer Abend zu Ende. Der Wirtschaftsrat bedankt sich bei den Herren Schulz und Aumüller für deren Organisation und Gastfreundschaft. Der Vortrag steht unseren Mitgliedern exklusiv zur Verfügung.