06. Mai 2016
CFO-Event Sylt 2016
Big Data, also die perfekt abgestimmte Analyse aus vorhandenen Technologien, aus bisher nicht absehbaren Datenmengen und unterschiedlichen Quellen – dazu das Ganze in nahezu Echtzeit, das wird die große Herausforderung der Zukunft sein.

In Rantum tagten am 6. Mai 2016 Fi nanzvorstände aus bundesdeutschen Unternehmen zum Thema „Big Data, Industrie 4.0 und BEPS“ im Rahmen des ersten CFO-Events Sylt des Wirtschaftsrates Schleswig-Holstein. Die Diskussion zum Thema Big Data polarisierte.

 

Martin Lochte-Holtgreven, Geschäftsführer der Consist Software Solutions in Kiel, ist von den Chancen überzeugt. Man könne neue Kombinationen von Datenquellen nutzen und das sogar evolutionär. Analysen könnten in Istzeit Steuerungsprozesse in Unternehmen optimieren. Knackpunkt sei allerdings zukünftig der direkte Draht zum Kunden, sprich zum Endverbraucher. Wer den nicht habe, gebe sein Feld leicht an die Großen des Internets wie Amazon und Google ab.

 

Risiken sieht auch Dr. Konstantin von Notz MdB. Der Obmann im Ausschuß Digitale Agenda und stellv. Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis90/Die Grünen, sieht neben den Chancen aus Big Data, daß auch diejenigen wirtschaftlichen Mehr wert schöpfen könnten, die nicht unbedingt erwünscht seien. Das müsse nicht unbedingt kriminelle Hintergründe haben. Wenn beispielsweise Google eine Schnittstelle in europäischen Automobilen habe, werde das nicht jedem Hersteller ge fallen. „Bei allem Optimismus sollten wir auch Problembewußtsein mitbringen“, so Dr. von Notz MdB. Einig waren sich die Teil nehmer der Diskussionsrunde zum Thema Big Data, daß insgesamt etwas mehr Pragmatismus gewagt werden müsse.


Industrie 4.0: Immer komplexere Entwicklungen in der Industrie bedeuten Risiken für den deutschen Mittelstand, wenn er entsprechende Schnittstellen und Steuerungsmöglichkeiten nicht nutzt. Maik Beermann MdB (CDU), Mitglied im Ausschuß Verkehr und Digitale Infrastruktur: „Wir müssen uns als Politiker allerdings fragen, was wir bereit sind, an Bestehendem dafür aufzugeben und was nicht.“

Sorgen machte auch die Sicherheit im Netz. Da werde zu wenig investiert, so Hans-Wilhelm Dünn, Vizepräsident des Cyber-Sicherheitsrates Deutschland. Während dem Innenministerium Milliarden zur Verfügung gestellt würden, unterstütze man das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gerade einmal mit zehn Millionen. „Das Problem wird nicht ernst genommen.“ Die Globalisierung schreitet mit Riesenschritten voran, doch die Steuergesetzgebungen der einzelnen Staaten hält nicht Schritt.

 

BEPS heißt die Initiative der G-20-Staaten, die größte Veränderung im Steuerrecht der vergangenen Jahrzehnte, ein beispielloser Umbruch der Gesetzgebung, in dem neue Mindeststandards und Empfehlungen vorgegeben werden, um Nachteile im Wettbewerb durch Standortfaktoren zu vermeiden. Betroffen sind vor allem multinationale Unternehmen mit mehr als 750 Millionen Euro Umsatz, die Dokumentation ist umfangreich (Country-by-Country-Report).

 

Eine Einführung in das Thema gab Andreas Buchner, Master Principal Solution Consultant von Oracle Deutschland, wies zugleich aber auch auf die Risiken hin, sollte es nicht gelingen, die Transferpreispolitik fair und verteidigbar darzustellen: Steuernachforderungen, Image verlust. Chancen sieht Buchner aber durchaus in der Möglichkeit von Ansiedlungen aufgrund steuerlicher Gesichtspunkte, zur Senkung der Konzernsteuerquote durch ein internationales Steuergefälle. Seine Empfehlung: Austausch nur mit Staaten mit entsprechender Schieds-stelle. Doch wie sieht es aus mit der politischen Umsetzung?

 

Dazu äußerte sich Dr. Mathias Middelberg (MdB), Mitglied im Finanzausschuß des Deutschen Bundestages und Vorsitzender der Landesgruppe Niedersachsen der CDU-Fraktion. Ziel der Initiative sei es, eine Wettbewerbsgleichheit bei Steuerzahlungen länderübergreifend zu erlangen. „Als deutscher Fiskus sollten wir jedoch darauf achten, daß der größte Teil der Steuern hier bei uns gezahlt wird“, so Middelberg. Das Country-by-Country-Reporting sollte nur für die Finanzbehörden gelten und nicht für eine Veröffentlichungspflicht der Unternehmen. Diese müßten wissen, daß sie die Steuern nur einmal bezahlen.

„Doch die Problematik bei BEPS ist: Die anderen Staaten wollen an unseren Kuchen ran“, so
der Bundestagsabgeordnete. Hardy Mehl, Finanzchef der BASLER AG, einem Unternehmen mit 90 Millionen Euro Umsatz und 500 Mitarbeitern im Bereich digitaler Industriekamera-technik, sieht schon heute Schwierigkeiten bei der Transparenz und starke Unsicherheit bei den Steuerbehörden. So startete die Firma eine Produktion in Singapur, doch eine exakte Auskunft durch die Steuerbehörden läßt bis heute auf sich warten. „So liegt das volle Risiko einer Doppelbesteuerung beim Hersteller“, gibt Mehl zu bedenken. Als Mittelständler wünschte er sich, schnel ler Rechtssicherheit zu bekommen. Das könnte schwierig werden, gab Middelberg MdB zu. Eine personelle Aufstockung bei den Behörden sei geplant, aber in welcher Höhe, müsse der Bundestag erst noch beschließen. Die geplante Veröffentlichungs-pflicht empfinde er als „Schießen mit Schrot in die Menge“. Die SPD schieße damit weit über das Ziel hinaus. Das CFO-Event Sylt 2016 wurde von den Teilnehmern als erfolgreiche und effektive Tagung gelobt – nicht zuletzt ein Resultat der hochkarätigen Referenten und Diskussionsteilnehmer.

 

Entspannung gab es im Rahmenprogramm. So besuchten die Teilnehmer am Vorabend die Spielbank Sylt zum gegenseitigen Kennenlernen und trafen Ehrengast Ingbert Liebing (MdB), Spitzenkandidat der CDU für die Landtagswahl 2017. Nach der Tagung am 6. Mai ging es mit dem Reeder Sven Jensen mit dem Kutter „Gret Palucca“ der Adler-Reederei auf See, am Folgetag gleich früh morgens auf eine Wattwanderung, die mit einem gemeinsamen Frühstück im Restaurant Strönholt oberhalb des Golfplatzes Budersand ihren Abschluß fand./kp


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