22. September 2016
Brexit - Was nun?
Der Wirtschaftsrat auf der Suche nach Antworten
Drei Monate nach dem Brexit-Referendum sind trotz der unmittelbaren Finanzmarktreaktionen die längerfristigen Folgen des britischen EU-Austritts nicht abzusehen. Ebenso unklar ist die weitere Vorgehensweise der britischen Regierung. Die Landesfachkommission Internationaler Kreis des Wirtschaftsrates Hessen stellte das auf der Veranstaltung „Was benötigt Europa nach dem Brexit?“ zur Diskussion. Geladen waren Dr. Kinka Gerke-Unger, Volkswirtin im US-Generalkonsulat Frankfurt, Barbara Böttcher, Head of European Policy Research bei der Deutschen Bank, sowie Peter Scherer LL.M., Partner bei GSK Stockmann + Kollegen.
v.l.n.r.: Dr. Kinka Gerke-Unger, Frank Stocker, Barbara Böttcher, Peter Scherer (Foto: Wirtschaftsrat)

„Auch nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU bleibt diese ein unverzichtbarer Partner der USA. Außerdem besteht aufgrund der gemeinsamen Geschichte und der ähnlichen Sicht auf die Welt eine enge Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und den USA. Das zukünftige Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien ist daher nicht nur für Europa von großer Bedeutung, sondern auch für die gesamte Weltgemeinschaft“, stellte Dr. Kinka Gerke-Unger klar. Die US-Regierung hoffe nun auf zügige, pragmatische und transparente Austrittsverhandlungen. Außerdem gelte es, die TTIP-Verhandlungen noch in diesem Jahr zum Abschluss zu bringen. „Das Abkommen muss als offene Plattform gestaltet werden, der sich weitere Länder anschließen können“, so Gerke-Unger.

 

Barbara Böttcher verwies auf die Möglichkeiten des Brexit und auf seine Vorbildfunktion für künftige Partnerschaften der EU: „Bislang gibt es keine Alternativen zu einer EU-Mitgliedschaft. Durch die EU-Osterweiterung wurde die Europäische Union allerdings überdehnt und dadurch in ihrer Entscheidungsfindung gelähmt.“ Der Brexit müsse jedoch kein Hindernis für die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in Europa sein. Diese solle nun mithilfe von Strukturreformen und dem Abschluss von Freihandelsabkommen erreicht werden. Trotzdem erwarte Böttcher, dass der Brexit für Deutschland mehr Nach- als Vorteile habe.

 

Peter Scherer stimmte dem zu: „Bisher gab es im Europäischen Rat ein Gleichgewicht zwischen den liberalen und den interventionistischen Ländern. Mit dem Austritt Großbritanniens verfügen die verbliebenden liberalen Länder über keine Sperrminorität mehr. Das macht den Beschluss umstrittener Projekte wie der Transferunion wahrscheinlicher.“ Bezüglich des Austrittsverfahrens sei die EU gut beraten, dem Vereinigten Königreich nicht zu weit entgegenzukommen, um nicht noch weitere Länder zu einem Austritt zu ermutigen.

 

Frank Stocker, Korrespondent für Wirtschaft & Finanzen für „Die Welt“, führte als Moderator durch den Abend. 

Dr. Kinka Gerke-Unger (Foto: Wirtschaftsrat)
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