16. März 2015
Bildungspolitik in Theorie und Praxis
Der Wirtschaftsrat zu Gast bei der Leitwerk AG in Appenweier
Der Wirtschaftsrat, Sektion Ortenau war zu Gast bei der Leitwerk AG in Appenweier. Rund 30 interessierte Mitglieder des Wirtschaftsrates diskutierten zum Thema Bildungspolitik mit Volker Schebesta MdL. Anja Bürkle vom Berufsförderverein Offenburg e.V. präsentierte das Projekt SchoolGoesBusiness.
v.l.n.r. Volker Schebesta MdL, Anja Bürkle, Markus Arendt, Rico Siefermann (Foto: WR)

Rico Siefermann, Vorsitzender des Vorstands der Leitwerk AG stellte den Mitgliedern des Wirtschaftsrates in einer Kurzpräsentation das gastgebende Unternehmen vor. Aus- und Weiterbildung, das wurde in der Präsentation schnell deutlich, ist insbesondere in einer so schnelllebigen Branche wie der IT ein zentrales Thema.

 

Volker Schebesta MdL gab in diesem Zusammenhang einen umfassenden Überblick über die aktuelle grün-rote Bildungspolitik. Sein Fazit: „in Zeiten des Internet und der fast vollständigen Vernetzung ist Wissen zwar unbegrenzt verfügbar, das allein genügt jedoch nicht! Die Schüler müssen es auch anwenden und einsetzen können. Die Schule sollte junge Menschen nicht nur auf den Schulabschluss vorbereiten, sondern auf den Beruf und das Leben. Ein Schulterschluss von Schule und Wirtschaft ist dabei unabdingbar!“

An der aktuellen grün-roten Bildungspolitik kritisierte Schebesta neben der „Ideologisierung der Gemeinschaftsschule“ auch die steigende Tendenz zur Akademisierung und Bürokratisierung.

 

Seine Vorstellungen im Hinblick auf einen möglichen Regierungswechsel mit der Landtagswahl 2016 formulierte Volker Schebesta MdL deutlich. Die Qualität der Abschlüsse, so Schebesta, müsse gesteigert werden. Ein Zentralabitur hingegen bedeute in der aktuellen Beschlussfassung für Baden-Württemberg Abstriche in der Qualität. Schebesta weiter: „Die Schulstruktur ist nicht zu vernachlässigen, spielt aber in der Bildungsarbeit bei weitem keine so wichtige Rolle wie die Lehrer! Mehr Zeit für den einzelnen Schüler statt immer mehr Bürokratisierung kann und muss das Ziel sein!“ Dabei, so Schebesta, bedeute dies im Falle eines Regierungswechsel nicht, dass die Gemeinschaftsschulen restrukturiert würden, Ziel sei vielmehr den Schulen wieder mehr Handlungsspielräume hinsichtlich der Differenzierung in Lerngruppen, der Notenvergabe/Wiederholung einer Klasse und der Gestaltung von Ganztagskonzepten zu geben.

Auch Anja Bürkle vom Berufsförderverein Offenburg e.V., die an diesem Abend das Projekt SchoolGoesBusiness präsentierte, machte deutlich, wie weit Vorstellung und Realität oft auseinander liegen und dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. Laut einer aktuellen Studie, so Bürkle, stehen für 85% der jungen Menschen Gehalt, Selbstverwirklichung und Sicherheit im Beruf an erster Stelle. Genau hier setzt das Projekt SchoolGoesBusiness an. Es bietet Schülern die Möglichkeit ein Schuljahr lang ein Praktikum zu absolvieren und schlägt so eine Brücke zwischen Schule und Arbeitswelt und oft auch zwischen Wunsch und Wirklichkeit. In diesem Jahr, so Anja Bürkle, lernen die Schüler viel mehr als nur das Berufsbild an sich kennen. Sie bekommen ein Gespür für den eigenen Weg, den Alltag, den Umgang mit Menschen und nicht zuletzt erste Business-Etikette. Erstaunlicherweise seien es dennoch oft die Eltern, die dem Projekt kritisch gegenüber stünden und bemängelten, dass die Schüler in diesem Jahr unentgeltlich im Betrieb mitarbeiten und viel Freizeit aufgeben müssten. Bürkle dazu: „Das ist nicht immer leicht zu verstehen! Ein Praktikum in einem unserer Partnerbetriebe ist eine echte Bereicherung für junge Menschen. Wir wissen doch alle, dass man erst einzahlen muss um später eine Rendite erhalten zu können“.

 

Markus Arendt, Sprecher der Sektion Ortenau bedankte sich herzlich bei Volker Schebesta MdL, Anja Bürkle und Rico Siefermann vom gastgebenden Unternehmen Leitwerk AG. „Nehmen Sie diese Impulse mit“, so Arendt „aktivieren Sie Ihr eigenes Netzwerk und machen Sie Zukunft möglich, indem Sie diese als Unternehmerinnen und Unternehmer aktiv mitgestalten!“.