06. Mai 2013
Bei der Gäubahn hilft nur der echte Ausbau
Landtagspräsident Guido Wolf MdL auf Einladung des Wirtschaftsrates zu Gast am Hochschulcampus Tuttlingen der Hochschule Furtwangen
Der Wirtschaftsrat fordert kontinuierlich, die Potentiale der Schiene besser auszunutzen. Investitionen im Schienenverkehr sind zuvorderst auf die Engpassbeseitigung und Verknüpfung mit transeuropäischen Netzen zu konzentrieren. Zudem müssen die Rahmenbedingungen für einen fairen Wettbewerb auf der Schiene - national wie europaweit - verbessert werden. Konsequenterweise lud die Sektion Rottweil/Tuttlingen Landtagspräsident Guido Wolf MdL ein, über die Fortschritte beim Ausbau der Gäubahn zu berichten.
v.l.n.r.: Landtagspräsident Guido Wolf MdL, Sektionssprecher Dr. Martin Leonhard, Rektor Prof. Dr. Rolf Schofer (Foto: Wirtschaftsrat)

Noch vor seiner Begrüßung forderte Sektionssprecher Dr. Martin Leonhard die Anwesenden dazu auf, gemeinsam dem langjährigen und kürzlich verstorbenen Mitglied Rainer Schlagenhauf mit einer Schweigeminute zu gedenken.

Inhaltlich führte er ein, dass die Region auf ein deutliches Signal für den zweigleisigen Ausbau der Gäubahn warte.

 

Rektor Prof. Dr. Rolf Schofer freute sich, dass die Hochschule Furtwangen wieder einmal Gastgeber für eine Veranstaltung des Wirtschaftsrates sein konnte. Dieses Mal am Hochschulcampus Tuttlingen, wo mittlerweile fünf Studiengänge angeboten werden. Auch für eine Hochschule seien gute Fernverkehrsverbindungen von großer Bedeutung. Denn der Einzugsbereich einer Hochschule verlaufe entlang der Verkehrswege. In diesem Zusammenhang wünsche er sich auch eine Erweiterung des Tarifverbunds, denn wenn ein Studierender beispielsweise aus Konstanz mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen möchte, braucht dieser derzeit zwei Abonnements.

Landtagspräsident Guido Wolf MdL bei seinem Vortrag zur Gäubahn (Foto: Wirtschaftsrat)

Landtagspräsident Guido Wolf MdL, gleichzeitig Vorsitzender des Interessenverbands Gäu-Neckar-Bodensse-Bahn, zeigte sich zunächst angetan von der Optik des Wirtschaftsrates, auf dessen Roll-Ups der Landtag von Baden-Württemberg abgebildet ist. Er räumte ein, dass es beim Thema „Gäubahn“ zu langsam vorangeht. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die französischen Besatzer das zweite Gleis auf der Strecke abgebaut. Schon der Name sei Teil des Problems, denn „Gäubahn“ drücke die Dimension nicht aus. Schließlich ginge es um die internationale Magistrale Mailand-Zürich-Stuttgart.

Ziel sei weiterhin ein echter Ausbau und damit eine wirkliche Beschleunigung (in zweieinhalb Stunden von Zürich nach Stuttgart) und nicht nur eine Taktverbesserung. Der Ausbau war 1996 im Vertrag von Lugano vereinbart worden. Leider hat die Deutsche Bahn kürzlich mitgeteilt, dass bis auf weiteres keine Züge mit Neigetechnik eingesetzt würden. Um das Ziel zu erreichen, sollen - möglichst parallel geplant - drei neue zweigleisige Streckenabschnitte für insgesamt ca. 134 Millionen Euro realisiert werden, und zwar zwischen Horb und Neckarhausen, zwischen Rottweil und Spaichingen und zwischen Spaichingen und Tuttlingen.

Die schweizerische Seite, berichtete Guido Wolf MdL weiter, habe übrigens ihre Hausaufgaben bereits gemacht und bis Ende des Jahres 2012 130 Millionen Euro verbaut. Insofern kann es sich eine Industrienation wie Deutschland nicht leisten, bei dieser wichtigen Vernetzung mit dem europäischen Schienenverkehr noch mehr Zeit zu verlieren.

Dr. Martin Leonhard bei seiner Begrüßung am Hochschulcampus Tuttlingen (Foto: Wirtschaftsrat)