01. Februar 2016
Bei der Energiewende ist es fünf vor zwölf
Wirtschaftsrat: Versorgungsengpässe sind abzusehen
Die Energiewende stand im Mittelpunkt der Veranstaltung der Sektion Balingen/Sigmaringen bei der Mehrer Compression GmbH. Zu Gast: der Vorsitzende der FDP-Fraktion im baden-württembergischen Landtag, Dr. Hans-Ulrich Rülke.
vlnr: Dirk Egger, Reinhold W. Schlegel, Jörg-Peter Mehrer, Dr. Hans-Ulrich Rülke, Rudolf Mehrer (Foto: WR)

Die Energiewende bezeichnete der FDP-Politiker als zentrale Herausforderung für die wirtschaftliche Entwicklung, die angesichts der Flüchtlingskrise in Vergessenheit gerate. Rülkes Forderung: Ein "Industrieland der Weltmarktführer" müsse eine sichere, bezahlbare und verlässliche Energieversorgung haben. Seine Überzeugung: "Die Energiewende steht kurz vor dem Scheitern, es ist fünf vor zwölf, 2020/21 ist praktisch schon morgen." Sinnvoll sei, was Energiekommissar Günther H. Oettinger seinerzeit gefordert habe: ein gesamteuropäisches Netz, in das die nördlichen Länder Wasser- und Windkraft einspeisen, die südlichen Solarstrom. Ein Fehler sei es, den Anteil erneuerbarer Energie konstant zu erhöhen, ohne die Leitungsnetze auszubauen. "Was fehlt, ist ein realistischer politischer Ansatz auf europäischer Ebene. Hier versagen die Nationalstaaten."

Bei der Betriebsbesichtigung (Foto: WR)

Die Lösung werde von Vielen als zu teuer eingeschätzt, aber "in der Flüchtlingskrise haben wir erlebt, was geht und wovon wir früher gedacht haben, es geht nicht". Effizienz und Innovation seien nötig anstatt Ideologie, eine "realistische, dezentrale Versorgung". Und das bedeute nicht, Windkraftanlagen in einem der windärmsten Bundesländer aufzustellen und durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) jährlich 50 Milliarden Euro umzuverteilen.

Aufgabe der Politik sei es, eine adäquate Infrastruktur für die Unternehmen vorzuhalten. Leider, meint Rülke nebenbei, sei die Stimme der FDP "nicht gerade die gehörteste im Landtag". Und zum Abschluss kommt die Warnung: "Das Erwachen kommt erst, wenn wir ein Blackout erleben, das Schäden in Milliardenhöhe verursacht."