23. November 2016
Abendveranstaltung der Sektion Plön/Ostholstein
Ausgleich für die Lasten der Fehmarnbeltquerung
„Viele haben zwar versprochen, daß sie zu uns kommen würden, aber sind nicht gekommen. Sie vom Wirtschaftsrat sind wirklich gekommen.“ So begrüßte der Bürgermeister der Stadt Fehmarn, Jörg Weber, den Sektionssprecher Karsten Kahlcke sowie die übrigen Mitglieder des Wirtschaftsrates in Burg auf Fehmarn.
v.l. Werner Ehlers, Bürgermeister Jörg Weber, Sektionssprecher Karsten Kahlcke, Jürgen Zuch und Elisabeth Rehnen / Foto: Wirtschaftsrat SH

Daß die Fehmeraner Gesprächsbedarf haben, zeigte sich an der hochkarätigen Vertretung. Neben dem Bürgermeister waren die Fraktionsvorsitzenden der CDU, SPD und Freien Wähler anwesend. Aber auch der Vorsitzende des Bauausschusses, der Tourismuschef, der Bauamtsleiter sowie die Regionalmanagerin, ein Mitarbeiter vom Amt Oldenburg und weitere machten den Stellenwert des Themas deutlich.

Kritik an Bund, Land und Bahn

Die Fehmeraner selbst seien im Grunde gar nicht unbedingt gegen den Tunnel, so Bürgermeister Weber. Es sei der Umgang mit den Insulanern, der zu großem Ärger führe. Es würden keine Gespräche auf Augenhöhe geführt, sondern man würde von Bund, Land und der Deutschen Bahn stets vor vollendete Tatsachen gestellt. Auf Ideen und Forderungen von Fehmarn für Fehmarn würde nicht eingegangen werden. Auf den Forderungskatalog der Stadt Fehmarn an die Landesregierung sei seit 2014 nicht mehr inhaltlich geantwortet worden. Von Planänderungen würde man häufig erst aus der Zeitung erfahren. Die Entwicklungsanalyse aus dem Jahr 2011 benötige nach den geänderten Rahmenbedingungen längst eine Überarbeitung.

Lasten
Konkrete Lasten sehen die Insulaner in der Bauphase. Der Verkehr von und nach Fehmarn werde für die Zeit der Bauarbeiten an der B 207, an der Bahntrasse und an der Fehmarn- Sundbrücke stark eingeschränkt sein. Für die Insulaner, deren Wertschöpfung laut Gutachten zu 44 Prozent durch den Tourismus gespeist werde, eine absehbare Katastrophe. Deshalb fordern sie einen gut funktionierenden Schienenersatzverkehr, mit deutlich mehr Bussen und Haltepunkten sowie direkte Verbindungen ab Lübeck. Man befürchte, daß Pendler gezwungen sein könnten, von der Insel wegzuziehen. Zudem seien die meisten Fachärzte nur auf dem Festland zu erreichen, wo auch die nächste Dialysestation sei. Gerade ältere Menschen hätten dann keine medizinische Versorgungssicherheit mehr.

Wünsche
Wenn man der Insel in diesen Punkten entgegengekommen würde, dürften auch viele Widerstände verschwinden. Konkret könnte der Bauhafen anschließend für die Insel erhalten bleiben, die Urlaubsinsel einen erweiterten Schutz gegen den Schienenlärm erhalten und die Schienenanbindung an den Fährhafen nicht nur erhalten, sondern auch elektrifiziert werden, um Optionen für Nachnutzungen offenzuhalten. Die Zustimmung auf der Insel sei auch deshalb so gering, weil einfache Förderungen ausblieben. So müsse man nach langen Verhandlungen immer noch 25 Prozent der Finanzierung für die Amalienhofer Brücke übernehmen, obgleich hier Großzügigkeit angebracht gewesen sei. Kompensationen könnten zudem durch Aufwertungsmaßnahmen der betroffenen Region gestiftet werden, beispielsweise durch einen Ausbau der Strände oder ein touristisches Leuchtturmprojekt.

Nutzen für die Insel Fehmarn
Die vorgetragenen Sorgen der Insulaner beschränken sich allerdings auf die Bauphase. Man ist sich wohl durchaus im Klaren, daß die Vorteile einer festen Fehmarn-Belt-Querung langfristig auch auf der Insel überwiegen werden. Zudem hängt der Tourismus wie ein seidener Faden an der erst im Jahre 1963 eröffneten und heute denkmalgeschützten Sundbrücke. Die ist nach fünfzig Jahren marode und irgendwann ohnehin zu erneuern.

Empfehlungen
Thomas Zinke, HKL-Baumaschinen GmbH, schlägt dazu vor, neben die Sundbrücke sofort eine zweite zu bauen, um die Verkehre zur Insel in der Bauphase sicherzustellen. Mirko Schönfeldt, Geschäftsführer der Baltic FS, empfiehlt der Stadt Fehmarn, ihren Grundsatzbeschluss gegen die feste Querung aus dem Jahre 2005 aufzuheben und den Realitäten anzupassen. Die Insel würde sich sonst weiter isolieren. Die Kommunikation und das Verhalten einiger Projektträger seien bisher nicht optimal gewesen, aber solange man das Projekt auf der Insel nicht akzeptiere, erscheine man dort nicht als Partner, der konstruktiven Einfluß nehmen möchte. Fehmarn könne große Wettbewerbsvorteile erhalten, wenn man die Chancen ergreife, die der Tunnel für eine Transitinsel eröffne.

 

Zur Lösung der Kommunikationsprobleme der Planungsträger wird vom Wirtschaftsrat vorgeschlagen, einen Koordinator einzusetzen, der die unterschiedlichen Belange von Bund, Land und Deutsche Bahn nach innen abstimmt und nach außen gemeinsam vertreten kann. Klaus Treimer, Vorstandsvorsitzender der VR Bank, sieht solchen Bedarf auch bei den Verhandlungen mit betroffenen Landwirten. Ehrliche Kommunikation müsse den Bürger auf eine schwierige Bauphase vorbereiten, wonach man in einer positiv veränderten Region leben werde. Karsten Kahlcke schloß mit großer Zuversicht für die gemeinsamen Anstrengungen und dem Versprechen, sich dafür einzusetzen, die feste Fehmarn-Belt-Querung, für die sich der Wirtschaftsrat aus guten Gründen immer stark gemacht habe, auch für die Insel möglichst schnell zu einem Erfolg zu machen. / kp