12. April 2018
Podiumsdiskussion der Sektion Herzogtum Lauenburg im Meier's Gasthof
Ausbauplanungen des Elbe-Lübeck-Kanals haben begonnen
Nachdem der Haushaltsausschuß des Deutschen Bundestages den Weg für die Planung eines Ausbaus des Elbe-Lübeck-Kanals frei gemacht hat, besteht die Chance, die Ostsee an das transeuropäische Binnenstraßennetz anzuschließen. Für Schleswig-Holstein und Hamburg als Logistikdrehscheibe zwischen Skandinavien und dem Rest der Welt eröffnen sich dadurch interessante Entwicklungsperspektiven.
das Podium v.l. Lars Schöning, Norbert Brackmann MdB, Rudolph Freiherr von Schröder, Andreas Dohms und Dr. Heinz Klöser (Foto: Wirtschaftsrat)

Um die sich mit den Finanzierungszusagen des Bundes eröffnenden Entwicklungschancen für die Region zu erörtern, hatte die Sektion Herzogtum Lauenburg ein Podium in Meier's Gasthof in Sichtweite zur Kanalschleuse eingeladen, um mit Befürwortern, aber auch Naturschützern
über die Chancen und nächsten Schritte zu sprechen. Etwa dreißig Teilnehmer folgten der Einladung und durften Norbert Brackmann bei seinem ersten Auftritt als neuem maritimen Koordinator der Bundesregierung erleben, der zuvor als Bundestagsabgeordneter noch wesentlich an der positiven Entscheidung mitgewirkt hatte. Brackmann berichtete von einer Vielzahl von Unternehmen, die in der Verwirklichung des Projektes große Nutzungspotentiale für sich erkennen.

 

Der Kanal habe in den letzten Jahrzehnten mit dem Größenwachstum der Binnenschiffe
immer mehr an wirtschaftlicher Bedeutung verloren. Mit einem Ausbau würde sich die Situation schlagartig verändern, weil die dann üblichen Binnenschiffe wieder Schüttgut von der Ostsee in die Elbe und von dort weiter in alle Richtungen verbringen könnten. Zudem stünden die
Antriebskonzepte auch für die Binnenschifffahrt vor einem Wandel hin zum „Green Shipping“, womit die Logistikketten im Vergleich zu Beförderungen an Land und auf der Schiene ihren Vorsprung mit Blick auf die Umwelt weiter ausbauen würden. Und schließlich sei mit
dem Projekt ein Investitionsvolumen von fast einer Milliarde Euro verbunden, was auch für die Region eine nicht unerhebliche Wertschöpfung in den nächsten Jahren bedeute.

Andreas Dohms, Projektleiter Elbe-Lübeck-Kanal des Wasser- und Schifffahrtsamtes Lauenburg, stellte allerdings fest, daß man mit der Planung noch ganz am Anfang stehe. Einzelheiten und Gesamtkosten stünden noch nicht fest, allerdings habe man schon vor längerer Zeit begonnen, Schleusen zu erneuern und Brücken anzuheben. Wenn das Ertüchtigungsprogramm einmal abgeschlossen und der Kanal verbreitert worden sei, wäre auch ein zweilagiger Containertransport von Lübeck nach Hamburg möglich.

Naturschützer Dr. Heinz Klöser, vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), sah die Perspektiven allerdings weniger rosig. Neben einigen ökologischen Gefährdungen für den Lebensraum einiger Fischarten zweifelte er an der Wirtschaftlichkeit des gesamten Projektes und sah auch negative Auswirkungen für den Tourismus. Binnenschiffe seien umweltschädlich, weshalb er für den Ausbau der Güterbahnverbindungen werben möchte.

Nicht nur bei Lars Schöning, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Lübeck, stießen diese Behauptungen auf Unverständnis. Sämtliche Voruntersuchungen der Kammer seien zu vollkommen anderen Ergebnissen gelangt.

Sektionssprecher Rudolph Freiherr von Schröder nahm den Disput allerdings gelassen und stellte abschließend fest, die kontroversen Ansichten zeigten doch, daß es wichtig sei, die Argumente auszutauschen. Der Wirtschaftsrat sehe in dem Projekt große Entwicklungschancen für Schleswig-Holstein, aber auch für das Herzogtum, und werde es daher weiter konstruktiv begleiten./BZ