24. Januar 2017
Aus- und Neubau der Eisenbahnstrecke Dresden-Prag als Bestandteil des Kernkorridors Orient/Östliches Mittelmeer (OEM) des Transeuropäischen Verkehrsnetzes
„Das Thema Engpass Erzgebirge ist international zu werten“, so Claudia Hinrichs, „es muss kurzfristig national der vordringliche Bedarf im Bundesverkehrswegeplan final festgestellt werden. Anschließend müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um das Projekt „Erzgebirgstunnel“ zu forcieren.“
Im Dorint Hotel Dresden konnte die Vorsitzende der Landesfachkommission Verkehr und Tourismus, Claudia Hinrichs, an diesem Abend Falk Hebenstreit von der DB Netz AG und Steffen Nestler, Geschäftsführer der LUB Consulting GmbH im Auftrag des sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr als Referenten begrüßen. Ebenfalls im Podium vertreten war Bernd Sablotny, Abteilungsleiter Verkehr im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr.
v.l.n.r.: Steffen Nestler, Geschäftsführer der LUB Consulting GmbH; Bernd Sablotny, Abteilungsleiter Verkehr im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr; Claudia Hinrichs, Vorsitzende der Landesfachkommission Verkehr und Tourismus (Foto: Wirtschaftsrat)

Die Ausführungen von Steffen Nestler widmeten sich dem aktuellen Sachstand zum Thema Erzgebirgstunnel und damit dem sächsischen Teil der seit langem geplanten Neubaustrecke Dresden/Prag. Dieses Vorhaben würde die Reisezeit DD - Prag um 83 Minuten verkürzen, sodass man Prag in rd. 50 Minuten erreicht. Die damit einhergehende Kapazitätserweiterung im Güterverkehr wäre hochwassersicher und das Elbtal maßgeblich von Lärm entlastet. Ein wesentlicher geographisch bedingter Engpass im Schienennetz wäre beseitigt.

 

Nach den bisherigen Planungsaktivitäten durch den Freistaat Sachsen (Machbarkeitsstudie 2008/ Variantenuntersuchung 2009/ Kosten-Nutzenanalyse 2010/ Potenzialanalyse 2011 und Variantenuntersuchung 2012) erfolgte die Anmeldung zum Bundesverkehrswegeplan in 2013, gefolgt von weiteren Vorplanungsleistungen gemeinsam mit der Tschechischen Republik in Höhe von bisher rd. 1,3 Mio. €. Diese gemeinsame grenzüberschreitende Studie befasst sich im Wesentlichen mit dem Abgleich der unterschiedlichen eisenbahntechnischen Regeln und des Planungsablaufes sowie der Optimierung des Trassenkorridors und den Ingenieurbauwerken wie Tunnel und Brücken.


Im Ergebnis der Ausführungen könnte bei optimalem weiteren Verlauf unter Berücksichtigung des abweichenden Planungsrechtes in der Tschechischen Republik sowie der zeitnahen Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan und der Bereitstellung der finanziellen Mittel das Vorhaben frühestens 2035 fertiggestellt werden. Derzeit sind hierfür Kosten von rd. 1,3 Mrd. € veranschlagt. Um dieses Projekt nunmehr nachdrücklich zu forcieren wurde 2016 von der Tschechischen Republik, dem Freistaat Sachsen, dem Bezirk Ústí nad Labem und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Ostergebirge ein Europäischer Verbund für Territoriale Zusammenarbeit (EVTZ) für diese Neubaustrecke gegründet.


Im Nachgang skizzierte Falk Hebenstreit die aktuelle Situation im sächsischen oberen Elbtal aus Sicht der DB Netz AG. Der Bestandserhalt dieser weitgehend ausgelasteten Strecke stellt die DB-Netz AG regelmäßig vor Herausforderungen, die durch die Beseitigung der Schäden nach den Hochwassern der letzten 15 Jahre noch verschärft wurden. Damit die Verkehrsbedürfnisse im Nah-, Fern- und Güterverkehr mit einer wirtschaftlichen Bauweise ressourcenschonend kombiniert werden können, bündelt die DB Netz AG die Investitionen im gesamten Streckenabschnitt. Die bis 2023 anstehenden geplanten Instandhaltungen stellte Falk Hebenstreit vor und erläuterte die diesbezügliche Abstimmung mit den wesentlichen Interessengruppen, um die Interessen von Anwohnern, Gemeinden, Urlaubern und Unternehmern möglichst optimal berücksichtigen zu können und die Beeinträchtigungen weitestgehend gering zu halten. Dies führt jedoch auch dazu, dass nicht immer der kostengünstigste sowie zeitsparendste Investitionsablauf gewährleistet ist.


Nach einer anschließenden Diskussion mit Bernd Sablotny, dem Abteilungsleiter Verkehr im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, wurde das Thema von den 50 anwesenden Mitgliedern und Gästen beim finger-food weiter bilateral erörtert.

Falk Hebenstreit, DB Netz AG (Foto: Wirtschaftsrat)