04. September 2012
Aufbruch in die Innovationsgesellschaft - Wachstumschancen für Mitteldeutschland
Wirtschaftstag des Landesverbandes Sachsen
Mehr als 230 Gäste folgten der Einladung des Landesverbandes zum Sächsischen Wirtschaftstag nach Leipzig. Unter dem Motto "Aufbruch in die Innovationsgesellschaft - Wachstumschancen für Mitteldeutschland" diskutierten Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler, wie Sachsen seine Innovationskraft weiter verbessern kann.
v.l.n.r. Hermann Winkler MdEP, Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung und Stellvertreter im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments, Institut für Strukturleichtbau der TU Chemnitz; Dr. Heidrun Steinbach, Geschäftsführerin, Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V.; Stanislaw Tillich MdL, Ministerpräsident des Freistaates Sachsen; Simone Hartmann, Landesvorsitzende Sachsen, Wirtschaftsrat der CDU e.V. (Foto: Martin Förster foerstermartin.de)

„ ‚Made in Saxony’ - das ist eine großartige Marke. Dahinter stehen innovative Köpfe, die zielstrebig an Leistung und Qualität arbeiten und ihre Ideen konsequent realisieren“, begrüßte die Landesvorsitzende des Wirtschaftsrates in Sachsen, Simone Hartmann, die Referenten, Mitglieder und Gäste. „Deutschland wird seine Wettbewerbsfähigkeit nur halten oder gar ausbauen können, wenn die Innovationsgesellschaft politische Vision ist. Dafür brauchen wir eine Gesellschaftskultur in der kreativ-konstruktives Denken durch Wertschätzung belohnt wird. Die großen Wachstumspotentiale, die sich daraus ergeben, leben uns innovative Unternehmen vor. Es ist Aufgabe des Wirtschaftsrates an den politischen Rahmenbedingungen zu feilen. Die Politik mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten entscheidet mit, ob wachstumsfördernde Impulse kurzzeitig oder nachhaltig wirken.“

„Gerade einmal sieben der umsatzstärksten 500 Unternehmen in Deutschland haben ihren Firmensitz in Mitteldeutschland“, sagte Prof. Harald Pfab, Vorstand Wirtschaftsinitiative für Mitteldeutschland e.V. „Die Exportquote der Betriebe in Sachsen liegt weit unter dem Bundesdurchschnitt. Der Freistaat verfügt jedoch über ausgezeichnete öffentliche Entwicklungsstrukturen. Mit 0,78 Prozent liegen die Ausgaben für Forschung und Entwicklung jedoch nur bei der Hälfte des bundesweit Üblichen. Die Unternehmen müssen selbst die Initiative ergreifen. Kooperationen werden daher zunehmend wichtiger. Erfolgreiches Beispiel ist etwa das Cluster Bioeconomy mit rund 80 Partnern.“

„ ‚Made in Saxony’ ist Gütesiegel, aber auch Verpflichtung“, sagte der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Stanislaw Tillich MdL. „Dahinter verbergen sich harte und weiche Faktoren. Wir können Mikrochips und Automotive, aber auch Kultur und Bildung. Ziel ist es, ein Klima zu schaffen, das Innovationen fördert. Seit Oktober 2011 kommen auch deshalb wieder mehr Menschen nach Sachsen als abwandern. Unser Ziel ist es, den Freistaat zu einer der wirtschaftsstärksten Regionen Europas zu machen. 2010 lag unser Land auf Platz 15 der 269 Regionen. Der Weg ist weit, aber es ist realistisch ihn zu schaffen.
In Sachsen sind hauptsächlich kleine und mittlere Unternehmen angesiedelt. Deshalb haben wir nur die Chance, dass unsere Unternehmen wachsen. Die Förderpolitik orientiert sich deshalb stärker an Forschung und Entwicklung.
In Europa gibt es kaum noch Regionen, in die derzeit investiert wird: Sachsen ist jedoch eine davon. Der Freistaat selbst hat entgegen aller Behauptungen eine Investitionsquote von 19 Prozent. So wird schon bald mehr Lehrer geben, als jede andere Art von Staatsbediensteten. Gleichzeitig wird die Verwaltung effizienter, Bürokratie abgebaut und wir verfügen über genügend Kraft und Mittel, das Klima für Innovation weiter voranzutreiben. Aber wir können auch auf das Erreichte stolz sein: Sachsens Wachstum liegt über dem Bundesdurchschnitt. Und das liegt daran, dass die Menschen hier seit 22 Jahren die Ärmel hochkrempeln.

„Es muss in Europa stärker gelingen aus Erfindungen Innovationen zu machen“, sagte Hermann Winkler MdEP, Mitglied im Ausschuss für regionale Entwicklung und Stellvertreter im Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie des Europäischen Parlaments. „Dabei kann Patentschutz helfen. Derzeit stammen sieben Prozent der Patentanmeldungen beim Europäischen Patentamt aus China – das ist ein Drittel mehr als noch vor fünf Jahren. Japan, die USA, Südkorea und Israel haben Europa bei Patenten abgehängt. Hier geht Kritik an uns: Seit Jahren diskutieren wir in Europa über die Patentsicherung in der EU, statt endlich das einheitliche und wettbewerbsfähige EU-Patent auf den Weg zu bringen, mit dem es sich auch kleine und mittelständische Unternehmen leisten können, Patente anzumelden.“

„Viele Ausländer sind erstaunt über den Grad der Vernetzung zwischen angewandter Forschung und Unternehmen in Deutschland“, sagte Dr. Dieter Belter, Referatsleiter Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand/Kooperation und Netzwerke im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand fördert auch internationale Forschungskooperationen und Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten. Betriebe entscheiden selbst über Partner und Handlungsform. Die Antragstellung ist unbürokratisch, das Kalkulationsschema einfach, die Genehmigungsverfahren kurz. Wo Unternehmen die Initiative ergreifen, sind wir dabei.“

Forschung und Wirtschaft vernetzen – Wertschöpfung durch Innovation“ lautete das Thema der Podiumsdiskussion unter der Moderation von Wolfgang Brinkschulte, Leitender Redakteur Wirtschaft und Ratgeber, MDR-Fernsehen. Auszüge aus den Statements der Diskutanten:

„Ohne die Förderlandschaft hätte es unseren Betrieb in dieser Form nicht gegeben. Wir haben in den letzten 22 Jahren 22 Millionen Euro im Haus gehabt, drei Millionen an Forschungs- und Entwicklungsgeldern. Die Suche nach Alleinstellungsmerkmalen treibt uns in Innovationen. Dazu brauchen wir Partner, denn mit unseren zwei Konstrukteuren schaffen wir das nicht“¸ so Hans-Peter Weise, Vorstand der Gelenauer Maschinenbau AG.

„Für die Zukunft ist Forschung und Entwicklung nicht mehr nur für einzelne Branchen gefragt. Sie müssen sich untereinander vernetzen und wir über Institutsgrenzen hinausgehen“, ist Dr. Heidrun Steinbach, Geschäftsführerin, Institut Chemnitzer Maschinen- und Anlagenbau e.V. überzeugt. „Deutschland hat sein Forschungs- und Entwicklungspotential lange noch nicht ausgeschöpft. Finnland oder die USA sind die Vergleichsgrößen. In Finnland etwa unterstützen große Unternehmen ihre Zulieferer in der Forschung und Entwicklung.“

„Wir machen viele Projekte mit mittelständischen Unternehmen“, betonte Prof. Lothar Kroll, Direktor Institut für Strukturleichtbau der TU Chemnitz. „Es ist ein harter Job bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen Vertrauen zu schaffen, so dass sie uns als Partner betrachten. Nur gemeinsam schaffen wir durch solche Netzwerke Innovationsvorsprünge. Bisher arbeiten nur 30 Prozent der Unternehmen mit Universitäten zusammen. Durch die Globalisierung ist die Halbwertzeit von Innovationen jedoch geschrumpft und es heißt schneller werden. Dazu brauchen wir Kompetenzzentren, wo die Universitäten vorstellen, woran sie arbeiten und sich die Unternehmen zusammenfinden.“

„Vielfach wird Innovation mit Erfindung gleichgesetzt. Aber es geht nicht nur um die Erfindung, sondern darum Produkte bis zur Marktreife zu entwickeln“, so Prof. Dr. Andreas Pinkwart, früherer Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes Nordrhein-Westfalen und heutiger Rektor der Handelshochschule Leipzig - Graduate School of Management. „Die Unternehmenskultur hat entscheidende Bedeutung für den Erfolg eines Unternehmens. Es sind auch die weichen Faktoren, die über den Erfolg entscheiden. Betriebe mit ausgeprägten weichen Faktoren sind erfolgreicher als andere. Innovationskultur ist ein Baustein der Unternehmenskultur. Apple-Gründer Steve Jobs hat einmal gesagt, Innovation hat nichts mit der Menge an Geld zu tun, die in Forschung und Entwicklung fließt. Vielmehr geht es um die Menschen, die im Unternehmen arbeiten, wie sie geführt und wie ihre Ideen umgesetzt werden.“

"Nur mit Innovationen kann Sachsen im Wettbewerb eine führende Rolle einnehmen. Dazu gilt es junge Ingenieure im Land zu halten und die Aufgeschlossenheit für Innovationen in den Unternehmen zu verbessern sowie auch alternative Finanzierungsmöglichkeiten wie Risikokapital ins Kalkül zu ziehen“, zog Dr. Ulrich Link, Stellvertretender Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates in Sachsen, am Ende der Veranstaltung Bilanz.

 

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