04. Januar 2017
Aufbruch in die Gigabitgesellschaft
In Israel erzielt ein Unternehmer viereinhalb mal so viel Wagniskapital wie in Deutschland. Ein Problem. Aber nicht nur bei der Finanzierung, auch bei den Übertragungsraten besteht Nachholbedarf - europaweit. Der Wirtschaftsrat bemüht sich in seiner Bundesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft, um den Dialog mit Politik und Wirtschaft, damit eine Verbesserung der digitalen Rahmenbedingungen erreicht wird.
v.l.n.r. (vorne): Xenia Konstanzer, Referentin für Internet und Digitale Wirtschaft; Thomas Jar-zombek MdB, Sprecher des Bundestagsausschusses Digitale Agenda; Dr. Severin Löffler, Vorsit-zender der Bundesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft; Peter Eberl, Europäische Kommission (Foto: Jens Schicke)

Start-ups als Innovationstreiber

Junge Unternehmen gehören zu den wichtigsten Innovationstreibern einer Volkswirtschaft - insbesondere in der digitalen Ökonomie. Dies betonte Dr. Pablo Metzinis, Director Governmet Relation von SAP SE, der mit seinem Expertenteam vom SAP-Accelerator in den Wirtschaftsrat gekommen war.

 

Der Wirtschaftsrat sieht eine enorm wichtige Aufgabe darin, dass ein international konkurrenzfähiger Rechtsrahmen für Start-ups in Deutschland geschaffen wird. Nach wie vor ist die Finanzierung jedoch eine wesentliche Fragestellung für junge Unternehmer. Beispielsweise erzielt Israel mit seinen acht Millionen Einwohnern viereinhalb mal so viel Wagniskapital wie Deutschland mit seinen über 80 Millionen Einwohnern.

 

Der Wirtschaftsrat hat diese Situation schon lange erkannt. Infolgedessen hat er mit der Bundesregierung zusammen daran mitgewirkt, dass Start-ups mit dem im September gefassten Kabinettbeschluss den Verlustvortrag gegenüber dem Fiskus geltend machen können. Nur diese und weitere Maßnahmen wie die Befreiung von Managementdienstleistungen von der Umsatzsteuer können dazu führen, die Gründerkultur in Deutschland zu stärken. 

 

 

Wege in eine moderne digitale Infrastruktur

Neben der Förderung von Start-ups stand auch der Entwurf zur Überarbeitung des Telekommunikationsrechtsrahmens der Europäischen Kommission im Mittelpunkt der letzten Sitzung der Bundesfachkommission Internet und Digitale Wirtschaft.


Peter Eberl aus der Generaldirektion Kommunikationsnetze, Inhalte und Technologien der Europäischen Kommission, informierte zudem über die wichtigsten Vorstöße der Überarbeitung des Europäischen Telekommunikationsrechtsrahmens. Unzeitgemäße Rechtsvorschriften sollen mit ihr eingeebnet und der Rechtsrahmen harmonisiert werden.

 

Formuliertes Ziel des Entwurfs ist die Bereitstellung eines gigabitfähigen Anschlusses für alle Europäer, der eine Mindestgeschwindigkeit von 100 Mbit/s aufweist. Weiterhin sollen zukünftig alle Anbieter gegen einen finanziellen Ausgleich einen Zugang zu Leitungen erhalten. Damit ist der Zugang zu Leerrohren und folgend ein kostensparender Ausbau von Glasfaser möglich.

 

Eine Vielzahl von digitalen Anwendungen bedürfen Übertragungsraten, die über ein Gbit/s hinausgehen. Autonomes Fahren oder Industrie 4.0 funktionieren nur, wenn Daten in Echtzeit ausgetauscht werden können. Der Wirtschaftsrat misst daher der Konnektivität im digitalen Zeitalter eine herausragende Bedeutung zu. Sie entscheidet über die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Wirtschaftsstandortes.