11. November 2019
Arbeitsfrühstück mit Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig
Wir hatten in diesem Jahr zum zweiten Mal das Vergnügen, uns mit der Oberbürgermeisterin von Chemnitz, Barbara Ludwig, zum Frühstück verabredet zu haben. Im „La bouchée“ hat uns das Oberhaupt der Stadt Chemnitz über die konjunkturelle Entwicklung, die aktuellen Herausforderungen der Stadt und die anstehende Oberbürgermeister-Wahl informiert.
Mitte hinten: Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (Foto: Wirtschaftsrat)

Chemnitz, traditionell als Hochburg des deutschen Automobil- und Maschinenbaus bekannt, sieht sich aktuell als Industriestandort mit starken Herausforderungen konfrontiert. Am Automobilbau hängt auch der Werkzeugmaschinenbau, eine Kernbranche in Südwest-Sachsen. Durch die derzeit einseitige Ausrichtung auf „Elektromobilität“ kommen viele Zulieferer in wirtschaftliche Not, die Auftragseingänge schwinden auf ein Minimum und vielerorts wird Kurzarbeit angemeldet. Dies war ein wesentlicher Themenkomplex unseres Austauschs mit der Oberbürgermeisterin, welche dies ebenfalls als Problemfeld anerkennt. Gleichwohl liegt in jeder Herausforderung auch eine Chance, die es noch gezielt und praktisch anwendbar, z. B. durch gezielte neue Ausbildungs-linien, aufzugreifen gilt. Derzeit fehlt leider noch eine konsistente Strategie, um den strukturellen Verschiebungen adäquat zu begegnen. Nicht nur die industrielle Basis gerät derzeit zunehmend in Gefahr, ebenso geben uns Digitalisierung und Demografie Aufgaben auf, die künftig zu lösen sein werden.

Es reicht leider nicht aus, sich (im deutschen Alleingang und nicht ausreichend technologieoffen) den erneuerbaren Energien Sonne und Wind zu verschreiben, wenn dann der Ausbau selbiger durch langwierige Genehmigungsverfahren verlangsamt bzw. verhindert wird. Wir waren uns mit der Oberbürgermeisterin einig: Bürgerbeteiligung ist wichtig, sie darf aber die Realisierung großer und wichtiger Infrastruktur-Projekte nicht gefährden.

Der Wirtschaftsrat wird sich einbringen, den Strukturwandel in und um Chemnitz mit zielgerichteten Ideen zum Erhalt von Wertschöpfung, Industrie und Arbeitsplätzen am Standort, zu begegnen. Hierzu bedarf es klar definierter Ziele, der Abwendung von substantiellen Gefahren und das Ergreifen von technologischen Chancen - die Ingenieursdichte in Chemnitz ist hoch, nur der Kompass zeigt mitunter verschiedene Himmelsrichtungen an. Dieser ist KMU-orientiert wieder „einzunorden“. Wir freuen uns auf das nächste Frühstück im Januar 2020 und sind gespannt, wer ab Mitte 2020 die Geschicke im „Sächsischen Manchester“ federführend lenken wird.