25. Mai 2016
Hochschulen und Technik:
Allianz für den Norden!
Podiumsdiskussion im Lübecker Schabbelhaus
Bei der Diskussion länderübergreifender Strategien im Januar 2016 mit den Regierungschefs der beiden Länder Hamburg und Schleswig-Holstein, zu Gast bei der Jungheinrich AG in Kaltenkirchen, blieben die Felder Hochschulen und Forschung offen. Deshalb trafen sich am 25. Mai 2016 vor der Sektion Lübeck Vertreter beider Länder, um unter der Moderation von Bernd Jorkisch als Vorstandsvorsitzender des Hansebelt Initiativkreises e.V. eine gemeinsame Hochschulstrategie im nordeuropäischen Kontext auszuloten.

v.l. Prof. Dr.-Ing. Eckart Kottkamp, Volker Dornquast MdL, Moderator Bernd Jorkisch, Dr. Sven Tode, Norbert Basler / Foto: Wirtschaftsrat

Die Impulse für den Wirtschaftsrat kamen aus der Industrie: Norbert Basler, Aufsichtsrats-vorsitzender des Basler AG, die in Ahrensburg Industriekameras entwickelt und weltweit vertreibt, empfiehlt für die Hochschulen eine größere Freiheit, um sich selbständig in dem hochdynamischen Umfeld erfolgreich entwickeln zu können. Schleswig-Holstein habe keine eigene Technische Universität, weshalb Kooperationen mit der Industrie seitens der Hochschule besonders gesucht werden sollten.

Ein Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort könne nur erfolgreich sein, wenn dort nicht nur Geld zu Wissen, sondern auch Wissen zu Geld gemacht werde. Die Digitalisierung eröffne neue großartige Chancen, die im Wettbewerb mit den technologieführenden Standorten in Asien und den U.S.A. systematisch entwickelt werden sollten. Er empfahl den beiden Bundesländern erst einmal ein gemeinsames Be kenntnis, auf dessen Grundlage man dann die Kraftvektoren der Länder parallel ausrichten könne.


Daran knüpfte Prof. Dr. Ing. Eckart Kottkamp an: Aus der Digitalisierung erwachse ein immenser Forschungs- und Ausbildungsbedarf, dessen Schlüssel in der Technik liege. Erst mittels der Technik werde eine Lösung praktisch wertvoll. Dieses „T“ von MINT gelte es gezielt zu fördern und zwar über die gesamte Prozeßkette von den Schulen über die Hochschulen bis hin zur beruflichen Weiterbildung, wobei der dualen Ausbildung größte Bedeutung beizumessen sei. Ein erster Schritt sei dabei eine Verbesserung der mathematischen Grundkenntnisse.

Häufig führten hier gravierende Lücken in der Schulausbildung zu frühzeitigem Scheitern im Studium. Nach Vorgesprächen mit mehreren Senatsbereichen der Freien und Hansestadt Hamburg sei 2012 eine gemeinsames Projekt der MINT-Fakultäten aller staatlichen Hochschulen mit den betroffenen Behörden gestartet worden, um Maßnahmen zur Verbesserung der Vorkenntnisse bei Studienantritt zu definieren und umzusetzen. Alle Hochschulen hätten sich zum Wintersemester 2015 entschieden, den online-basierten verbindlichen Mathematik-Orientierungstest MINTFIT einzuführen.

Hier bei erkennbare Defizite führten auf die Empfehlung zur Teilnahme an den angeschlossenen Brückenkurse OMB+ oder via MINT. Die beiden Abgeordneten Volker Dornquast MdL, hochschulpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, und Dr. Sven Tode MdHB, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion aus Hamburg, nahmen diese Empfehlungen wohlwollend entgegen und verwiesen auf bereits erfolgreiche Kooperationen, wie im Bereich Life Science mit der Norgenta. Dornquast MdL berichtete von zufriedenstellenden wissenschaftlichen Ergebnissen und einer Vielzahl projektbezogener Zusammenarbeit der Hochschulen im Norden. Dr. Tode MdHB räumte allerdings ein, daß man bei den Exzellenz-clustern und den Bundesforschungsinstituten in Hamburg bisher nicht gut abgeschnitten habe, was auch auf die fehlende Tradition industriebezogener Wissenschaft im Vergleich zu Bayern und Baden-Württemberg zu erklären sei. Eine gemeinsame Strategie der beiden Länder gäbe es bislang nicht, auch nicht in Ansätzen. In die konstruktive Diskussion schalteten sich auch die Gäste aus der Leitung der Lübecker Hochschulen ein.

Neue Strategien aus den Unternehmen seien willkommen, man dürfe die Hochschulen aber nicht überfrachten, sondern müsse ihnen den Rücken freihalten. Die Hochschulgesetze gingen an den Herausforderungen vorbei. Prioritäten und Leitplanken seien hilfreich, aber Zusammenarbeit könne nicht ausschließlich an Nachbarschaft ausgerichtet werden. Bernd Jorkisch plädiert deshalb abschließend für einen Blick auf Ostsee und die internationale Fehmarnbeltregion, in der 54 Hochschulen und 18 Forschungsinstitute Schnittstellen für Kooperationen und konkrete Anwendungen suchen. Es brauche einer Allianz für den Norden! Hamburg und Schleswig-Holstein sollten diese zukünftig im Kern gemeinsam vorantreiben./ BZ