28. Mai 2019
Aktuelle Themen aus der Bauwirtschaft - Building Information Modeling (BIM)
Auf der Agenda des Wirtschaftsrates in Sachsen steht in seiner Landesfachkommission für Bau und Immobilien u.a. der Einfluss der Digitalisierung auf Prozesse im Baugewerbe. Ein wichtiger Bestandteil ist diesbezüglich das BIM (Building Information Modeling).
Valentin Schmidt, BIM Manager (Foto: Wirtschaftsrat)

Es lässt sich heute schon feststellen, dass bezhüglich der Digitalisierung das Baugewerbe den gleichen Entwicklungs-prozess nehmen wird, wie diesen beispielswies der Maschinenbau in den letzten Jahren bereits vollzogen hat (z.B. über AutoCAD). BIM-Systeme werden von vielen Auftraggebern bereits vorausgesetzt, um Aufträge zu erlangen.

In einem sehr interessanten Vortrag hat Valentin Schmidt (BIM Manager der Vollack GmbH & Co. KG) die Umsetzung von BIM mit allen zu meisternden Hürden in der Vollack-Unternehmensgruppe dargelegt, um effizienter Angebote erstellen zu können. Als Gastgeber fungierte Frank Bornemann (Geschäftsführer und Partner der Vollack-Unternehmensgruppe). BIM bedeutet im Wesentlichen eine völlig andere Herangehensweise in der gesamten bauplanerischen Denk- und Kommunikationsweise. Denn, praktisch umgesetzt, heißt BIM, anhand eines anfänglich (mit hohem Aufwand) zu erstellenden 3D-Modells des Bauobjektes über verschiedene, separate Dimensionen, wie Mengen- und Kosten, letztendlich automatisch ein Leistungsverzeichnis zu erstellen, welches sofort angepasst wird, falls sich eine „Stellschraube“ in den vorgegliederten Systemen ändert. Mit großer Mühe ist hierbei die genaue Definition der einzusetzenden Materialien verbunden.

BIM lässt sich derzeit noch nicht für allgemeingültig vorteilhaft erklären. Der Einsatz von BIM-Modellen ist immer dann besonders anzuraten, wenn es sich um standardisierbare Projekte handelt. Hier ist eine enorme Zeitersparnis, gerade bei der Erstellung von Leistungsverzeichnissen, möglich. Das Stichwort lautet hier „Lean Design“, wo nicht permanent händisch korrigiert und von vorn angefangen werden muss, falls sich eine bauplanerische Änderung ergibt. Das kommunikative Zusammenspiel von AIA (Auftraggeber Informationsanforderung – „wann wird welche Information benötigt“) und BAP (BIM Abwicklungsplan – „wer stellt wann, wo und wie welche Information zur Verfügung“) erlangt neue Dimensionen. Erforderlich für ein erfolgreich zu implementierendes BIM-System (Entwicklung hat bei Vollack drei Jahre gedauert) ist eine anfängliche Zielfestlegung, was genau mit dem BIM erreicht werden soll. Hierbei sind alle Abteilungen des Baubetriebes einzubeziehen. Die Einführung digitaler Geschäftsprozesse stößt jedoch nicht immer auf positive Resonanz der Belegschaft, denn enorme Umstellungen in der Arbeitsweise gehen damit einher, weißt Valentin Schmidt auf einige Hürden hin.

In Deutschland gibt es derzeit viele BIM-Akteure, wie z.B. den VDI und den buildingSMART e.V., um nur zwei zu nennen. Selbst das SMWA sowie das SMF haben die Bedeutung von BIM bereits erkannt und einige diesbezügliche Pilotprojekte gestartet. Als ein wichtiges Hemmnis bleibt jedoch festzustellen, dass es an einem einheitlichen Standard in Form einer Richtlinie für die Einführung und Anwendung des BIM noch fehlt und somit auch Software-Kompatibilitätsprobleme existieren. Diesen einheitlichen Standard gilt es, gemeinsam von Politik und Bauwirtschaft, zu erstellen, will man den ganzheitlichen Ansatz des BIM auch für kleinere Unternehmen praktikabel machen. Die Teilnehmer waren sich einig: Wer den BIM-Anschluss verpasst, wird langfristig auf der Strecke bleiben, so wie das Quelle beim Internethandel und Nokia beim Smartphone ergangen ist. Der Wirtschaftsrat wird sich dem Thema BIM weiter widmen und bedankt sich bei Frank Bornemann für seine Gastfreundschaft und beim Referenten für seine fachkundige Darstellung.