22. Mai 2013
"Ohne Wirtschaftskraft ist die Zukunft unserer Metropole nicht zu gestalten"
Oberbürgermeister Jürgen Roters im Dialog mit dem Kölner Wirtschaftsrat
Weit über 100 Unternehmer aus dem Kölner Wirtschaftsraum trafen sich auf Einladung der Sektion Köln und der Fachkommission „Wirtschaft für Köln“ mit dem ersten Bürger der Stadt, Jürgen Roters, zu einem lebhaften Gedankenaustausch über die Stärken und Schwächen der Rheinmetropole.
v.l.n.r.: Anné Schwarzkopf; Oberbürgermeister Jürgen Roters; Eldach-Christian Herfeldt (Foto: Wirtschaftsrat)

„Trotz unterschiedlicher Auffassungen tragen wir dieses wundervolle Fleckchen alle im Herzen,“ stellte der Oberbürgermeister mit Blick auf das klare Bekenntnis aller Teilnehmer zum Wirtschaftsstandort Köln fest.

 

Roters äußerte sich durchaus zuversichtlich und verwies auf die zahlreichen Vorzüge Kölns. Die Verkehrsanbindung, die Wachstumsprognosen, die Stärke als Wissenschafts- und Messestandort sowie zahlreiche aktuelle Wirtschaftsansiedlungen seien nur einige Beispiele für die positive Ausgangslage Kölns im nationalen und internationalen Raum. „Die Europäische Kommission schaut oft auf unser Ballungszentrum am Rhein, das als Hoffnungsträger für Innovationen gilt“, hob er hervor.


Kölns besondere Stärke sehe er im rasanten Wachstum der Stadt aufgrund steigender Studentenzahlen. Dieses setze jedoch auch Anstrengungen voraus, um für diese Altersklasse positive Lebensbedingungen zu schaffen: angemessene sowie bezahlbare Wohnungen, ein adäquates Bildungssystem sowie Familienfreundlichkeit seien zu gewährleisten. „Nur eine wachsende Stadt hat echte Chancen auf Zukunft", fasste er zusammen.


Eldach-Christian Herfeldt, Sprecher der Sektion Köln, erläuterte kritisch, dass es trotz dieser vielen Positivbeispiele eine ständige Herausforderung bleibe, die größte Stadt Nordrhein-Westfalens im internationalen Vergleich zu positionieren. „Reichen die Voraussetzungen aus, um auch zukünftig in der ersten Liga der Wirtschaftsstandorte in NRW, Deutschland und in Europa mitzuspielen? Was muss getan werden, um die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und weiter auszubauen, um den Wohlstand für alle Bürger zu sichern?,“ fragte er Jürgen Roters unter großer Zustimmung der versammelten Unternehmer. Die Basis aus Wissenschaftslandschaft, die junge kreative Menschen in die Stadt ziehen lasse, sowie eine noch gute Industrielandschaft, die Leistungen der kreativen Köpfe abrufe, um ihre Produkte weltweit zu platzieren, dürfe nicht wegbrechen. „Man muss dieses Potenzial nutzen, aber vieles weiter und stärker vorantreiben“, forderte er besonders im Hinblick auf die Sicherung der Infrastruktur. Bei der Sanierung von Brücken und Straßen habe Köln gewaltigen Nachholbedarf: „In einer globalisierten Welt kann auf eine wettbewerbsfähige Infrastruktur nicht verzichtet werden, die die Mobilität von Personen und Gütern sicherstellt. Grundvoraussetzung ist ein Ausbau und Erhalt aller Verkehrsträger.“ Dies gelte sowohl für das städtische Straßennetz, den schienengebundenen Verkehr, den Hafen und vor allem den Flughafen, stieß Herfeldt an.

 

Roters pflichtete den Forderungen des Wirtschaftsrates bei. „Ich bin der Auffassung, dass wir ein Beschleunigungsgesetz brauchen. Wir können uns nicht auf lange Planfeststellungsverfahren beschränken.  Allein bei den Straßen liegt der Sanierungsstau bei 200 Millionen,“ konstatierte er. Die Sperrung der Leverkusener Brücke habe den Kölnern vor Augen geführt, welche Probleme auch für die Region entstehen, wenn eine Verbindung gekappt wird. Um zusätzliche Mittel bereitstellen zu können, forderte er eine Vignette für alle Autos in Verbindung mit einer Reduzierung der KFZ-Steuer. 


Anné Schwarzkopf, die die Fachkommission „Wirtschaft für Köln“ leitet, betonte in der anschließenden Diskussion die Bedeutung der Industrie für die Gesamtwirtschaft und plädierte dafür, für deren  Anliegen nachhaltig bei der Politik zu werben. Der Oberbürgermeister griff diesen Vorschlag gerne auf, und bot dem Expertenkreis der Fachkommission einen fortlaufenden Dialog zur Zukunft des Wirtschaftsstandortes an. „Ohne Wirtschaftskraft ist die Zukunft unserer Metropole nicht zu gestalten", unterstrich er seine Einladung.