26. Februar 2014
Rüdiger Grube will den Umsatz der Deutschen Bahn bis 2020 verdoppeln
Rüdiger Grube zu Gast beim Wirtschaftsrat in Hannover
Rund 100 Mitglieder und Gäste folgten der Einladung des Wirtschaftsrates in die Räume der TÜV Nord AG nach Hannover. Dr. Rüdiger Grube, Vorsitzender des Vorstands der Deutschen Bahn AG und der DB Mobility Logistics AG, gab den interessierten Zuhörern einen detaillierten Einblick in die Erfolgsbilanz des Konzerns und seine ehrgeizigen Ziele.

„Die Bahnreform vor 20 Jahren war ein voller Erfolg“, so Grube zu Beginn seines Vortrags. Die desolate Situation des Staatsunternehmens Anfang der Neunziger sorgte für ein jährliches Minus von rund acht Milliarden Euro und stellte so eine große Belastung für den Bundeshaushalt dar. Heute fällt  die Bilanz des Unternehmens deutlich positiver aus. Im Geschäftsjahr 2012 erwirtschaftete das Unternehmen einen Gewinn von gut 2,7 Milliarden Euro - wovon nicht zuletzt auch der Bundeshaushalt profitiert.

 

Mit einer vier Mal so hohen Verkehrsleistung wie die zweitplatzierte polnische PKP ist die Bahn unangefochtener Spitzenreiter im Schienengüterverkehr Europas. Aus dem ehemaligen Staatsunternehmen ist in den letzten zwei Jahrzehnten ein weltweit führendes Transportunternehmen entstanden. Die Logistiktochter DB Schenker ist die Nummer eins im europäischen Güterverkehr mittels LKW und unter den top drei Transporteuren weltweiter Luft- und Seefracht. 

(Foto: Wirtschaftsrat)

Trotz des Erfolges der letzten 20 Jahre macht der Vorstandsvorsitzende seinem Unternehmen ehrgeizige Zielvorgaben. So soll der Umsatz von 2010 mit 34 Milliarden Euro bis 2020 auf 60-70 Milliarden Euro verdoppelt werden. Erreicht werden soll dies vor allem durch die Öffnung bisher verschlossener Märkte, insbesondere des Nahverkehrs in Frankreich, Spanien und Italien.

 

Entscheidend für ein Erreichen dieses Ziels werden aber auch die Rahmenbedingungen sein, die die Politik der Deutschen Bahn und auch allen anderen Unternehmen in Deutschland vorgeben wird. Insbesondere zwei Herausforderungen rückte Grube in den Mittelpunkt. Die Umsetzung der Energiewende ist für einen der größten Stromkunden des Landes von existentieller Bedeutung. Schon heute belastete das Erneuerbare-Energien-Gesetz EEG die Bahn mit 108 Millionen Euro jährlich. Selbst kleinste Änderungen hätten gravierende Kosten zur folge, die den weiteren Erfolg des ehemaligen Staatsunternehmens gefährden.

Die zweite Herausforderung für die Bahn sind Infrastrukturmaßnahmen, so Grube weiter. Er bezifferte den Investitionsrückstau in Deutschland auf 30 Milliarden Euro allein im Bereich des Bahnverkehrs. So sind über ein Drittel der 25.000 Brücken älter als 100 Jahre. Eine entscheidende Rolle spielt hier auch Niedersachsen, hier befinden sich zwei bedeutende Infrastrukturprojekte der Bahn. Wann und in welcher Form die seit Jahren kontrovers diskutierte Y-Trasse letztendlich realisiert wird, ist von zentraler Bedeutung für den Schienenverkehr in Norddeutschland und damit entscheidend für die Zukunftsaussichten der Bahn. Ein weiteres großes Infrastrukturprojekt ist in Niedersachsen bereits in Fertigstellung. Bund und Bahn investieren in Lehrte rund 100 Millionen Euro um den größten Schienenterminal Europas zu bauen. Der „Megahub“ soll modernes Zentrum des Seehafenhinterlandverkehrs in Norddeutschland werden und einen schnellen Umschlag von Containern zwischen Zug und LKW garantieren. Die Fertigstellung ist für Ende 2016 geplant.