29. September 2016
Deutsch-Chinesischer Wirtschaftsdialog
中德经济对话

Im Rahmen der Bundesfachkommission Internationaler Kreis hat der Wirtschaftsrat zum zweiten Mal in Kooperation mit der Chinesischen Handelskammer in Deutschland e.V. einen hochkarätig besetzten Deutsch-Chinesischen Dialog in der chinesischen Botschaft in Berlin organisiert. Mit knapp 300 deutschen wie chinesischen Unternehmern, Politikern und prominenten Gästen verzeichnete die Veranstaltung einen neuen Besucherrekord.

 

Von der „Werkbank der Welt“ zu „Made in China 2025“

 

Die Beziehungen zwischen Deutschland und China sind derzeit so intensiv wie nie zuvor. Das gilt insbesondere für die wirtschaftliche Kooperation. Deutschland ist der mit Abstand wichtigste Handelspartner Chinas in Europa. Umgekehrt ist China wirtschaftliches Partnerland Nummer eins für Deutschland in Asien. Gleichzeitig steckt die chinesische Wirtschaft mitten in einer Umbruchphase weg vom alten Wachstumsmodell „Werkbank der Welt“.

 

Im Zentrum der neuen „Made in China 2025“-Strategie steht die Automatisierung und Digitalisierung der Industrie. Das deutsche Industrie-4.0-Konzept war dabei ein Ideengeber. Je mehr sich die Wirtschaft digitalisiert und vernetzt, desto mehr Schnittstellen ergeben sich - in Entwicklung, Produktion und Vertrieb - national und global. Das erfordert Kooperationen und Beteiligungen zahlreicher Akteure.

 

Wachstum durch Innovation

 

Der chinesische Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland, Shi Mingde eröffnete den 2. Wirtschaftsdialog mit der Frage: „Alle Staaten wollen Wirtschaftswachstum – aber wie? China und Deutschland stehen allein da mit dem Wunsch Wachstum durch Innovationen zu generieren und nicht durch unbegrenzte Geldpolitik.“ Außerdem seien sich beide Länder einig in dem Punkt, zunehmenden Protektionismus bekämpfen zu wollen.

 

Dr. Jürgen Geißinger, Vorsitzender der Bundesfachkommission Internationaler Kreis im Wirtschaftsrat betonte vor den Unternehmern: „Allein die große Resonanz zeigt, die Bedeutung die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China. Unternehmer beider Seiten können als Botschafter ihres Landes voneinander lernen und Brücken bauen.“ Als Weiterführung des Dialoges hat der Wirtschaftsrat auf Bundesebene eine Delegationsreise nach China organisiert, die auch Innovation als Thema setzt.

 

Dr. Peter Ramsauer MdB, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft und Energie im Deutschen Bundestag, betonte, dass China und Deutschland weltweit bedeutende Innovationstreiber seien. Nachdem China auf dem G20-Gipfel erstmals die Themen Innovation und Digitalisierung in den Mittelpunkt gerückt und seinen starken Innovationswillen bewiesen hat, wird Deutschland dies für 2017 aufnehmen und erstmals die Digitalminister auf dem G20-Gipfel empfangen.

 

Wirtschaftsrat fordert Weiterentwicklung Deutschlands im Bereich Industrie 4.0 und mehr Marktwirtschaft in China

 

Gleichzeitig forderte Dr. Geißinger gegenüber den Regierungen beider Länder noch Nachbesserungen: Um nun auch Nutzen aus dem Vorstoß Deutschlands im Bereich Industrie 4.0 ziehen zu können, gilt es dringend, „den Worten Taten folgen zu lassen“.  Zeitnah müssen erste technische Lösungen entwickelt, Demonstratoren aufgebaut und entsprechende Produkte in den Markt gebracht werden. Auf dem derzeitigen Stand ist die digitale Infrastruktur in Deutschland zudem nicht ausreichend, um den eigenen Ansprüchen an die angestrebte Vision Industrie 4.0 gerecht zu werden. Eben hiervon muss das Ausland überzeugt werden, damit Deutschland die Marke Industrie 4.0 weiter etablieren kann.

 

Deutsche Unternehmen haben ihre Innovationskraft im freien Wettbewerb erarbeitet und gestärkt. Dieser Wettbewerb ist Voraussetzung für weitere Innovationen, die für nachhaltiges Wachstum weltweit dringend benötigt werden. Der Wirtschaftsrat setzt auch in der Zusammenarbeit mit China auf das Prinzip des fairen Wettbewerbs. Dies gilt für den chinesischen Markt, den deutschen Markt, sowie auf Drittmärkten.

 

Vertrauen ist für ein faires Wettbewerbsumfeld unverzichtbar. Das gilt in der unternehmerischen Praxis ebenso wie in der Wirtschaftspolitik und in der gesellschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und China.

Von links: Dr. Thomas Feist MdB, Dr. Ulrich Löwen, Torsten Küpper, Wilfried Eberhardt, Stefan T. Schwaab, Dr. LEI Xianzhang, Mike de Vries, Dirk Weigand