11. Juli 2016
Christian Lindner beim Hauptstadtfrühstück
Der Wirtschaftsrat Berlin-Brandenburg lud zum Dialog zwischen dem FDP-Bundesvorsitzenden Christian Lindner und Generalsekretär Wolfgang Steiger. Aktuelle Umfragen sehen die Freien Demokraten wieder im Bundestag. Für Wolfgang Steiger ein Anlass, über den Dächern Berlins im Dachgartenrestaurant des Reichstages dem FDP-Bundesvorsitzenden auf den Zahn zu fühlen.

„Die FDP ist stets mit dem Slogan ‚Leistung muss sich lohnen‘ angetreten und hat sich für eine leistungsgerechte Entlohnung eingesetzt. Hat sie diese mit der katastrophalen Wahlschlappe am 22. September 2013 auch bekommen?“, wollte Wolfgang Steiger wissen. Rückblickend gestand Christian Lindner Fehler ein, konterte aber: „Mit jeder Woche Große Koalition bin ich mehr und mehr mit unserer damaligen Regierungszeit versöhnt“.

 

Es wurde kein Blatt vor dem Mund genommen. In Anwesenheit zahlreicher Unternehmer und Mitglieder des Landesverbandes Berlin-Brandenburg kam es zu einem inspirierenden und politischen Informationsaustausch. Das Themenspektrum der Veranstaltung war breit: europäische Finanzpolitik, Flüchtlingskrise, demografischer Wandel, Digitalisierung und Energiewende.

 

Die Baustellen sind zahlreich, besonders nach dem Brexit: „Was genau müsste denn für einen gelungenen Neustart passieren? Wie kann Europa seine Handlungsfähigkeit zurückgewinnen?“. Die Antwort Christian Lindners war so einfach wie richtig: „Wir machen einfach mal was ganz Neues in Europa: Wir halten uns an Vereinbarungen“. Denn solange Vorgaben und Regeln nicht eingehalten würden, hätten die Menschen auch kein Vertrauen in Europa. Als verantwortungslos beurteilte er die Rentenpolitik in Deutschland. „Die Rente mit 63 war eine Stilllegungsprämie für qualifizierte Arbeiter“. Den Vorhaben der Bundesregierung und der Grünen zur Lebensleistungsrente, Einfrierung des Rentenniveaus oder Abschaffung der Riester-Rente erteilte er eine klare Absage: „Die Rente wird nicht mehr den Lebensstandard für meine Generation sicherstellen. Wir brauchen die private Altersvorsorge – und zwar nicht nur in Staatsanleihen und Beton“.

 

Als Konzept gegen die Beliebtheit radikaler Parteien empfahl Christian Lindner ruhige Nerven und Prinzipientreue anstelle von Opportunismus. Warum denn die radikalen Parteien die Diskussionen in Deutschland bestimmen und warum wir nicht einmal darüber diskutieren, was für unser Land wirklich wichtig ist, fragte der Parteivorsitzende.

 

Zum Abschluss der gut besuchten Veranstaltung warnte Christian Lindner vor einer Kultur der Angst in Deutschland. Globalisierung, TTIP und Digitalisierung müssten als Chancen und nicht als Risiken begriffen werden. Die FDP sehe sich darin als Vorreiter. Denn sie stehe - im Gegensatz zu anderen Parteien – nicht unter dem Dogma einer kollektivistischen Idee, sondern setze auf das Potenzial jedes einzelnen Individuums in einem liberalen Wirtschaftssystem.

 

Das vollständige Interview können Sie in der nächsten Ausgabe des TREND nachlesen.