13. April 2016
Erneuerbare Energien und Strommarkt
Sitzung der Landesfachkommission Energiepolitik mit Sektionsmitgliedern der Sektion Leipzig in der Clean Energy Sourcing AG
In Vertretung des Vorsitzenden der Landesfachkommission, Dr. Dirk Schröter (Vattenfall), begrüßte Daniel Hölder als Gastgeber die Teilnehmer. In dem folgenden Vortrag stellte er zunächst die Clean Energy Sourcing AG vor.
(Foto: Wirtschaftsrat)

Ein Unternehmen, welches mit 70 Mitarbeitern und einem Umsatz von über 500 Millionen Euro in 2014 „Grün“-Strom an Industrie- und Gewerbekunden absetzt. Hierfür sind mehr als 3000 Megawatt EEG und KWK-Anlagen in der Vermarktung vertraglich gebunden. Eines der führenden Virtuellen Kraftwerke mit mehr als 11 Terrawatt-Stunden wird vom Unternehmen betrieben. Das Geschäftsmodel fußt auf dem Paradigmenwechsel „Flexibilität statt Grundlast“, den das zunehmende Strom-Angebot aus Sonne und Wind zwangsläufig mit sich bringt. Hierdurch wächst die Bedeutung von dezentraler Stromerzeugung zunehmend, womit sich das Stromversorgungssystem grundlegend ändert. Durch den Zusammenschluss diverser unterschiedlicher Stromerzeuger übernehmen hier virtuelle Kraftwerke steuernde Verantwortung. Der harte Wettbewerb zwischen den diversen Vermarktern von Strom aus EEG-Anlagen zwingt diese zu kontinuierlichen Prognoseverbesserungen des Stromaufkommens und ist Anreiz zur bedarfsgerechten Fahrweise von zum Beispiel steuerbaren Bio-Energie-Anlagen, um diesen so gewonnenen Strom perspektivisch kostendeckend vermarkten zu können.  

 

Der folgende Vortrag von Robert Gersdorf, Senior Expert Political & Regulatory Affairs bei der EEX, widmete sich der Fragestellung zu den aktuellen energiepolitischen Herausforderungen aus Börsensicht sowie den Lösungsansätzen für das Strommarktdesign.

 

Der börsliche Stromhandel als Synchronisation zwischen Produktion und Verbrauch gliedert sich in den Termin und Spotmarkt. Während am Terminmarkt bis zu 6 Jahre in die Zukunft Strom zu festen Preisen eingekauft werden kann, wird am Spotmarkt untertägig im Viertelstundentakt bis 30 Minuten vor der Lieferung der Strom gehandelt. Die Preise in beiden Märkten entwickeln sich momentan nach unten, was vermehrt dazu führt, dass konventionelle Energieerzeuger, die momentan zur Grundlastabsicherung noch unentbehrlich sind, nicht kostendeckend arbeiten können. Auch Speicherbetreiber können aufgrund geringer Preisdifferenzen am Spotmarkt nicht wirtschaftlich arbeiten. Die Dargebotsabhängigkeit der Wind- und Solareinspeisung verlangt einen kurzfristigen kostendeckenden Einsatz flexibler Erzeugerkapazitäten, wobei die Unsicherheit in der Prognose von Wind- und Solareinspeisung Risiken birgt, die es durch entsprechende bereits entwickelte Produkte abzusichern gilt. Die Grundlagen für eine künftig marktwirtschaftlich geregelte Preisbildung werden im Strommarktgesetz manifestiert, denn über die Strompreise können sich am Strommarkt die benötigten Kapazitäten refinanzieren. Dabei sollen Marktpreissignale möglichst unverzerrt wirken. Dazu werden in das Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) die Ziele und Grundprinzipien des weiterentwickelten Strommarktes aufgenommen. Die Regelungen sichern die freie wettbewerbliche Preisbildung ab und lassen Preisspitzen an den Strommärkten zu. Die Regelungen zur Bilanzkreisbewirtschaftung und zum Ausgleichsenergiesystem werden als zentrales Instrument für eine sichere Stromversorgung weiterentwickelt. Dazu werden auch das EnWG und die Stromnetzzugangsverordnung (StromNZV) geändert.