10. Oktober 2017
Gastkommentar
Mehr Unternehmertum in der Politik wagen
Jörg Müller-Arnecke über Unternehmertum in Bremen
Inhalt 1:

Nach den kürzlich öffentlich gemachten Vorstößen einiger Bremer Unternehmer, sich zukünftig politisch engagieren zu wollen, bleibt zu hoffen, dass dies nicht ein kurzzeitiges Aufflammen war, sondern nachhaltig zu neuen Impulsen in den politischen Strukturen führen wird. Die Bremer Parteienlandschaft tut gut daran, sich Quereinsteigern und Personen anderer politischer Bühnen zu öffnen und diesen einen Platz in Ihren Reihen zu geben. Die Bremer Bürger und Unternehmen haben es verdient, dass neue Ideen, Tatendrang und der Wille zur Veränderung zukünftig einen Raum auf der politischen Bühne finden.

 

In den vergangenen Jahren fiel die Bremer Unternehmerschaft allerdings eher durch Kritik am politischen Geschehen als durch persönlichen Einsatz in der Politik auf. Wenn nun einige Unternehmer ihre Erfahrung und ihr Können in die Politik einbringen wollen, um so die Zukunft unseres Bundeslandes mitzugestalten, und ihre vermutlich besser bezahlten Jobs in der Wirtschaft ruhen lassen wollen, ist dies absolut zu begrüßen!

 

Die Befürwortung von Unternehmern rührt im Übrigen nicht daher, der Wirtschaft eine stärkere Stimme in Bremen zu geben, sondern viel mehr, um der Wirtschaftspolitik wieder eine zentrale Rolle in einer sozialen Marktwirtschaft zuzuordnen und die Unterrepräsentanz der Unternehmer in der politischen Landschaft auszugleichen. Es ist offensichtlich, dass die typischen unternehmerischen Erfahrungen, angefangen bei Entscheidungsfreudigkeit, Handlungsfähigkeit und Pragmatismus bis hin zu strategischer Planung und sozialer Verantwortung, diejenigen Eigenschaften sind, die aktuell in der Politik zu suchen sind und die die Zukunftsaufgaben lösen können.

Die akuten Themen in Bremen wie Armut, Arbeitslosigkeit und Haushaltsdefizite werden wir nur gemeinsam mit der Wirtschaft in den Griff bekommen. Von daher ist es ausdrücklich zu fördern und zu unterstützen, wenn sich einzelne Personen oder Personengruppen, wie kürzlich geschehen, aktiv und mit neuen Ideen einbringen wollen.

 

Bei allem unternehmerischen Engagement bleibt zu hoffen, dass die im Mittelpunkt stehenden Parteien nicht vergessen, dass es neben den gewünschten unternehmerischen Tugenden auch um solide politische Handwerkskunst geht. Die politische Bühne unterliegt anderen Dynamiken als ein Unternehmen. Gerade hier liegt der kleine, aber feine Unterschied, der den Anforderungskatalog einer Kandidatur charakterisiert. Dieser fordert ein Handeln von großer politischer Weitsicht und Diplomatie. Es ergibt sich dann eine neue Zukunftsperspektive, wenn sich in den Parteien ein breit aufgestelltes, vielseitiges und mit unterschiedlichen Expertisen ausgestattetes Kompetenzteam bildet, das gemeinsam neue und innovative Handlungsoptionen mit wirtschaftlicher Kompetenz aufzeigt und umsetzt.



Jörg Müller-Arnecke ist kommissarischer Landesvorsitzender des Wirtschaftsrates der CDU in Bremen. Er ist Geschäftsführer der Bremer Firma Beilken Sails, Deutschlands größter und ältester Segelmacherei.

 

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