19. Juni 2014
Perspektiven der HSH Nordbank AG
Sektionssprecher Reimer Tewes erinnerte zur Begrüßung der etwa dreißig teilnehmenden Mitglieder an frühere Veranstaltungen der Sektion Kiel, die in den letzten Jahren mit den Herren Dr. Stuhlmann, Dr. Nonnenmacher und Lerbinger bereits einige Vorstände zu Gast hatte. Entsprechend kam Matthias Wittenburg, Vorstand Corporates & Markets, der kurzfristig für den Finanzvorstand Stefan Ermisch eingesprungen war, schnell zur Sache:
Matthias Wittenburg, Vorstand Corporates & Markets der HSH Nordbank AG / Foto: Wirtschaftsrat

Die Bank habe die Bilanzsumme von 210 auf inzwischen knapp 109 Milliarden Euro zurückgefahren und die Beschäftigten im Zuge dessen um 35 Prozent auf jetzt 2.750 verringert. Durch diese Maßnahmen habe man eine Kernkapitalquote von 13 Prozent und damit im
europäischen Bankenvergleich einen Spitzenplatz erreicht. Dennoch stünden der Bank für die nächsten 6 bis 9 Monaten mit dem schwer einschätzbaren Streßtest der EZB, der Vermögenswertgrenzen von 8 Prozent an hartem Kernkapital einfordere und 5,6 Prozent als
absolute Untergrenze ansehe, noch eini ge Untiefen bevor. Dieses Zeugnis sei für Ende Oktober zu erwarten, wonach zur Erfüllung weiterer Auflagen noch 9 Monate Zeit blieben, um gegebenenfalls fehlendes Kapital aufzubauen.

 

Vor diesem Hintergrund könne man mit der aktuell positiven Ergebnisentwicklung mit über 200 Millionen Euro Konzerngewinn für das erste Quartal sehr zufrieden sein, insbesondere wenn
man berücksichtige, daß für die Zweitverlustgarantie an die Gesellschafter inzwischen 2,8 Milliarden Euro abgeführt werden mußten. Bei der Schiffsfinanzierung habe man aufgrund der Marktlage inzwischen 1/3 des Portfolios wertberichtigt, allerdings bleibe man mit 21 Milliarden
Euro in den Büchern der weltweit größte Schiffsfinanzierer und rechne für das laufende Jahr mit einem Neugeschäft in Höhe von 800 Millionen Euro.

 

Nach den Auflagen der Europäischen Union blieben für Wachstum im Ausland zukünftig nur noch diese Finanzierungen sowie das Energiegeschäft, für das die Bank über wertvolle Kompetenzen verfüge. Ausländisches Firmenkundengeschäft sei dagegen durch EU-Auflagen ausgeschlossen worden, und beim wichtigen Wealth-Management habe die Bank 12.000 Kunden und damit zwei Drittel des Kundenbestandes im Zuge der Umstrukturierung an die Sparkassen abgegeben. Daß diese Maßnahmen erfolgreich gewesen seien, zeige sich vor allen an der hohen Liquidität als Gradmesser für das Vertrauen in die Bank. Jedenfalls könne die schleswig-holsteinische
Wirtschaft durch ihr Engagement dazu beitragen, daß die Sanierung erfolgreich abgeschlossen werden kann.


Sektionssprecher Reimer Tewes dankt herzlich für den offenen Lagebericht. Etwaige Bedenken im Hinblick auf die Einlagensicherung, die in der anschließenden Diskussion von Unternehmerseite
abgefragt wurden, konnte Torsten Koch MdL, als finanzpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion und profunder Kenner der Zusammenhänge jedenfalls schnell ausräumen.
Die Einlagen der HSH Nordbank seien durch entsprechende Garantien sogar in doppelter Weise gesichert, nämlich durch den Bund sowie auch aufgrund alter Verträge zudem noch durch den Sicherungsfonds der Sparkassen.


Für die verbleibenden Risiken seien die beiden Hauptgesellschafter in der Pflicht, die notwendige Vorsorge zu treffen. Wittenburg schloß sich diesem Statement dankbar an: Der Vorstand
könne ausschließlich für den wirtschaftlichen Erfolg arbeiten, weshalb die Vorsorge für einen Plan B anderen Gremien vorbehalten bleiben müsse. BZ