20. Mai 2014
Der Anschluß von dezentralen Energieerzeugnissen - Konsequenzen für die Verbraucher im Norden
Sektion Dithmarschen zu Gast im Infozentrum des KKW Brunsbüttel
Die Stadtwerke Brunsbüttel sind bislang einzigartig, stellt Geschäftsführer Andreas Wulff einleitend zu seinem Vortrag auf Einladung der Sektion Dithmarschen fest. Die im Jahr 2008 im Wege einer Rekommunalisierung von der Stadt Brunsbüttel gegründete Gesellschaft ge winne inzwischen mehr Strom durch dezentrale Einspeisung, als es für die Versorgung der Verbraucher
in der Region benötige.
Die Sektion Dithmarschen freute sich über den Besuch von Andreas Wulff (Geschäftsführer Stadtwerke Brunsbüttel GmbH) / Foto: Wirtschaftsrat

Im Jahr 2011, so Wulff, habe man die Konzession des städtischen Gasnetzes erworben und im Folgejahr die für das Stromnetz. Die Betriebsführung erfolge in Kooperation mit den Stadtwerken
Itzehoe. Zuletzt habe man einen Jahresgewinn von 160.000 Euro ausweisen können, was bei einer Bilanzsumme von 24,5 Millionen Euro im Zuge einer wachsenden Marktdurchdringung im Versorgungsgebiet noch steigerungsfähig sei. Sorge bereite mehr die Liquiditätsentwicklung, wenn auf der untersten Verteilnetzebene in einen intensiven Netzausbau investiert werden müsse.

 

Der Wälzmechanismus der Investitionskosten über die Netzentgelte dauere mit bis 5 Jahren bis zum „Return“ auf dieser Netzebene am längsten. Die Netz entgelte machten inzwischen 27 Prozent des Strompreises aus, Tendenz weiter steigend. Was würde denn mit dem überschüssig
eingesammelten Strom passieren, wollte ein Teilnehmer wissen.

 

Dieser Strom werde auf der nächsthöheren Verteilnetzebene eingespeist, konkret nur wenige Kilometer entfernt beim Umspannwerk von E.ON. Dies kann Oliver Henry Koch, Abteilung Strategie / Politik von E.ON, bestätigen, wie auch den Umstand, daß man bei dem Ausbau der Verteilnetze noch vor großen Herausforderungen stünde, was für die ländlichen Region noch mehr gelten müsse als für ein Stadtgebiet. Hilfreich wäre dafür der Aufbau einer Netzentgeltdatenbank. Sektionssprecher Knut Frisch warnt angesichts der nicht verursachungsgerechten Um lage der Netzentgelte vor einem übertrieben forcierten Ausbau.


Derzeit fehlten Anreize zur Vermeidung von Ausbaukosten. Sollten die Netzentgelte – wie politisch gefordert – zukünftig einmal gesenkt werden, während die Kosten weiter steigen, wären solche Geschäftsmodelle gescheitert. Wenn man die Situation der Stadtwerke Brunsbüttel als Vorläufer betrachte, der im Zuge der Energiewende zunächst Schleswig-Holstein und am Ende womöglich ganz Deutschland zu einer solchen Insel mache, die jeweils nur funktioniere, falls die benachbarte Umgebung überschüssige Strommengen aufnehme, dann hänge die Kompatibilität der Deutschen Energiewende von einer Anpassung der Energieversorgung bei unseren  europäischen Nachbarn ab, die sicherlich nicht ohne Weiteres bisherigen Investitionen in die nationale Energieversorgung abschreiben möchten./BZ