22. Juni 2011
Fachkräftebedarf im Saarland
Wirtschaftsrat bei der Bundesagentur für Arbeit

Unter Leitung des Landesvorsitzenden des Wirtschaftsrates im Saarland, Wendelin von Boch, referierte die Vorsitzende der Geschäftsführung  der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland, Heidrun Schulz, zum Thema: „Fachkräftebedarf im Saarland“.

 

In seiner Einführung wies Wendelin von Boch darauf hin, dass sich der Wirtschaftsrat im Saarland mit seinem Positionspapier zur Arbeitsmarktsituation im Saarland vor wenigen Wochen ausdrücklich mit dem Fachkräftemangel auseinander gesetzt habe. Insofern passe der Meinungsaustausch mit Frau Schulz perfekt in das Profil der Aktivitäten des Wirtschaftsrates.

 

Heidrun Schulz skizzierte zuerst die Situation des Arbeitsmarktes im Saarland: Mit knapp 34.000 gemeldeten Arbeitslosen -  ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr von 10 %  -  und   mit fast 360.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten habe das Saarland den Stand vom Jahr 2000 erreicht. Die Beschäftigtenzahl steige weiter an, wobei der Anteil der Vollzeitbeschäftigten sinke, der der Teilzeitbeschäftigten ansteige. Bemerkenswert sei, so Schulz, dass im Saarland eine der niedrigsten Frauenerwerbsquoten zu verzeichnen sei. Dies sei insbesondere auch im Hinblick auf den bestehenden Fachkräftemangel von Bedeutung.

 

Zur Zeit seien 6.000 offene Stellen im Saarland der Arbeitsverwaltung gemeldet, wobei eindeutig festzuhalten sei, dass die Arbeitgeber immer weniger Interesse an gering qualifizierten und steigendes Interesse an qualifizierten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern haben. Der Ausbildungsmarkt habe sich in den vergangenen Jahren komplett verändert. Im Mai 2011 seien über 2.500 Ausbildungsstellen nicht besetzt. Nicht zuletzt die demographische Entwicklung, von der das Saarland stärker betroffen sei als der Bundesdurchschnitt,  wirke sich bereits bei der Zahl der Schulabgänger und am Ausbildungsmarkt aus. Auch für den Fachkräftemangel sei dies von Bedeutung. Ferner müsse man für den saarländischen Arbeitsmarkt festhalten, dass der Anteil der älteren Arbeitnehmer höher sei als im Bund. In dem Spannungsfeld von Demographie, Globalisierung und dem technologischen Wandel sei die saarländische Entwicklung am Arbeitsmarkt mit der der Bundesländer in Ostdeutschland vergleichbar.

 

Folgende Maßnahmen, so die Vorsitzende der Geschäftsführung der Bundesagentur, müßten daher im Saarland angegangen werden: Die Zahl der Schulgänger ohne Abschluß müsse ebenso wie die Zahl der Ausbildungs- und Studienabbrecher reduziert werden. Ferner müsse die Erwerbspartizipation der Menschen über 55 Jahren erhöht werden, wie auch die der Frauen insgesamt. Auch die Zuwanderung von Fachkräften müsse gezielt gesteuert werden. Die Arbeitszeit der Vollbeschäftigten müsse im Rahmen der gesetzlichen und tariflichen Regelungen flexibilisert und die Ausbildung und Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erhöht werden. Nur so könne dem Fachkräftemangel im Saarland begegnet werden.