11. April 2011
Staatskanzlei-Chef Wintermeyer beim Wirtschaftsrat
Hessische Bevölkerung schrumpft bis 2050 auf den Stand von 1970
„In den nächsten Jahren steht Deutschland vor einer riesigen Herausforderung: Die Bevölkerung schrumpft – langsam, aber wohl unaufhaltsam auf rund 72 Millionen im Jahr 2050. Und weil gleichzeitig mit der medizinischen Entwicklung die Lebenserwartung der Menschen steigt, wird dieses Ungleichgewicht zu erheblichen Problemen in unseren Sozialsystemen und zu enormen Auswirkungen auf die Struktur unseres Landes führen.“ Dieses unterm Strich düstere Bild zeichnete Thomas Breser, Sprecher der Wirtschaftsrats-Sektion Limburg, anlässlich einer Vortragsveranstaltung zum Thema „Demographischer Wandel in Hessen – Die Herausforderung für Wirtschaft und Politik“.

Axel Wintermeyer, Chef der hessischen Staatskanzlei, verdeutlichte vor Mitgliedern des Wirtschaftsrates und Politikern der Region Limburg den bedenklichen Trend und erläuterte mögliche Maßnahmen, die, rechtzeitig ergriffen, die Entwicklung bewältigen könnten.

 

2050 würden in Hessen höchstwahrscheinlich etwa genau so viel bzw. wenig Menschen leben wie im Jahr 1970; nämlich 5,5 Millionen – nach dem Höhepunkt von 6,1 Millionen 2009. Laut Wintermeyer käme dabei am besten Südhessen weg, wo sich ein Minus von zwei Prozent - das wären 62.000 Einwohner weniger auf der Basis von 2009 - bis 2050 abzeichne. Ein Minus von 17 Prozent oder 179.000 Menschen würde für Mittelhessen, für Nordhessen von 24 Prozent oder 290.000 weniger Einwohnern vorhergesagt.

 

„Verlierer“ seien die Landkreise Werra-Meißner-Kreis (Prognose: minus 41 Prozent) und der Vogelsbergkreis (Prognose: minus 39 Prozent). „Gewinner“ seien der Main-Taunus-Kreis und die Städte Frankfurt (je plus sieben Prozent), Darmstadt (plus neun Prozent) sowie weiterhin Offenbach und Wiesbaden.

 

Der demographische Wandel werde sich erheblich und in vielfältiger Weise auf die Wirtschaft auswirken. Wintermeyer nannte Beispiele: Der künftige Arbeitsmarkt wird von älteren Arbeitnehmern dominiert; Frauen und ältere Arbeitnehmer stellen ein bislang unzureichend genutztes Potential dar. Der Fachkräftemangel wird sich voraussichtlich ab 2015 deutlich bemerkbar machen.

 

Um dieser Entwicklung zu begegnen und sie positiv zu gestalten, müsse die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen erhöht werden - Stichwort: Aus und Weiterbildung -, für Wintermeyer der entscheidende Ansatzpunkt. Zudem sei das Wissenstransfer zwischen  Jung und Alt sicherzustellen. Besondere Beachtung verdienten zudem die Qualifizierung und Bindung von älteren Arbeitnehmern, Investitionen in die Gesundheitsvorsorge innerhalb der Unternehmen, effektive Möglichkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren und eine bessere Integration von immer mehr jungen Menschen mit Migrationshintergrund.

 

Neben dem Rückgang der Bevölkerungszahl ist auch die Veränderung der Altersstruktur hin zu den höheren Altersgruppen ein Kennzeichen des demographischen Wandels. Laut Wintermeyer wird 2050 jeder dritte Einwohner Hessens 65 Jahre und älter sein, nur jeder sechste unter 20. Auf die Wirtschaft bezogen bedeute dies, „wir brauchen eine an der demographischen Entwicklung orientierte Personalpolitik, eine entsprechende Aus- und Weiterbildung, um die Bereitschaft für stete Veränderung und lebenslanges Lernen sicher zu stellen.“

 

Die Gesellschaft habe sich ebenfalls auf einen höheren Pflegebedarf vorzubereiten. So seien ausreichend Plätze in erreichbaren Pflegeeinrichtungen, viele Facetten des gesellschaftlichen Engagements sowie ein Zusammenspiel unterschiedlichster Partner erforderlich – angefangen bei Einkaufs- und Haushilfen, über Begleit- und Fahrdiensten zu Ärzten und Behörden, Essen auf Rädern bis hin zu ambulanten Pflegediensten. In diesem Zusammenhang betonte Wintermeyer auch die ehrenamtliche Unterstützung.

 

Eine Zahl zum Schluss: Gab es 2009 rund 43.000 Hessen, die älter waren als 90 Jahre, werden es 2050 Prognosen zufolge 180.000 sein.

v.l.n.r. Limburgs Erster Stadtrat Michael Stanke; Staatsminister Axel Wintermeyer; Sektionssprecher Florian Brechtel Foto: Wirtschaftsrat