29. März 2017
Wachstum durch Innovation: Impulse für Forschung und Entwicklung
Deutschland hat erstmals und vor allem durch die Ausgaben von Unternehmen für Forschung und Entwicklung sein Drei-Prozent-Ziel erreicht. Doch trotz stark gestiegener Innovationsausgaben ging der Anteil innovativer Unternehmen erneut zurück. Es braucht zusätzlicher Impulse, damit Deutschland seine Spitzenposition als Industriestandort halten und ausbauen kann.

Forschung und Entwicklung sind der Rohstoff für Wachstum und Innovation. Laut jüngsten Erhebungen der OECD gehört die Bundesrepublik zur weltweiten Spitzengruppe der fünf Länder, die am meisten in Forschung und Entwicklung (F&E) investiert. 62,4 Milliarden Euro haben allein die deutschen Unternehmen im Jahr 2015 hierfür aufgebracht. Der Bund hat seine F&E-Ausgaben seit 2005 um rund zwei Drittel auf 15 Milliarden Euro gesteigert. Die Unternehmen haben den wesentlichen Anteil dafür geleistet, dass das erklärte Ziel der Bundesregierung, jährlich drei Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) für F&E einzusetzen, erstmals erreicht werden konnte.

 

Doch trotz der stark gestiegenen Innovationsausgaben der deutschen Wirtschaft, ist der Anteil innovationsaktiver Unternehmen erneut zurückgegangen. Es beteiligen sich immer weniger Unternehmen am Innovationsgeschehen. Deshalb gilt es, zusätzliche Impulse zu setzen, um das Innovationspotenzial unserer Wirtschaft dauerhaft zu mobilisieren und den forschenden Mittelstand zu stärken.

 

"Die deutsche Industrie ist weltweit an der Spitze, aber diese Position muss aktiv verteidigt werden“, forderte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates. „Unser Wohlstandsvorsprung und die breite soziale Sicherheit hängen von unserem wirtschaftlichen Erfolg ab. Innovationen für immer neue und immer innovativere Produkte fallen nicht vom Himmel, sondern müssen in Entwicklungsabteilungen und Labors erfunden und verbessert werden. Dafür kann der Staat die Rahmenbedingungen merklich durch die steuerliche Begünstigung von Forschungs- und Entwicklungsausgaben positiv beeinflussen.“

Deshalb fordert der Wirtschaftsrat:

 

  • Die Einführung einer steuerlichen F&E-Förderung

"Wir müssen unsere Industrie auch schon deshalb im internationalen Wettbewerb stärken, weil die meisten Industriestaaten schon längst Forschungs- und Entwicklungsausgaben begünstigen“, sagt Wolfgang Steiger. Unternehmen sollen daher eine Steuergutschrift in Höhe von zehn Prozent ihrer jährlichen F&E-Ausgaben erhalten. Dabei zeigt die Erfahrung aus anderen Ländern, dass die steuerliche F&E-Förderung zusätzliche Investitionen in Innovationen generiert. Mit Ausnahme Deutschlands wird in allen G8-Staaten eine steuerliche F&E-Förderung eingesetzt; 27 von 34 OECD-Staaten nutzen dieses Instrument, um die unternehmerische Experimentierfreudigkeit zu fördern. Eine Auswertung von 60 empirischen Studien belegt die positiven Effekte der Förderung: Einer Steuergutschrift von zehn Prozent stehen private Investitionen von 14 Prozent gegenüber. Dementsprechend generiert jeder Euro, der zur Förderung aufgebracht wird, eine zusätzliche Entwicklungstätigkeit von 1,25 Euro.

 

  • Steuerliche Anreize unabhängig von der Unternehmensgröße

Damit auch größere Unternehmen des klassischen Mittelstands und Hidden Champions von den steuerlichen Anreizen vermehrter Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen profitieren können, fordert der Wirtschaftsrat, dass diese allen Unternehmen zugutekommt. Der Wirtschaftsrat schließt sich der Forderung des Bundesfachausschusses Bildung, Forschung und Innovation der CDU Deutschlands an, die staatliche Förderung auf jährlich zwei Millionen Euro pro Unternehmen zu deckeln. Denn das wesentliche Ziel der steuerlichen Anreize ist es, auch Unternehmen zu eigenen Innovationsanstrengungen zu ermuntern, die bisher kaum oder nur sporadisch aktiv waren.

  • Zusätzliche Impulse für mittelständische Unternehmen

Der Anteil kleiner und mittlerer Unternehmen an den Forschungsausgaben der deutschen Wirtschaft beträgt nur 16 Prozent. Daher müssen die bestehenden Förderinstrumente des Bundes fortgesetzt und ggf. erweitert werden. Hierzu zählen etwa das Programm „Vorfahrt für den Mittelstand“ sowie das „Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand“. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat angekündigt, das Volumen seiner Förderung für kleine und mittlere Betriebe auf 320 Millionen Euro im Jahr 2017 zu erhöhen. Ziel der wachsenden öffentlichen Investitionen in F&E-Aktivitäten muss es sein, kleinere Betriebe und Startups zu ermutigen, und neue Innovatoren zu gewinnen.

 

  • Gründergeist stärken

Die Zahl der Unternehmen in Deutschland geht seit Jahren kontinuierlich zurück. Gemeinsame Aufgabe von Politik und Wirtschaft ist es, den Gründergeist zu stärken, und ein funktionierendes Ökosystem für Startups zu schaffen. "Auch mit Blick auf mögliche protektionistische Maßnahmen auf den Weltmärkten ist eine starke Innovationskraft unserer Industrie, die neue Unternehmen hervorbringt, unbedingt von Vorteil." Hierzu ist ein besserer Zugang zu Risikokapital dringend erforderlich. Die durch die Bundesregierung angekündigte Einrichtung eines Tech Growth Funds in Kooperation mit der KfW-Bank ist ausdrücklich zu begrüßen. Dennoch hätten sich der Wirtschaftsrat und zahlreiche Startups die Verabschiedung eines Wagniskapital-Gesetzes gewünscht. Es gilt, die Börse als Finanzierungsquelle für Startups wiederzubeleben. Ab März soll es an der Deutschen Börse einen eigenen Platz für Startups geben, damit sie leichter Kapital über den Aktienmarkt einsammeln können. Ein längst überfälliger Schritt. Darüber hinaus muss der bürokratische Aufwand zur Unternehmensgründung drastisch reduziert werden. Studien zufolge braucht ein Gründer hierzulande 10,5 Tage für die Formalia. Zum Vergleich: In Kanada sind es gerade 1,5 Tage.