13. Oktober 2011
6. Europäischer Kulturdialog mit Deutsche-Bank-Chef Dr. Josef Ackermann über die Zukunft Europas
Eine „neue Vision für Europa“ verlangt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Dr. Josef Ackermann, und ist sich sicher, dass es Europa in seiner heutigen Form nicht mehr lange geben wird.
v.l.n.r. Mihajlo Kolakovic, Dr. Josef Ackermann, Dr. Michael Mertin (Foto:Wirtschaftsrat)

Wenn die Europäer auf der Weltbühne auch in Zukunft noch maßgeblichen Einfluss nehmen wollen, müssen sich sämtliche Akteure klar darüber sein, dass Europa „nur“ ein Teil des globalen Finanz- und Wirtschaftsgeschehens ist. Die grundlegende Frage laute daher: „Wollen wir künftig mehr oder weniger Europa?“

 

Seiner Auffassung nach wird der Kontinent in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn es nicht gelingt, ein vereintes Europa mit übergreifenden Institutionen und politischen Akteuren zu schaffen, die schlagkräftig gegenüber anderen globalen Mächten wie den USA, China oder Asien auftreten können. „Und nur wenn es uns gelingt, dabei die europäische Bevölkerung mitzunehmen und davon zu überzeugen, hat es Aussicht auf Erfolg“, sagte der Deutsche Bankchef am Mittwoch beim „6. Europäischen Kulturdialog“ zum Thema „Euro und Europa“, der vom Wirtschaftsrat Thüringen gemeinsam mit dem Rotary Club Gera auf Initiative der Chefin des Finanzamtes Gera, Dr. Viola Hahn, veranstaltet worden ist.

Die Idee eines gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraumes ist nach Auffassung des Vorstandschefs der Jenoptik AG und Präsidiumsmitglied des Wirtschaftsrates Deutschland, Dr. Michael Mertin, „richtig und unumgänglich“. „Was aber fehlt ist ein tragfähiger Masterplan zur Umsetzung“, monierte er und verlangte dafür vor allem Nachhaltigkeit. Er forderte die Rückbesinnung auf ein ganz grundlegendes Prinzip der Sozialen Marktwirtschaft: „Wir können nur das ausgeben, was wir zuvor erwirtschaftet haben“. Ein „Leben auf Pump“ wie bisher sei jedenfalls kein tragbares Zukunftsmodell.

Damit befürwortete er ausdrücklich den derzeitigen Schuldenabbau des Thüringer Finanzministers, Dr. Wolfgang Voß, der in seiner Rede selbstkritisch anmerkte, dass die aktuellen enormen Staatsschulden von den Politkern in ganz Europa zu verantworten seien und nicht von den Banken.

„Welche wirtschaftliche und politische Rolle will Europa künftig in der Welt spielen?“ Zu dieser Grundsatzfrage werde sich jeder Einzelne in Europa in absehbarer Zeit positionieren müssen, prognostizierte Dr. Mertin. Daher hält er es auch für so wichtig, dass alle gemeinsam und nicht als Gegner – Politiker, Wirtschaftslenker, Banker und einfache Bürger - ernsthaft miteinander in einen Dialog treten und nach Lösungen für die derzeitige Schuldenkrise suchen.

v.l.n.r. Mihajlo Kolakovic, Dr. Viola Hahn, Dr. Josef Ackermann, Dr. Michael Mertin, Dr. Wolfgang Voß (Foto: Wirtschaftsrat)
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