18. Februar 2013
Die wirtschaftliche Bedeutung des Reitturniers VR Classics für die Region
Sektion Neumünster trifft im Rahmen des traditionellen Reittuniers auf Paul Schockemöhle und Dirk Iwersen
Seit 50 Jahren ist das Reitturnier in Neumünster, das heute unter dem Namen seines Hauptsponsors ,den Volks- und Raiffeisenbanken, als „VR Classics“ firmiert, in der Szene ein Begriff. Unverändert zählt es weltweit zu den bedeutendsten Veranstaltungen seiner Art. Für die Stadt an der Schwale ist es ein Wirtschaftsfaktor und ein Aushängeschild.
v.l.n.r. Heiner Rickers MdL, Hauke Göttsche MdL, Amelie Gall, Paul Schockemöhle, Holger Bajorat (Foto: WR)

Populär ist das Tunier nicht nur durch den Weltcup-Status, sondern auch durch seine familiäre Atmosphäre. Internationale Champions treffen auf aufstrebende Lokalmatadore. Es ist ein Turnier „zum Anfassen“.

 

Und das soll so bleiben. Davon sind sowohl Paul und Bettina Schockemöhle, deren PST Schockemöhle GmbH das Turnier seit 2009 organisiert, als auch Holstenhallen-Chef Dirk Iwersen überzeugt. Denn das Veranstaltungsgelände ist in die Jahre gekommen, und die Holstenhallen Neumünster GmbH als einer der großen Messeveranstalter in Norddeutschland will es auf den neuesten Stand der Technik bringen. 25 Millionen Euro, mitfinanziert vom Land Schleswig-Holstein, stehen für den einzigartigen Kraftakt zur Verfügung.

 

„Die ‚VR Classics‘ werden ihren Charme behalten“, sagte Iwersen während eines Mittagsgespräches der Sektion Neumünster des Wirtschaftsrates. Trotz aller gezielten Modernisierungsarbeiten werde es unverändert Platz zum Flanieren und Shoppen sowie zur zwangslosen Begegnung mit den Aktiven geben. VIP-Logen, um den Ansprüchen der Sponsoren Rechnung zu tragen, kämen hinzu. Aber im Gegensatz zu manch anderem hochklassigen Sport-Event würden sie keinen Ausgrenzungscharakter haben.


Das Ehepaar Schockemöhle, das neben Neumünster noch vier weitere Top-Turniere wie in Hannover und im mecklenburgischen  Redefin ausrichtet, gab während des Essens einen tiefen Einblick in die Situation auf dem Reit- und auf dem Reitsportmarkt. Tiefer als ihn mancher der durch die Bank fachkundigen Gesprächsteilnehmer erwartet hatte. Ihr Fazit: Der Markt ist, wenn nicht in Teilen kaputt, so doch schwer beschädigt. Auslöser: Die Ende 2008 ausgebrochene Finanzkrise, von der sich die Branche bis heute nicht erholt habe.

 

„Zwar“, sagte Schockemöhle, „wird das absolute Spitzenpferd unverändert teurer“, aber: Der Freizeitreitermarkt gehe rapide zurück. Immer weniger Menschen seien bereit und in der Lage, 600 bis 700 Euro pro Monat (von ihrem Nettoeinkommen) für das Einstellen eines Privatpferdes in eine Clubanlage aufzubringen. „Normale Pferde werden bald kein Geld mehr einbringen“, spitzte der Olympiasieger, Züchter und Besitzer des Wunderhengstes „Totilas“ seine Erwartung zu. Fohlen, die vor ein paar Jahren noch 8.000 bis 10.000 Euro gekostet hätten, gingen heute für 2.500 bis 3000 Euro weg. In seinem eigenen Betrieb sei die Zahl der Deckungen in den letzten drei Jahren um 25 bis 30 Prozent zurückgegangen.


Allerdings, so Schockemöhle: Es tun sich auch neue Märkte auf. Erkennbar in Asien, aber deutlich spürbar in die arabischen Staaten. „Wer“, fragte er die Runde, „hätte es jemals für möglich gehalten, dass die Equipe Saudi-Arabiens im Mannschaftsspringen bei den Olympischen Spielen in London die Bronzemedaille gewinnen würde?“