03. Dezember 2014
14. Traditioneller Kaminabend: Wirtschaftsentwicklung in Sachsen-Anhalt - Perspektiven 2016?!
Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff: "Wir haben alle Grund optimistisch in die Zukunft zu schauen!"
Zum traditionellen Kaminabend des Wirtschaftsrates Sachsen-Anhalt begrüßte der frischgewählte Landesvorsitzende Dr. Michael Moeskes vor rund 130 Mitgliedern und Gästen den Ehrengast und Festredner des Abends, Ministerpräsident Dr. Rainer Haseloff, der einen Ausblick über die Entwicklung der Wirtschaft in Sachsen-Anhalt seit der Wende gab.

„Nach der Wirtschafts- und Währungsunion brach die Wirtschaft in sich zusammen, weil sie dem globalen Wettbewerb nicht standhalten konnte, auch weil die Absatzströme  einseitig nach Osten ausgerichtet waren, gegenüber Westdeutschland gab es ein Produktivitätsdefizit von 70 Prozent allein in Sachsen-Anhalt mit seinen Chemie- und Maschinenbaukombinaten brachen Hunderttausende Arbeitsplätze weg“,  sagte Ministerpräsident Dr. Rainer Haseloff einführend. Durch großen unternehmerischen Einsatz und Investitionsförderinstrumente konnte im Laufe der Jahre aber wieder der Grundstock für den wirtschaftlichen Erfolg gelegt werden.


Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß sich die „Erfolgsbilanz sehen lassen kann, obwohl die wirtschaftliche Angleichung an die alten Länder seit einigen Jahren stagniert.“ Dies hätte folgende Ursachen: Erstens, Sachsen-Anhalt verfüge über eine „kleinteilige Unternehmensstruktur: über 99 Prozent der Unternehmen im Land haben bis zu 250 Beschäftigte, nur 24 Prozent der Angestellten sind in größeren Unternehmen tätig, in Westdeutschland sind es 35,5 Prozent, in Industriebetrieben ab 500 Mitarbeitern ist der Beschäftigtenanteil in Westdeutschland sogar fast dreimal so hoch (38 Prozent) wie in Sachsen-Anhalt (14,3 Prozent)!“

Zweitens führe das Fehlen von Konzernsitzen zu einem Export- und Innovationsdefizit, wobei sich die Exportquote sich seit Mitte der 1990er Jahre verdoppelt habe, trotzdem liege sie mit 28,2 Prozent weit unter gesamtdeutschem Durchschnitt von 47,5 Prozent.

 

Dr. Rainer Haseloff teilte mit, daß die Landesregierung im November eine neue Mittelstandsoffensive gestartet habe, Motto: Mehr Wachstum durch Innovationen, mehr Wachstum durch Investitionen, mehr Wachstum durch Internationalisierung. „Wir sollten uns bei der Wirtschaftsentwicklung allmählich von den Ost-West-Vergleichen verabschieden. 'Den Osten' gibt es genauso wenig wie 'den Westen'!“ betonte Haseloff. Entsprechend den Bedingungen in den einzelnen Regionen müssten individuelle Entwicklungsziele ausgemacht und mit ideenreichen Konzepten verfolgt werden.


Es sei nicht damit zu rechnen, dass in den nächsten Jahren eine nennenswerte Zahl Konzernzentralen nach Sachsen-Anhalt kommen würden,sagte der Ministerpräsident, und dass sich die Größenstrukturen der Unternehmen grundlegend ändern würden. Doch könnte, bei Beachtung von individuellen Entwicklungszielen, innovativen Netzwerken und fairer Lastenverteilung bei den Netzentgelten, weiteres wirtschaftliches Wachstum generiert werden.
„Wir haben alle Grund, optimistisch in die Zukunft zu schauen!“, so Dr. Haseloff.


Im Anschluss an die Festrede des Ministerpräsidenten ging der Kaminabend zum inoffiziellen Teil in bilaterale Gespräche über und endete in geselliger Runde zu später Stunde.