24. Mai 2016
Disruptive Geschäftsmodelle: "Digital Natives träumen immer von der Zukunft"
Die digitale Transformation stellt für den Mittelstand und die Industrie eine nie dagewesene Herausforderung dar. Auf dem Innovationsforum sprachen Zalando-Vorstand Rubin Ritter und der Chef des Bundeskanzleramtes Peter Altmaier MdB über Deutschlands Digitale Zukunft.

Für unternehmerischen Mut und entschlossenes Handeln sprach sich der CEO von Zalando, Rubin Ritter, auf dem zweiten Innovationsforum des Wirtschaftsrates aus, bei dem er gemeinsam mit dem Chef des Bundeskanzleramtes und Bundesminister für besondere Aufgaben, Peter Altmaier, über die Chancen und Herausforderungen diskutierte, die durch disruptive Geschäftsmodelle für die deutsche Wirtschaft und die Politik entstehen. Mehr als 60 hochkarätige Unternehmer kamen zu der Veranstaltung, die vom Vorsitzenden des Innovationsforums, Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, Sprecher des Vorstands der PricewaterhouseCoopers AG, eröffnet wurde. 

 

Träumen und hungrig bleiben  

Aus Fehlern zu lernen und hungrig zu bleiben, so fasste Rubin Ritter die Erfolgsformel von Zalando zusammen. Das 2008 gegründete Berliner Unternehmen beschäftigt heute mehr als 10.000 Mitarbeiter und ist damit als junges Unternehmen der größte Anbieter von Digital-Arbeitsplätzen bundesweit. 18 Millionen Kunden aus 15 europäischen Ländern sorgten im vergangenen Jahr für einen Umsatz von drei Milliarden Euro. Für 2016 werden vier Milliarden erwartet. Und Zalando investiert massiv weiter. Eine „Art Betriebssystem für Mode" soll aus Zalando werden, so Ritter. Mit der Plattform-Strategie verfolge das Unternehmen das Ziel, alle Player der Modeindustrie - ob Kunden, Dienstleister, Brands oder stationäre Händler - zu vernetzen. Schon heute sei Zalando weitaus mehr als ein Schaufenster für Mode, sondern ein digitales Einkaufsuniversum. Von der Politik forderte Ritter eine angstfreie und chancenorientierte Debatte zum Datenschutz: „Fast noch mehr als Mode sind Daten das Blut, das in den Adern von Zalando fließt.“ 

 

Arbeitsplätze von morgen sichern

Einig zeigten sich Rubin Ritter und Bundesminister Peter Altmaier in ihrer Einschätzung, dass die Digitalisierung massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben wird. Die Frage sei nicht, ob sich die Arbeitswelt im Zuge der Digitalisierung verändere, sondern ob die Jobs der Zukunft in Deutschland und Europa entstehen, so Altmaier. Um im internationalen Wettbewerb Schritt zu halten, sei Bildung nötig. „Wir brauchen künftig zehn-, vielleicht sogar zwanzigmal so viele IT-Fachkräfte wie heute.“ Die Digitalisierung revolutioniere unser gesamtes Leben. Es sei Aufgabe der Politik, die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und sie in diesem Prozess zu begleiten. Aufhalten, das steht für Altmaier fest, lasse sich die vierte industrielle Revolution jedenfalls nicht. Gerade der Blick auf die Bundeshauptstadt erfülle ihn mit Zuversicht. Berlin sei der ideale Ort für Start-ups und junge, kreative Gründer, dies höre er immer wieder von Menschen aus der ganzen Welt: „Ein bisschen chaotisch, aber offen für die Zukunft“, erklärten sie ihm.

 

Mit Sicherheit in die digitale Zukunft

Der Vorsitzende des Innovationsforums, Prof. Dr. Norbert Winkeljohann, warnte Start-ups und mittelständische Unternehmen davor, die Gefahr von Hackerangriffen, Datendiebstahl und anderen Formen der Cyber-Kriminalität zu unterschätzen. Auf  51 Milliarden Euro beziffere eine aktuelle PWC-Studie den Schaden, der allein der deutschen Wirtschaft durch Cyber-Kriminelle im vergangenen Jahr entstanden sei. Zentrales Element einer IT-Sicherheitsstrategie sei die Aufklärung der Beschäftigten über potenzielle Datenrisiken und den Umgang mit Gefahrenquellen. 

 

Digitale Infrastruktur vorantreiben

„Um morgen wirtschaftlich erfolgreich zu sein, müssen wir heute die notwendigen Rahmenbedingungen schaffen und dürfen die Digitalisierung nicht verschlafen“, mahnte Wolfgang Steiger, Generalsekretär des Wirtschaftsrates der CDU e.V., in seinem Fazit. In den nächsten Jahren müsse ein flächendeckendes Gigabit-Netz in Deutschland ausgerollt werden, damit moderne IT-Anwendungen überhaupt möglich werden. Darüber hinaus müsse ein funktionierendes Ökosystem für Start-ups geschaffen werden. „Für Start-ups brauchen wir besseren Zugang zu Finanzierung und Steuererleichterungen für die Risikokapitalbranche“, so Steiger. Auch künftig werde der Wirtschaftsrat die marktwirtschaftliche Erneuerung unseres Landes thematisieren und somit seinen Anspruch untermauern, der Fortschrittsbeschleuniger der deutschen Politik zu sein.