11. Juli 2016
Mobilität 4.0 - Zukunft von Mobilität und Infrastruktur
Wie sehen Konzepte für eine intelligente, nachhaltige und sichere Mobilität in der Zukunft aus? Das Mobilitätspanel des diesjährigen Wirtschaftstages diskutierte über die Chancen vernetzter Mobilitätsangebote: Von der gezielten Verkehrsplanung mit umweltschonender und effektiver Steuerung von Verkehrsströmen über die Entwicklung neuer Mobilitätskonzepte für den Individualverkehr bis hin zum Flottenmanagement in Unternehmen zur Vermeidung überflüssiger Fahrten.
Podium IV: Impulsvortrag von Christian Lindner MdL, Bundesvorsitzender der FDP

Nach Impulsen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt MdB und Vincent Pang, Westeuropa-Präsident des chinesischen Telekommunikationsausrüsters Huawei sowie dem Bundesvorsitzenden der FDP, Christian Lindner MdL, widmete sich das Panel sehr intensiv den Chancen vernetzter Mobilitätsangebote.

 

Bei der Erörterung der Themen konnte das von Dieter Becker, International Head of Automotive der KPMG AG, moderierte Podium auf die Expertise von Tesla-Deutschlandchef Jochen Rudat,  FlixBus-Gründer und Geschäftsführer André Schwämmlein oder UPS-Vice President Frank Sportolari setzen. Daneben profitierte das Panel von den fachlichen Erfahrungen von Jo Taylor, Finanzexperte des australischen Investors Ontario Teachers’ Pension Plan, sowie von Dieter Althaus, Ministerpräsident a. D. und Vice President des Automobilzulieferers Magna. 

 

Zentrale Handlungsfelder sahen die Podiumsteilnehmer in der Bereitstellung, Umrüstung und Finanzierung digitaler Infrastrukturen. Deutschland 4.0 funktioniere nur mit intelligenten, schnellen Netzen, so die einhellige Meinung. Die von der Bundesregierung bis 2018 angestrebte Übertragungsgeschwindigkeit von 50 Mbit/s wurde insofern als völlig unzureichend verworfen. Vielmehr seien Geschwindigkeiten von mindestens 300 Mbit/s erforderlich. Die Teilnehmer forderten zügige Maßnahmen zur sicheren Versorgung mit schnellem, mobilem Internet speziell entlang der Autobahntrassen und Schienenwege sowie eine schnellstmögliche Einführung des Mobilfunkstandards 5G. Zur Finanzierung der entsprechenden Netzinfrastrukturen wurde empfohlen, auch auf privates Engagement zu setzen. FDP-Chef Christian Lindner MdL brachte zudem den Verkauf der Bundesbeteiligungen an der Deutschen Post ins Spiel. Damit könnten auf einen Schlag acht Milliarden Euro in die Zukunftsinfrastruktur investiert werden, so der Vorschlag.

 

Als wichtige weitere Faktoren für den digitalen Wandel im Verkehrssektor bezeichneten die Panelteilnehmer die verlässliche Datenkommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastrukturen,  Interoperabilität und nicht zuletzt eine hohe Datensicherheit. Dazu seien die Schaffung weltweiter Standards und eines international harmonisierten Rechtsrahmens für digitale Mobilitätsangebote dringend erforderlich.

 

Deutliche Kritik übte das Podium an der ministeriellen Zerfaserung der Digitalisierung in Deutschland. Nahezu jedes Ministerium fühle sich zuständig. Damit sei die institutionelle Blockade vorprogrammiert und zu viel Zeit gehe gegenüber den Wettbewerbern verloren. Da jeder erfolgreiche Veränderungsprozess neben einer Strategie vor allem auch Führung benötige, sprach sich der Kreis für eine Bündelung der digitalen Kompetenzen beim Chef des Bundeskanzleramtes aus.

 

Insgesamt setzten die Podiumsteilnehmer bei der Durchsetzung von Mobilität 4.0 auf die Faktoren Markt und Wettbewerb und sprachen sich nur in Ausnahmefällen dafür aus, auf Staatsförderung zurückzugreifen. Diese dürfe sich nur auf Forschung und Entwicklung beschränken. Auf Unverständnis stieß daher die von der Bundesregierung beschlossene steuerfinanzierte Kaufprämie für Elektroautos. 

 

An die Politik erging die eindringliche Bitte, neue technologische Entwicklungen oder Geschäftsmodelle nicht reflexartig mit Regulierung zu überziehen. FlixBus-Gründer André Schwämmlein brachte die Forderung in der Schlussbemerkung auf den Punkt: „Manchmal reicht es einfach, einen Rahmen zu lassen und ihn nicht kaputt zu machen.“ 

Podium IV: Mobilität 4.0 - Zukunft von Mobilität und Infrastruktur